Schweiz
Dignitas bereitet Sterbehilfe für kerngesunde Frau vor
Von David Vonplon, Michael Meier. Aktualisiert am 03.04.2009 50 Kommentare
Quelle: BBC
Suizid als «wunderbare Chance»: Dignitas-Chef Ludwig Minelli. (Bild: Keystone)
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Ludwig Minelli enthüllte am Donnerstag am britischen Radiosender BBC, er wolle einer gesunden Kanadierin Sterbehilfe leisten. Deren Mann leidet an Krebs. «Der Ehemann ist krank, sie ist nicht krank, aber sie hat uns bei mir zu Hause mitgeteilt, wenn ihr Mann gehe, dann wolle sie mit ihm gehen», sagte Minelli. Er will nun in der Schweiz vor Gericht die Frage klären, ob es legal ist, gesunde Menschen in den Tod zu begleiten. Dignitas will insbesondere prüfen, ob es die eidgenössische Rechtssprechung Ärzten erlaubt, auch gesunden Menschen den tödlichen Cocktail zu verabreichen.
Das kanadische Ehepaar hatte schon 2006 vom Dignitas-Arzt die Zusage für ein Rezept des tödlichen Barbiturats erhalten. Kantonsarzt Ulrich Gabathuler stoppte die Freitodbegleitung, weil der Arzt gar keine Praxisbewilligung mehr hatte.
Rezept auch für nicht todkranke Ehepaare
Für Dignitas ist das Problem, auch gesunde oder relativ gesunde Menschen in den Suizid zu begleiten, so neu nicht. Es hat sich schon mehrfach bei der Begleitung von Ehepaaren gestellt. Beispielsweise 2003, als die Freitodorganisation das englische Ehepaar Robert and Jennifer Stokes in den Suizid begleitete: Sie (53) litt an Multiple Sklerose, er (59) an Epilepsie. Obwohl nicht todkrank, bekamen beide das Rezept vom Dignitas-Vertrauensarzt. Sohn David Stokes ging an die Öffentlichkeit und versicherte, seine Eltern seien nicht auf den Tod krank gewesen.
Erst vor kurzem begleitete Dignitas das sehr begüterte britische Ehepaar Peter and Penny Duff. Beide Eheleute litten an Krebs, wobei ein Partner längst nicht terminalkrank gewesen sein soll. Im Jahre 2002 sorgte die Freitodbegleitung eines schizophrenen, aber physisch gesunden Geschwisterpaares aus Frankreich für Aufsehen. Dem rezeptierenden Arzt wurde später die Praxisbewilligung entzogen.
Unheilbare Krankheit keine Voraussetzung
Der Dignitas-Chef bezeichnete den Freitod im Interview als «wunderbare Chance», die nicht nur todkranken Menschen mit schweren Krankheiten vorbehalten sein soll. Jedem Menschen mit intakten geistigen Fähigkeiten stehe es frei, eine Suizidunterstützung in Anspruch zu nehmen. «Der Freitod ist eine gute Möglichkeit, um einer Situation zu entkommen, die unabwendbar ist. Eine unheilbare Krankheit ist dafür keine Voraussetzung.» Als Vorteil nannte Minelli, dass der assistierte Suizid auch finanziell Sinn mache, da er zu grossen Einsparungen im Gesundheitswesen führe.
Die Aussagen Minellis haben in der britischen Presse einigen Wirbel ausgelöst. Sterbehilfe-Experten kritisieren die Pläne von Dignitas: «Wir müssen nun klare Signale aussenden, dass es falsch ist, Menschen, die nicht unheilbar krank sind, in den Tod zu begleiten», erklärt Sarah Wotton, Chefin der britischen Organisation Dignity in Dying. Auf Anfrage von baz.ch/Newsnet wollte Minelli zum Sachverhalt keine Stellung nehmen.
In England verbietet das Gesetz die Sterbehilfe. Deshalb reisen immer mehr suizidwillige Briten in die Schweiz, um in der Zürcher Dignitas-Klinik zu sterben. Laut eigenen Angaben hat die Sterbehilfeorganisation bereits mehr als 100 Engländer in den Tod begleitet.
Bund will strengere Gesetze ausarbeiten
Der Bund lässt derzeit abklären, ob im Bereich Sterbehilfe neue Gesetze nötig sind. Dies nicht zuletzt, weil Organisationen wie Dignitas mit dem Gedanken spielen, auch Gesunden ihre Dienste anzubieten, wie Bernardo Stadelmann, Vizedirektor des Bundesamts für Justiz bereits letzten Sommer erklärte. Insbesondere will der Bund ethische Schranken für Anbieter einführen, die unter anderem auch die Suizidhilfe für Gesunde ausschliessen. (baz.ch/Newsnet)
Erstellt: 03.04.2009, 14:43 Uhr
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50 Kommentare
Komisch das das der grund sein soll um sich das Leben zu nehmen. Hoert sich wie Romeo und Julia an. Wir haben doch alle eine Liebe... Und wehn das die Erde sein soll (Geld, Ehe, und materieles zeug) dan weren alle Leute mindestens in einem jahr tot. Vieleicht haette die neue generation wirder platz zum spielen. Damit meine ich Kinder wie Ich. Antworten
Wer die Disziplin "Toleranz" beherrscht wird niemals das subjektive Bedürfnis eines Sterbewilligen bekritteln, weil ihm die übersinnliche Befähigung fehlt in der Seele =die Summe sinnlich nicht wahrnehmbarer innerer Erlebnisse des betroffenen Menschen, l e s e n zu können. Wer dennoch toleranzlos kritisiert steht im Verdacht in subjektiver Willkür, Sterbewillige zu bevormunden.Egon Stein,Meggen Antworten
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