Schweiz
Die offenen Fragen im Fall Luca Mongelli
Von Monica Fahmy. Aktualisiert am 16.10.2010 208 Kommentare
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Der Fall Luca Mongelli soll neu beurteilt werden, das fordern nebst seinen Eltern über 9000 Unterzeichner einer Petition. Sie wollen wissen, was am Abend des 7. Februar 2002 in Veysonnaz (VS) wirklich geschah, als der damals 7-jährige Luca Mongelli vor den Augen seines 4-jährigen Bruders zum Invaliden wurde.
Damals kam Tina Mongelli gegen 18 Uhr in ihr Chalet und musste feststellen, dass sich ihre Söhne mit ihrem Schäferhund Rocky unerlaubt nach draussen begeben hatten. «Es dunkelte, ich machte mir Sorgen und ging sie laut rufend suchen», sagte Tina Mongelli im Januar 2009 in «Zone d’ombre» im welschen Fernsehens TSR. Rocky sei ihr entgegen gelaufen, habe sie am Ärmel gepackt, sie zu ihren Söhnen geführt.
Lucas Kleider lagen auf einem Haufen
«Marco stand hinter einem Baum, ich lief auf ihn zu. Plötzlich sah ich Lucas Kleider, sie lagen auf einem Haufen.» Tina Mongelli fand Luca im Schnee, nackt, die Hosen bis zu den Knien herunter gezogen. «Er seufzte und fiel dann ins Koma. Es war für mich klar, dass ein Mensch ihm etwas angetan hatte.»
Nicht aber der Polizei. Wahlweise hiess es gleich, Luca habe sich selber ausgezogen oder der Hund habe ihn ausgezogen. «Am gleichen Abend, um 21.45 Uhr, gab die Polizei schon eine Medienmitteilung heraus, dass der Hund meinen Sohn verletzt hatte», sagt Lucas Vater Nicola Mongelli. «Die Untersuchungen hatten da noch gar nicht richtig begonnen!»
«Hätte ein Hund ihm diese Kleider ausgezogen, wären es nur noch Fetzen»
Anne-Marie Villars, die Veterinärin, die den Fall im Auftrag des Gerichts untersuchte, hält die These, dass der Hund Luca etwas angetan habe, für unwahrscheinlich. «Jacke und Hose von Luca waren unbeschädigt. Hätte ein Hund ihm diese Kleider ausgezogen, wären es nur noch Fetzen», sagte Villars zu «Zone d’ombre». Kommt hinzu, dass die Kratzspuren auf Lucas Körper in alle Richtungen wiesen. «Spuren von einem Hund wären parallel gewesen. Zudem beisst ein Hund eher, als dass er kratzt. Bissspuren sind aber nur sehr schwach an einer einzigen Stelle auszumachen.» Das Gutachten Villars wurde vor Gericht nicht berücksichtigt. Nur ihre Aussage, dass der Hund keine Hundeschule besucht hatte.
Ebenso wenig berücksichtigt wurde die Aussage einer Kinderärztin, die Lucas Bruder Marco untersucht hatte. Der damals Vierjährige hatte ihr gesagt: «Rocky hat gebissen. Jemand hat Luca weh getan.» Die Ärztin sagte ausdrücklich, sie könne die Einwirkung Dritter nicht ausschliessen. Warum ignorierte der Untersuchungsrichter auch diese Aussage?
Anwalt mit anonymen Anrufen bedroht
Für den Untersuchungsrichter stand vielmehr fest: Rocky hat Luca Mongelli verletzt. Sonst keiner. «Wenn das stimmt, weshalb wurde dann unser ehemaliger Anwalt unter Druck gesetzt?», fragte Nicolas Mongelli in der Sendung des TSR. Der Anwalt erzählte dort: «Ich erhielt anonyme Anrufe, meine Familie wurde bedroht, ich solle das Mandat im Fall Luca niederlegen. Warum der ganze Aufwand, falls tatsächlich der Hund der Täter war?»
