Schweiz
Eine Helmpflicht für E-Biker?
Von Pascal Schwendener. Aktualisiert am 24.06.2010 22 Kommentare
Ohne ausser Atem zu geraten, erreicht man mit dem E-Bike Geschwindigkeiten von 40 km/h. (Bild: Stefan Anderegg)
E-Doping wird auf Berner Strassen zum Massenphänomen. Und das ist nicht erstaunlich. Denn mit dem kleinen – völlig legalen – Hilfsmotor unter dem Velosattel ist man rund doppelt so schnell unterwegs wie mit einem herkömmlichen Drahtesel. Ein durchschnittlicher Radler bringt es auf dem Fahrrad auf rund 20 Kilometer pro Stunde, aber auf 40 km/h mit dem E-Bike – so viel wie die Profis an der Tour de France. Ein erhebendes Gefühl. Und wer richtig in die Pedale tritt, fährt innerorts sogar schneller als die Polizei erlaubt.
Drei Mal höheres Risiko
Unfallexperten sind alarmiert. Die hohen Tempi der sogenannten Pedelecs führten unweigerlich zu mehr und zu schwereren Unfällen, sagen sie. «Einer Studie der University of California zufolge haben Pedelecs-Fahrer ein zwei bis drei Mal höheres Risiko, tödlich zu verunfallen, als Fahrradfahrer», sagt Daniel Menna, Mediensprecher der Beratungsstelle für Unfallverhütung (BfU). Vergleichbare Zahlen aus der Schweiz existieren keine. Denn Unfälle mit Elektrovelos stellen bislang keine eigene Kategorie in der Unfallstatistik dar. Bis anhin wurden sie mit den übrigen Velounfällen zusammengefasst. Eine Ausnahme macht der Kanton Bern. Hier werden die Zahlen seit Anfang Jahr gesondert ausgewiesen, haben aber wegen der noch kurzen Erhebungszeit einen begrenzten Aussagewert. Bis gestern verunfallten auf Berner Strassen 5 E-Biker, 2 davon schwer. Zum Vergleich: Im selben Zeitraum verunfallten 126 Velofahrer, 26 davon schwer, 2 tödlich.
Bis gesamtschweizerische Vergleichszahlen vorliegen, wird es 2012. «So lange sollten wir aber nicht zuwarten, sondern zügig handeln und Sicherheitsmassnahmen für E-Biker beschliessen», sagt Menna. Seine Forderung: «die Helmpflicht für Fahrer aller Pedelecs.» Schliesslich sei es paradox: Mofafahrer, die höchstens mit 30 Stundenkilometern fahren dürfen, müssen einen Helm tragen. E-Biker dagegen, die mit bis zu 60 durch die Gegend rasen, nicht.
Die Erklärung für die Ungleichbehandlung ist einfach, wenn auch nur beschränkt logisch: Die Helmpflicht ist abhängig von der Leistung des Motors.
Neue Fahrzeug-Kategorien
Das Bundesamt für Strassen (Astra) unterscheidet grundsätzlich zwei Typen von Elektrovelos:
•Die Langsamen verfügen über einen Hilfsmotor von maximal 250 Watt und eine Tretunterstützung bis 25 Kilometer pro Stunde. Sie fahren mit einer normalen Velovignette.
•Die Schnellen haben einen Motor bis maximal 500 Watt und eine unbeschränkte Tretunterstützung. Sie erreichen Tempi von rund 45 Kilometern pro Stunde. Um sie zu fahren, braucht es einen Mofaführerschein sowie die gelbe Mofanummer, jedoch keinen Helm.
Polizisten tun sich schwer
Schon diese Unterscheidung bereitet allerdings den Polizisten auf der Strasse einige Mühe, wie Betroffene gegenüber dieser Zeitung berichten. Neue E-Bikes liessen sich visuell kaum noch von herkömmlichen Fahrrädern unterscheiden. Die verschiedenen Elektrovelos untereinander auseinanderzuhalten, sei aber ein Ding der Unmöglichkeit. Der Kontrollaufwand sei wie im gesamten «Problemfeld» Velo unverhältnismässig gross.
Schwer durchsetzbar dürfte aus Sicht von Verkehrspolizisten auch das Helmobligatorium für Kinder aus dem Massnahmenpaket «Via sicura» von Verkehrsminister Moritz Leuenberger werden. Kinder bis 14 Jahre sollen demzufolge beim Velofahren immer einen Helm tragen. Der Verzicht auf ein Obligatorium für Erwachsene wird damit begründet, dass in Ländern mit Tragepflicht die Zahl der Velofahrer um bis zu 40 Prozent zurückgegangen ist. Immerhin: Mittlerweile tragen in der Schweiz 38 Prozent der Velofahrenden freiwillig einen Kopfschutz. (Berner Zeitung)
Erstellt: 24.06.2010, 07:51 Uhr
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22 Kommentare
Mir gehen die masslosen Übertreibungen auf die Nerven. Habe ich wirklich 60kmh gelesen? Man soll mir erstens mal ein Mofa zeigen, das wirklich nicht schneller als 30 fährt, und zweitens einen Flyer, der problemlos ohne Anstrengung 45 erreicht. Beides sehe ich sehr selten auf der Strasse. Es wäre auch ohne diese sinnlosen Übertreibungen eine sachliche Diskussion wert, finde ich. Antworten
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