Ein Zufluchtsort für Elektrosensible

Ein Dorf im Jura möchte als elektrosmogfreie Gemeinde Zuzüger gewinnen.

Das Rentnerdorf: «Soubey» im Kanton Jura soll «elekrosensible» für sich gewinnen.

Das Rentnerdorf: «Soubey» im Kanton Jura soll «elekrosensible» für sich gewinnen.

Stichworte

Versteckt wie Schneewittchen hinter den sieben (Frei-)Bergen liegt Soubey im Kanton Jura. Der malerische Flecken in der Niederung des Tals, das der Doubs tief in die Jura-Höhen geschnitten hat, ist ein Geheimtipp für Wanderer, Fischer und Kanuten. Doch diese Attraktionen genügen nicht, um die Abwanderung aus dem Bauerndorf zu stoppen. Im Verlauf des letzten Jahrhunderts schrumpfte die Einwohnerzahl um 60 Prozent. Heute wohnen noch 158 Personen in der Gemeinde, ein Drittel davon sind Rentner.

Empfindlich auf elektromagnetische Strahlung

Nun glaubt Gemeindepräsident Samuel Oberli, er habe ein Mittel gegen den Bevölkerungsschwund gefunden: Soubey soll sich als Elektrosmog-freier Ort erklären und dadurch ein Magnet werden für Menschen, die empfindlich auf elektromagnetische Strahlung reagieren. Gemäss Umfragen der Bundesämter für Umwelt und Gesundheit bezeichnen sich rund 5 Prozent der Schweizer Bevölkerung als «elektrosensibel». Aus ihrem Kreis hofft Samuel Oberli auf Neuzuzüger.

Bereits heute verirren sich nur wenige elektromagnetische Strahlen in das enge, gewundene Tal. Das hat sich der Bauer und Gemeinderat Nicolas Barth zu Nutze gemacht. Er beherbergt auf seinem Hof Gäste aus Frankreich, die allergisch auf den Elektrosmog in ihrer Heimat reagieren. «Diese Leute sind wegen der Elektrizität und der Allgegenwart neuer Technologie mit ihren Nerven am Ende. Ihre Widerstandkraft gegenüber Schicksalsschlägen ist geschwächt», sagte der Bauer der Zeitung «L’Impartial». Barth benutzt kein Handy mehr, und im Internet surft er nur noch via Festnetzverbindung.

Die Idee, eine Elektrosmogfreie Zone am Doubs zu schaffen und damit zu werben, hatte der Westschweizer Verein für die Nicht-Weiterverbreitung von abstrahlenden Antennen (ARA) den Gemeindebehörden gesteckt. ARA-Präsident Philippe Hug bedauert, dass in der Schweiz Allergie auf elektromagnetische Strahlen nicht wie in Kanada und Schweden als Krankheit anerkannt ist. «Es gibt rund hundert Symptome», zitierte «L’Impartial» Vereinspräsident Hug.

Das Dorf frei von Elektrosmog

In der Wissenschaft ist jedoch umstritten, ob etwa die hochfrequente Strahlung des Mobilfunks schädlich ist. Ein neuer Leitfaden des Bundes für Gemeinden, die Gesuche für Mobilfunkantennen beurteilen müssen, anerkennt zwar einen Zusammenhang zwischen dem Wärmeeinfluss starker Strahlung und der Gesundheit von Menschen. Aber der Bund schliesst eine Gefährdung durch thermische Effekte aus, weil «die geltenden Immissionsgrenzwerte in der zugänglichen Umwelt durchwegs eingehalten werden». Offen bleibe aus wissenschaftlicher Sicht hingegen, ob der Mobilfunk andere Folgen für Zellen, Tiere und Menschen habe.

In Soubey steht die einzige Mobilfunkantenne auf dem Schulhaus, das wegen zu geringer Schülerzahl nicht mehr in Betrieb ist. Geht es nach dem Willen des Gemeinderats, soll diese Antenne gekappt werden, dann wäre das Dorf frei von Elektrosmog. Die Möglichkeitsform ist hier angebracht: Einerseits wendet die Swisscom ein, sie könnte ihre Antenne in Soubey auch auf privatem Grund errichten. Die an Frankreich grenzende Gemeinde hat laut einem Swisscom-Sprecher auch keine Handhabe, die Mobilfunk-Strahlen von France Télécom von ihrem Gebiet fernzuhalten.

