Schweiz

«Die Situation ist für Polanskis Familie fast unerträglich»

Sein Klient sei von der zweimonatigen Haft in der Schweiz stark gezeichnet, erklärt der Anwalt von Roman Polanski. Auch die Familie des Filmemachers verkrafte die Trennung kaum.

«Polanski akzeptiert eine Auslieferung in die USA nicht»: Anwalt Hervé Temime (links) hofft, dass sein Klient bald auf freien Fuss gesetzt wird.

«Polanski akzeptiert eine Auslieferung in die USA nicht»: Anwalt Hervé Temime (links) hofft, dass sein Klient bald auf freien Fuss gesetzt wird.
Bild: Reuters

Für Roman Polanskis Frau und die beiden Kinder, 11- und 16-jährig, sei die Situation nahezu unerträglich, erklärte Hervé Temime, der Anwalt des Cineasten gegenüber der französischen Zeitung «Le Figaro». Obwohl die Familie Polanski einige wenige Male im Gefängnis besuchen durfte, habe die Trennung sie traumatisiert: «Durch ihr Leben ging ein wahrhafter Riss.» Polanski sei für seine Kinder seit ihrer Geburt ein sehr präsenter und liebevoller Vater gewesen, er fehle ihnen deshalb enorm.

Auch Polanski selber ist laut Angaben des Juristen von den letzten zwei Monaten in Haft stark gezeichnet, auch wenn der 76-Jährige sich kaum beklage. «Er zeigt sich sehr mutig in der Haft, auch wenn er diese zugleich als hart und ungerecht empfindet.» Temime stellt den Schweizer Strafvollzugsbehörden aber ein gutes Zeugnis aus: Polanski werde sehr gut behandelt, das Strafvollzugspersonal leiste gute Arbeit.

Polanski bietet Behörden grosse Summe Geld

Temime zeigt sich im Interview zuversichtlich, dass Polanski bald aus der Auslieferungshaft entlassen wird. Nach seinem Dafürhalten wäre eine Verlängerung der Haft eine aussergewöhnliche Ungerechtigkeit. Polanski sei bereit, jegliche Garantien zu liefern, dass er nicht aus der Schweiz fliehen werde, solange das Auslieferungsverfahren laufe. Um wieder auf freien Fuss zu kommen, sei Polanski bereit, in seinem Chalet in Gstaad unter Hausarrest zu bleiben und eine elektronische Fussfessel zu tragen. Zugleich offeriere Polanski eine «sehr bedeutende Summe» Geld.

Das Bundesstrafgericht Bellinzona will in zwei bis drei Wochen darüber befinden, ob Roman Polanski aus der Auslieferungshaft entlassen wird. Temime erklärte, dass Polanski eine Auslieferung in die USA nicht akzeptieren werde. (dvp)

Erstellt: 20.11.2009, 11:43 Uhr

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