«Ein kurzer Rock oder ein tiefer Ausschnitt ist keine Aufforderung»

Die Idee von Frauenkursen für Asylbewerber erhält nach den Vorkommnissen in der Silvesternacht Auftrieb. SP-Nationalrätin Silvia Schenker sagt, weshalb sie dafür ist.

Will eine Interpellation lancieren, welche die Idee von Frauenkursen für Asylbewerber thematisieren soll: SP-Nationalrätin Silvia Schenker.

Will eine Interpellation lancieren, welche die Idee von Frauenkursen für Asylbewerber thematisieren soll: SP-Nationalrätin Silvia Schenker. Bild: Keystone

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Frau Schenker, was erhoffen Sie sich von dieser Idee?
Ich verspreche mir davon, dass Asylbewerber – vor allem Männer – zu einem frühen Zeitpunkt darüber informiert werden, wie man bei uns mit Frauen umgeht, was erlaubt ist und was nicht. Man könnte sie darauf aufmerksam machen, was als Straftat gilt und welche Konsequenzen drohen, wenn sie sich nicht daran halten. Das halte ich für sehr wichtig.

In welchem Rahmen würden solche Kurse stattfinden?
Ich könnte mir vorstellen, dass die Aufklärung im Zusammenhang mit den Deutschkursen stattfindet, die alle Asylbewerber besuchen. In diese Kurse sollten verschiedene Themen eingebettet werden, unter anderem der Umgang mit Frauen. Das Vermitteln von hiesigen Wertvorstellungen und grundsätzlichen Informationen zum Leben in der Schweiz ist genauso wichtig wie elementare Sprachkenntnisse.

Und wer soll dies vermitteln, eine Frau oder ein Mann?
Am besten beide. Es wäre sinnvoll, dass eine Frau und ein Mann zusammen einen solchen Kurs leiten. So könnten sie vorleben, wie miteinander umgegangen wird und zeigen, wie Frau und Mann auf Augenhöhe miteinander arbeiten. Es ist wichtig, dass die Asylbewerber auch sehen, dass Frauen in solchen Funktionen arbeiten.

Welche Botschaft sollte transportiert werden?
Es muss klar werden: Frauen sind nicht untergeordnet und müssen nicht alles erdulden, was Männer mit ihnen machen wollen. Sie haben die gleichen Rechte wie Männer, zum Beispiel was Arbeit betrifft oder die Rollenverteilung. Den Asylbewerbern muss auch vermittelt werden, dass Kleidung nicht ein Anzeichen für irgendetwas ist. Frauen können und dürfen bei uns mit einem kurzen Rock oder einem Ausschnitt herumlaufen, ohne dass damit eine Aufforderung verbunden wäre.

Wodurch unterscheidet sich denn das westliche Frauenbild von demjenigen von Flüchtlingen aus arabischen Ländern?
Für Asylbewerber aus gewissen Ländern ist es sicher ungewöhnlich, wie sich die Frauen hier in der Öffentlichkeit bewegen. Aber wo genau die Unterschiede sind, kann ich nicht sagen, da ich zu wenig Kenntnisse über die Gepflogenheiten in diesen Ländern habe. Es geht in erster Linie darum, zu zeigen, was bei uns Usus ist.

Aber wie findet man heraus, wo überhaupt Aufklärungsbedarf besteht?
Das wäre in der Tat eine Schwierigkeit. Man müsste in den Ländern nachfragen, wo solche Kurse bereits durchgeführt werden, in Norwegen oder Dänemark. Wir könnten dort schauen, was sich bewährt hat. Ich habe konkret im Sinn, eine Interpellation zu lancieren, welche die Idee von Frauenkursen für Asylbewerber thematisieren soll.

Die Flüchtlinge könnten sich als Verdächtigte oder potenzielle Kriminelle fühlen.
Stimmt, das ist eine Gefahr. Aber Asylbewerber haben auch unterschiedliche Sprachkenntnisse und trotzdem müssen alle den Deutschkurs besuchen. Ich fände es deshalb keine Zumutung, Frauenkurse wären gerechtfertigt. (Tages-Anzeiger)

(Erstellt: 08.01.2016, 11:44 Uhr)

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Vorkommnisse in der Silvesternacht

In Zürich, Köln und anderen Städten sollen Frauen in der Silvesternacht sexuell belästigt worden sein. Nach Angaben der deutschen Polizei handelt es sich bei den bisher festgenommenen Tatverdächtigen mehrheitlich um «frisch eingereiste Asylbewerber» aus Syrien und dem nordafrikanischen Raum. Aus diesem Grund erhält nun eine Idee Auftrieb: Asylbewerber sollen Frauen-Kurse besuchen, wo man ihnen den Umgang mit dem weiblichen Geschlecht nach westlichen Wertvorstellungen erklärt. In Norwegen und Dänemark gibt es bereits entsprechende Kurse.

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