Anderseits wird die Gemeindeversammlung demnächst darüber befinden, ob Soubey auf eine Entwicklung als Zufluchtstätte für Elektrosensible setzen soll. Dann wird sich weisen, ob die Wegpendler und die Familien der auswärts unterrichteten Volksschüler freiwillig auf ihr liebstes Kommunikationsmittel verzichten: das Handy. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 06.04.2010, 23:22 Uhr

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18 Kommentare

Elisabeth Scherrer

01.03.2011, 14:47 Uhr
Melden 2 Empfehlung

Alles Kabellose hat einen negativen weltweiten Einfluss.Technisch hervorragend! Leider müssen wir ernten was andere zu unserer Bequemlichkeit gesät haben. Die Kraft und Energie schwindet, aber nicht nur bei den Menschen sondern wirklich in der ganzen Schöpfung. Wie lange hat es gebraucht mit der Erkenntnis, Rauchen, Asbest, Tschernobyl, um nur einige zu nennen. Keine Bienen,wo bleibt Nahrung! Antworten


Eva Vavvas

03.07.2010, 21:02 Uhr
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Anfangs habe ich verzweifelt nach einem Ort gesucht, wo ich sein könnte. Inzwischen habe ich mich insoweit erholt, dass ich mich zeitweise stärkerem Elektrosmog aussetzen kann. Ich habe gelernt mit dieser Schädigung zu leben. Den Spötten und Zweiflern möchte ich sagen: "Die Dosis macht das Gift." Bei heißem Wetter ertrage ich mehr. Nicht Null - Strahlung, weniger! -Aber keinen Sender ins Dorf! Antworten


Hartmut Hellwig

22.04.2010, 09:49 Uhr
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Die Problematik eines Zufluchtortes ist viel komplexer als bisher dargestellt. Wir, die Wellenbrecher - Bürger gegen Elektrosmog e.V., aus Deutschland, registrieren europaweit EHS-Betroffene und haben bisher einen guten Überblick über den Schädigungsgrad bei Menschen und Umwelt. Oft wird die Belastung von DVB-T,BOS, W-LAN usw. übersehen!Es gibt kein unbefeldetes Gebiet mehr ohne Belastung für EHS! Antworten


Daniel Liechti-Zuber

20.04.2010, 14:48 Uhr
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@Beat Zahnd: Es gibt Personen, die reagieren auf WLAN mit Befindlichkeitsstörungen, andere auf Handys und wieder andere auf PC-Bildschirme oder Tastaturen. Die Symptome sind vielfältig, die Thematik extrem komplex und die Sache bei Weitem nicht so einfach, wie Sie es darstellen! Nachts den Strom "abstellen" ist tatsächlich wichtig und zwar zur Reduktion elektrischer Felder .. www.e-smog-info.ch Antworten


Daniel Liechti-Zuber

20.04.2010, 14:38 Uhr
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@ Paul Dettling: Ein Handy sendet nicht dauernd - eine Mobilfunkantenne aber schon. Ihre Aussage bzgl. Faraday-Hülle muss ich korrigieren: Elektromagnetische Wellen bestehen aus Wirbelfeldern und nicht Quellenfeldern, so dass das Influenzprinzip, welches die Abschirmwirkung des Faraday-Käfigs ausmacht, dort nicht zum Tragen kommt. --> Nur Reflektion bzw. Absorption wirkt gegen Satelliten! :-) Antworten


Johannes Mayer

09.04.2010, 14:31 Uhr
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Eine sehr gute Idee! Hochachtung vor Kommunalpolitikern die auch "heiße Eisen" anpacken. Viele Menschen bei uns wären froh über einen "Vordenker" wie ihn. Übriges: Ich würde mich um eine Wohnung und eine Aufenthaltsgenehmigung bemühen. Mit freundlichen Grüßen aus Deutschland Johannes Mayer Antworten


Siegfried Fischer

09.04.2010, 13:46 Uhr
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Wieso sollten Menschen mit Elektrosensibilität eingebildete Kranke sein. Fallen danach die autofreien Städte und Länder (z.B. Teile der Bermudas) bzw. deren Verwaltungen und Bürgervertreter auch zu den Irren, weil sie keine Autos in den engen Straßen dulden ? Ws ist mit dem Rauchverbot? Sind das auch Irre, die das Verbot gefordert und durchgesetzt haben ? Antworten


Michael Haefliger

08.04.2010, 08:19 Uhr
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Wow, ich informierte mich schon, wo man im Jura ein Gesundheitszentrum bauen könnte. Wer immer noch behauptet EMP ist unbedenklich bei heutigen Grenzwerten, hat sich nicht damit beschäftigt oder bezieht seine Infos aus den Hofgünstlingsmedien. Der Mensch ist ein elektromagnetisches Wesen. Die Hirn-Blut-Schranke kann durch EMP einfach geöffnet werden, was gefährlichen Substanzen den Weg ins Hirn .. Antworten


