Schweiz

«Die Zinsen sind nicht tief, um die Leute zum Häuserkauf zu animieren»

Interview: Hubert Mooser. Aktualisiert am 13.02.2013 19 Kommentare

Der Bundesrat spricht von einer beunruhigenden Entwicklung auf dem Immobilienmarkt. ETH-Professor Didier Sornette sagt, man könne die aktuelle Situation nicht mit jener der Achtzigerjahre vergleichen.

«Es ist nicht von einer Immobilienblase, sondern von einer Überhitzung die Rede»: Die Hypothekarzinsen sind immer noch historisch tief.

«Es ist nicht von einer Immobilienblase, sondern von einer Überhitzung die Rede»: Die Hypothekarzinsen sind immer noch historisch tief.
Bild: Keystone

«Wir sind heute mit einer noch nie da gewesenen Situation konfrontiert»: ETH-Professor Didier Sornette.

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Herr Sornette, die Banken sollen bald die Hypothekarkredite mit höheren Eigenmittelanforderungen unterlegen. Dieser Puffer soll die dynamische Entwicklung auf den Immobilienmärkten dämpfen. Was sagen Sie dazu?
Die Situation ist wie immer nicht schwarz oder weiss – und sehr komplex. Man muss diese Entwicklung auf dem Immobilienmarkt in einem internationalen Kontext sehen. Die Zinsen sind nicht darum so tief, weil man die Leute dazu animieren wollte, Häuser oder Wohneigentum zu kaufen. Sie sind so tief, weil man den europäischen Staaten helfen will, die Folgen der Finanzkrise zu bewältigen, und eine weitere Aufwertung des Frankens zum Schutz der Schweizer Exportindustrie vermeiden will. Ein Nebeneffekt davon sind die fast unverschämt tiefen Zinsen für Hypothekarkredite, was tendenziell zu einer Immobilienblase führen kann. Es ist darum richtig, dass der Bundesrat die Kapitalanforderungen der Banken erhöht.

Finanzministerin Eveline Widmer-Schlumpf sprach heute davon, dass man mit grosser Besorgnis die Entwicklung auf dem Immobilienmarkt beobachte. Sie selber haben eine Studie publiziert, die nur in einzelnen Regionen Tendenzen zu einer Immobilienblase festgestellt hat. Wem sollen wir nun glauben?
Wenn man die viel beachteten UBS-Analysen zur Immobiliensituation beizieht, dann merkt man, dass darin nicht von einer Immobilienblase, sondern von einer Überhitzung die Rede ist. Die UBS ist in ihrer Analyse auch alles andere als alarmistisch.

Und was ist mit den exorbitanten Preissteigerungen, von denen die Finanzministerin spricht?
Die Preise steigen schon seit sieben bis acht Jahren an. Die Diskussion, ob dies nun zu einer Immobilienblase führen kann oder nicht, rührt daher, dass sich fast nicht festlegen lässt, was der normale Preis für eine Immobilie ist.

Bei den Preisen beobachte man eine ähnliche Entwicklung wie in den Achtzigerjahren, heisst es. Damals führte dies in eine Immobilienkrise.
Ich habe keine Daten aus den Achtzigerjahren, die mir eine solche Aussage ermöglichen. Es scheint mir auch gewagt, die heutige Situation mit derjenigen der Achtzigerjahre vergleichen zu wollen. Wir sind heute mit einer noch nie da gewesenen Situation konfrontiert, mit extrem tiefen Zinsen. So etwas haben wir ansatzweise erst einmal, 1985, in Japan erlebt.

War es zwingend, dass der Bundesrat nun Massnahmen ergriff, um die Überhitzung abzukühlen?
Was heisst schon zwingend. Es ist aber sicher richtig, dass man probiert, Gegensteuer zu geben. (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 13.02.2013, 18:09 Uhr

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19 Kommentare

Markus Meier

14.02.2013, 07:39 Uhr
Melden 20 Empfehlung 3

Wer ist an einer überteuerten Immobilie als erstes interessiert?
1. der Verkäufer, 2. die Gemeinde, der Kanton, der Bund!
Durch die Berechnung des Eigenmietwertes durch den Kanton Zürich, wird der Bezahlte Wert genommen. In anderen Kantonen wird die Imobilie durch die Gebäudeversicherung geschätzt.
Somit ist Zürich an hohen Immobilienpreisen interessiert, denn das gibt mehr Steuereinnahmen!
Antworten


Bruce Schlaepfer

13.02.2013, 23:42 Uhr
Melden 27 Empfehlung 12

Ende 80er Jahre war es so: man kaufte eine Wohnung, und 9 Monate später rief die Bank an, die Wohnung sei im Preis schon so gestiegen dass die 20% Eigenkapital für eine weitere Wohnung vorhanden sei. Man kaufte die zweite Wohnung ohne einen Rappen zu zahlen. DAS war überhitzt. Der Bundesrat übt sich - wie so oft - in überflüssiger Aktivität. Antworten



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