Vier Monate nach dem traumatischen Ereignis erwachte Luca Mongelli aus dem Koma. Er erzählte, dass die ihm etwas angetan hatten, die ihn gezwungen hatten, «Ameisen zu trinken». Der Vorfall, von dem Luca sprach, lag etwas zurück. Wer die Jugendlichen waren, liess sich aber eruieren. Luca habe sie in der Folge eindeutig identifiziert, erzählt der Privatermittler Fred Reichenbach gegenüber baz.ch/Newsnet. Es handle sich um drei Brüder, die damals 16, 14 und 11 Jahre alt waren und deren 9-jähriger Cousin. Die Namen will Reichenbach nicht öffentlich nennen. «Es ist Sache der Justiz, dem nachzugehen.»
Die Rolle der Jugendlichen in Veysonnaz
Luca Mongelli habe erzählt, dass sich die Jugendlichen über ihn genervt hatten, weil er sie ständig verfolgt habe. «Luca wollte Teil der Gruppe sein, er schlich in ihr Chalet. Sie rannten ihm hinterher», so Reichenbach. «Luca erzählt, dass ein Grosser ihn zu Boden drückte und ihm die Kleider wegriss. Dann hielten sie ihn in einer mit Schnee gefüllten Mulde und schlugen ihn mit Stöcken.»
Der Untersuchungsrichter hielt Luca Mongelli für unglaubwürdig, «weil er im Koma gelegen hatte». Die Jugendlichen wurden zwar befragt, die Ermittlungen wurden jedoch bald eingestellt, weil sie angaben, an jenem Tag in der Schule in Lausanne gewesen zu sein. Die Direktoren der Schulen bestätigten dies. Ein Zeuge gibt jedoch an, die Jugendlichen am späten Nachmittag in Veysonnaz gesehen und nach Granges gefahren zu haben, so Reichenbach. Er selber konnte die beiden älteren befragen. Auf ihn habe alles, was sie zu sagen hatten, einstudiert gewirkt.
«Wie kam diese Substanz auf Luca?»
Der ehemalige Polizist fragt sich ferner, weshalb ein leitender Kinderarzt des Spitals Sion nicht erwähnte, dass grünliche Rückstände auf Luca Mongelli gefunden wurden. Eine Person, die an jenem Abend im Spital anwesend war, bestätigt der Zeitung «Nouvelliste», dass sie in Anwesenheit eines Arztes diese Rückstände gesehen habe. Man habe sogar ausschliessen können, dass es sich um eine menschliche Ausscheidung handle. Es hätte sich gut um Slime handeln können, sagt diese Person zum «Nouvelliste» vom 14. Oktober 2010, eine schleimige Substanz, mit der Kinder spielen. «Wie kam diese Substanz auf Luca? Und warum liess man sie einfach verschwinden?», fragt Reichenbach.
Gegenüber Medien sagte der zuständige Untersuchungsrichter Nicolas Dubuis, es werde geprüft, ob der Fall neu aufgerollt werde. Reichenbach ist skeptisch, er glaubt, dass eine seriöse Aufarbeitung des Falls aus zwei Gründen behindert werde. Die Behörden hätten aus Unerfahrenheit grobe Fehler bei den Ermittlungen gemacht und hätten kein Interesse daran, dass diese Fehler an die Öffentlichkeit kommen, so Reichenbach. «Dann haben die Familien der Jugendlichen ein klares Interesse, die Sache zu vertuschen. Für einen blinden Tetraplegiker aufzukommen, ist eine teure Angelegenheit.» (baz.ch/Newsnet)
Erstellt: 16.10.2010, 09:02 Uhr
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208 Kommentare
Ich habe mir die Arbeit gemacht, und alle Kommentare der "Amateurfachberater" durchgelesen. Ich bin fasziniert, wie man ohne weitere Kenntnis der Faktenlage so präzise Urteile fällen kann. Forensiker und Kriminalisten brauchen dafür Tage, Wochen, Monate. Nur, die Amateurfachberater waren halt schon immer eine Nasenlänge voraus, das liegt wohl in der Natur der Sache. Antworten
An alle: hört doch auf mit diesem Walliser-Bashing! Vetterliwirtschaft gibts überall! Der Fall ist tragisch und ich hoffe, dass er neu aufgerollt wird. Aber anhand von irgendwelchen Annahmen und ohne wirkliche Beweise derart hetzerische Kommentare zu posten finde ich ziemlich daneben! Ich mache weiterhin Ferien im Wallis. Antworten
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Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.





