Schweiz
Ein Zufluchtsort für Elektrosensible
Von Richard Diethelm. Aktualisiert am 06.04.2010 18 Kommentare
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Versteckt wie Schneewittchen hinter den sieben (Frei-)Bergen liegt Soubey im Kanton Jura. Der malerische Flecken in der Niederung des Tals, das der Doubs tief in die Jura-Höhen geschnitten hat, ist ein Geheimtipp für Wanderer, Fischer und Kanuten. Doch diese Attraktionen genügen nicht, um die Abwanderung aus dem Bauerndorf zu stoppen. Im Verlauf des letzten Jahrhunderts schrumpfte die Einwohnerzahl um 60 Prozent. Heute wohnen noch 158 Personen in der Gemeinde, ein Drittel davon sind Rentner.
Empfindlich auf elektromagnetische Strahlung
Nun glaubt Gemeindepräsident Samuel Oberli, er habe ein Mittel gegen den Bevölkerungsschwund gefunden: Soubey soll sich als Elektrosmog-freier Ort erklären und dadurch ein Magnet werden für Menschen, die empfindlich auf elektromagnetische Strahlung reagieren. Gemäss Umfragen der Bundesämter für Umwelt und Gesundheit bezeichnen sich rund 5 Prozent der Schweizer Bevölkerung als «elektrosensibel». Aus ihrem Kreis hofft Samuel Oberli auf Neuzuzüger.
Bereits heute verirren sich nur wenige elektromagnetische Strahlen in das enge, gewundene Tal. Das hat sich der Bauer und Gemeinderat Nicolas Barth zu Nutze gemacht. Er beherbergt auf seinem Hof Gäste aus Frankreich, die allergisch auf den Elektrosmog in ihrer Heimat reagieren. «Diese Leute sind wegen der Elektrizität und der Allgegenwart neuer Technologie mit ihren Nerven am Ende. Ihre Widerstandkraft gegenüber Schicksalsschlägen ist geschwächt», sagte der Bauer der Zeitung «L’Impartial». Barth benutzt kein Handy mehr, und im Internet surft er nur noch via Festnetzverbindung.
Die Idee, eine Elektrosmogfreie Zone am Doubs zu schaffen und damit zu werben, hatte der Westschweizer Verein für die Nicht-Weiterverbreitung von abstrahlenden Antennen (ARA) den Gemeindebehörden gesteckt. ARA-Präsident Philippe Hug bedauert, dass in der Schweiz Allergie auf elektromagnetische Strahlen nicht wie in Kanada und Schweden als Krankheit anerkannt ist. «Es gibt rund hundert Symptome», zitierte «L’Impartial» Vereinspräsident Hug.
Das Dorf frei von Elektrosmog
In der Wissenschaft ist jedoch umstritten, ob etwa die hochfrequente Strahlung des Mobilfunks schädlich ist. Ein neuer Leitfaden des Bundes für Gemeinden, die Gesuche für Mobilfunkantennen beurteilen müssen, anerkennt zwar einen Zusammenhang zwischen dem Wärmeeinfluss starker Strahlung und der Gesundheit von Menschen. Aber der Bund schliesst eine Gefährdung durch thermische Effekte aus, weil «die geltenden Immissionsgrenzwerte in der zugänglichen Umwelt durchwegs eingehalten werden». Offen bleibe aus wissenschaftlicher Sicht hingegen, ob der Mobilfunk andere Folgen für Zellen, Tiere und Menschen habe.
In Soubey steht die einzige Mobilfunkantenne auf dem Schulhaus, das wegen zu geringer Schülerzahl nicht mehr in Betrieb ist. Geht es nach dem Willen des Gemeinderats, soll diese Antenne gekappt werden, dann wäre das Dorf frei von Elektrosmog. Die Möglichkeitsform ist hier angebracht: Einerseits wendet die Swisscom ein, sie könnte ihre Antenne in Soubey auch auf privatem Grund errichten. Die an Frankreich grenzende Gemeinde hat laut einem Swisscom-Sprecher auch keine Handhabe, die Mobilfunk-Strahlen von France Télécom von ihrem Gebiet fernzuhalten.
Anderseits wird die Gemeindeversammlung demnächst darüber befinden, ob Soubey auf eine Entwicklung als Zufluchtstätte für Elektrosensible setzen soll. Dann wird sich weisen, ob die Wegpendler und die Familien der auswärts unterrichteten Volksschüler freiwillig auf ihr liebstes Kommunikationsmittel verzichten: das Handy. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 06.04.2010, 23:22 Uhr
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18 Kommentare
Alles Kabellose hat einen negativen weltweiten Einfluss.Technisch hervorragend! Leider müssen wir ernten was andere zu unserer Bequemlichkeit gesät haben. Die Kraft und Energie schwindet, aber nicht nur bei den Menschen sondern wirklich in der ganzen Schöpfung. Wie lange hat es gebraucht mit der Erkenntnis, Rauchen, Asbest, Tschernobyl, um nur einige zu nennen. Keine Bienen,wo bleibt Nahrung! Antworten
Eine sehr gute Idee! Hochachtung vor Kommunalpolitikern die auch "heiße Eisen" anpacken. Viele Menschen bei uns wären froh über einen "Vordenker" wie ihn. Übriges: Ich würde mich um eine Wohnung und eine Aufenthaltsgenehmigung bemühen. Mit freundlichen Grüßen aus Deutschland Johannes Mayer Antworten
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Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.




