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Die Topfavoritin im Gegenwind
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Sie galt zunächst als Topfavoritin für die Nachfolge von Moritz Leuenberger. Und höchstwahrscheinlich schafft sie es heute Freitag auch auf den Zweier-Wahlvorschlag der SP-Bundeshausfraktion. Doch die Chancen der Berner SP-Ständerätin Simonetta Sommaruga, am 22. September Bundesrätin zu werden, sind möglicherweise schlechter als bisher angenommen.
Erstaunlich viele bürgerliche Parlamentarierinnen und Parlamentarier haben sich in den letzten Tagen im persönlichen Gespräch auffallend negativ über Sommaruga geäussert. Vor allem in der FDP und SVP ist die Skepsis gegenüber der im Volk beliebten Konsumentenschützerin deutlich spürbar. Die Ablehnung hat drei Gründe:
- Die Berner Sozialdemokratin sei unberechenbar und gefährlich, heisst es. Sie gebe sich politisch moderat und kompromissbereit, obwohl sie klar links stehe. Sie verstehe es, den politischen Gegner einzulullen. Im Klartext: Manche Bürgerliche haben Angst, dass die politisch talentierte Sommaruga im Bundesrat mit ihrer raffinierten Art zu viele Punkte für die Linke erzielen könnte.
- Sommaruga wird attestiert, das Zeug zu einer in der Bevölkerung beliebten Bundesrätin zu haben. Doch genau dies schadet ihr. Etliche Bürgerliche wollen nicht, dass eine populäre Bundesrätin der angeschlagenen SP bei den Nationalratswahlen 2011 zu den dringend benötigten Stimmen verhilft.
- Wie immer bei Bundesratswahlen spielt am 22. September auch das Bauchgefühl mit. Sommaruga sei kühl und unnahbar, heisst es. Die von vielen Medien als schier makellos gefeierte Ständerätin weckt zudem Neidreflexe. Etliche Politiker bringen es nicht übers Herz, eine Frau zu wählen, die sie als überdurchschnittlich talentiert bewerten – als begabter als sie selber.
Den Polit-Star ausbremsen
All diese Einwände, Überlegungen und Befindlichkeiten könnten am 22. September eine Mehrheit gegen Simonetta Sommaruga ergeben. Weil auch die anderen Kandidatinnen der SP absolut valabel sind, ist die Versuchung für viele Bürgerliche offensichtlich gross, den Polit-Star aus Bern auszubremsen. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 03.09.2010, 07:54 Uhr
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