Matti Hoch

08.04.2010, 00:05 Uhr
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In der Wissenschaft ist es umstritten....immer dasselbe Geschwätz. Ist die Wissenschaft alles? Und was ist mit dem Glauben? Wissenschaft, Du unlauterer Gott derjenigen, die ihre Boshaftigkeiten verbergen, ihren Unglauben wissenschaftlich untermauern wollen, ihre boshaften Taten weiterhin unter Deinem Deckmäntelchen zum Schaden der Menschheit weiter tun wollen! Glaube an den wahrhaften Gott! Antworten


Zahnd Beat

07.04.2010, 23:28 Uhr
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Seltsam. Wie kann man ein Problem mit Elektrosmog haben, aber hier mit einem Computer einen Kommentar schreiben? Die eigene Elektronik ist offenbar dann doch nicht so schlimm wie diejenige der anderen Leute oder der ach so bösen Konzerne. Noch ein Tipp für Soubey: Strom abstellen nicht vergessen. Weil sonst macht das ganze irgendwie nicht richtig Sinn. Antworten


Heidi Streminger

07.04.2010, 21:41 Uhr
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Durch meine Vereinsarbeit bei MCS-SOS habe ich sehr viel mit elektrosensiblen Personen aus dem In- und Ausland zu tun und ich weiss, wie extrem die Not der Betroffenen sein kann. Diesen Bericht las ich deshalb mit grossem Interesse und finde die Idee von Gemeindepräsident Samuel Oberli äusserst lobenswert. Es wäre wunderbar, wenn sich die gesamte Gemeinde dafür begeistern könnte. Antworten


Durih Stuppan

07.04.2010, 16:42 Uhr
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Wenn diese Gemeinde dieses Vorhaben wirklich durchbringt, wäre das sensationell in dieser Strahlenwelt. Ein Leben ohne diese Multielektronik, wäre unglaublich viel lebenswerter und stressfreier. Ich müsste es mir ernsthaft überlegen, da hinzuziehen. Antworten


Elisabeth Buchs

07.04.2010, 14:15 Uhr
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So wie es autofreie Dörfer gibt, sollte es auch mobilfunkfreie Orte geben. Ich bin selber elektrosensibel und erhalte auch Anfragen von andern Betroffenen, die einen Ort mit möglichst wenig Elektrosmog jetzt und in Zukunft suchen, es sollte sich auf jeglichen Elektrosmog beziehen wie z.B. DECT-Schnurlostelefone, W-Lan, aber auch Niederfrequenz. Antworten


Beat Müller

07.04.2010, 09:44 Uhr
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Eine Innovation die sollten sich noch so einige Taldörfer zu eigen machen um der Abwanderung Einhalt zu gewähren. Ist doch egal ob psychisch eingebildet oder physisch aktiv. Hauptsache die Leute fühlen sich da wohl. Es könnten ja die Erhohloasen des 21. Jahrhunderts werden. Und wenn auch dann nicht alles weg ist (Strom, Festnetz, TV usw.) immer noch besser als Zürich, Bern, Basel, Genf oder ? Antworten


Paul Dettling

07.04.2010, 08:42 Uhr
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Es soll dann nur niemand sein Natel eingeschaltet in der Hosentasche herumtragen, das Gerät wird dauernd mit voller Leistung versuchen, eine Verbindung zum nächsten weit entfernten Sender aufzubauen, das strahlt dann richtig... Und wo bleibt die Faraday-Hülle über dem Dorf gegen die Satelliten? Und Strom kommt aus der Batterie, um elektrische Felder der Leitungen zu umgehen? Unglaublich... Antworten


Marco Tedaldi

07.04.2010, 07:14 Uhr
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Auch wenn ich nicht daran glaube, dass elektromagnetische Felder in der zugelassenen Stärke gesundheitsschädigend sind, finde ich die Idee gut. Es gibt Personen, die aus lauter Angst vor EM-Feldern krank sind einen Zufluchtsort. Aber geht es denn nur um Mobilfunk? Was ist mit Radio, Fernsehen, Mikrowellenherd, Funktelefonen und elektrizität ganz allgemein? Diese Fragen sollten beantwortet werden! Antworten


Hans Roffel

07.04.2010, 00:45 Uhr
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Eine sehr ziemlich gute Idee, finde ich. Antworten


christoph scheidegger

06.04.2010, 23:48 Uhr
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dieser initiative gemeindepräsident verdient lob, denn über die vielfältigen möglichkeiten, die der schöne, verträumte jura heute noch zu bieten hat, soll vermehrt politisiert werden (west-wind-energie-gewinn...?). Antworten



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