Die Schweiz soll mehr Ärzte ausbilden

Kantone und Universitäten starten eine neue Offensive für zusätzliche Medizin-Studienplätze. Speziell die praktische und universitäre Ausbildung der Hausärzte soll verbessert werden.

In der Schweiz gibt es zu wenig Hausärzte.

In der Schweiz gibt es zu wenig Hausärzte. Bild: Keystone

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In der Schweiz werden pro Jahr 800 Ärztinnen und Ärzte diplomiert. Nötig seien 1200, sagt Carlo Conti (CVP), Basler Gesundheitsdirektor und Präsident der Gesundheitsdirektorenkonferenz (GDK). Um dieses Ziel zu erreichen, habe er alle Beteiligten an einen Tisch geholt. Herausgekommen ist eine Absichtserklärung. Sie empfiehlt, die Zahl der Studienplätze an den Unis Zürich, Bern, Basel, Lausanne und Genf zu erhöhen.

Vermehrt sollen – neben den Universitätskliniken – auch Zentrums- und Regionalspitäler in die klinische Aus- und Weiterbildung einbezogen werden. Verbessern wollen die Kantone und Universitäten speziell die praktische und universitäre Ausbildung der Haus­ärzte. Als Massnahme nicht erwähnt sind Ordinariate für Hausarztmedizin an allen bestehenden medizinischen Fakultäten, wie sie mit der Hausarzt-Initiative verlangt werden. Wie viel zusätzliche Kosten durch mehr Studienplätze und andere Fördermassnahmen anfallen, konnte Conti nicht sagen. Der Bund müsse sich aber daran beteiligen. Die Absichtserklärung kommt dem Masterplan zur Bekämpfung des Hausärzte­mangels von Innenminister Alain Berset (SP) entgegen.

Weniger vom Ausland abhängig

Unterzeichnet ist das Papier von GDK-Präsident Carlo Conti, der Freiburger Regierungsrätin Isabelle Chassot (CVP), Präsidentin der Erziehungsdirektorenkonferenz; dem Basler Regierungsrat Christoph Eymann (LDP), Präsident der Schweizerischen Universitätskonferenz, und von Antonio Loprieno, Rektor der Universität Basel und Präsident der Rektorenkonferenz der Schweizer Universitäten.

Die Unterzeichner nehmen mit ihrer Absichtserklärung bekannte Vorstösse gegen den Hausärztemangel auf. Dazu gehört, dass wieder mehr Schweizer zu Ärzten ausgebildet werden. An Anwärtern für das Medizinstudium fehlt es nicht. In den letzten Jahren hat sich der Anteil von Medizinern aus dem Ausland stark erhöht, nicht nur in den Spitälern, vermehrt auch in den freien Praxen. Von den über 1000 Ärztinnen und Ärzten, die in diesem Jahr bisher um eine Praxisbewilligung nachgesucht haben, kommen mehr als 40 Prozent aus Ländern der EU.

Versorgungsplanung

Die Absichtserklärung spricht auch das Verteilungsproblem bei der ärztlichen Versorgung an. Die Unterzeichner stellen fest, dass es heute keine «Lenkungsmöglichkeiten» gebe, um die Unterversorgung in Randregionen zu korrigieren. Darum verlangen sie Massnahmen, um eine Verteilung der Ärzteauf diese Gebiete sicherzustellen, «unter Mitwirkung der betroffenen Gemeinden und Kantone (Anreize für die Ansiedlung)». Um die Empfehlungen zu verwirklichen, soll der Bund die rechtlichen Grundlagen erarbeiten. Zwingend sei auch, dass eine Institution bezeichnet werde, die für die Umsetzung der Massnahmen verantwortlich ist. (Basler Zeitung)

(Erstellt: 17.08.2012, 11:47 Uhr)

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