Schweiz
«Er könnte es»
Von Claudia Blumer. Aktualisiert am 01.09.2011 9 Kommentare
Dossiers
Artikel zum Thema
- «Wir konnten kein Vertrauen herstellen»
- «Ich hätte sie informieren sollen»
- An der Baustelle Migrationsamt gescheitert?
- Sommaruga entlässt Alard du Bois-Reymond
- Asylverfahren: Holland als Vorbild für die Schweiz
- Sommaruga kanns beim Asylverfahren niemandem recht machen
Korrektur-Hinweis
Melden Sie uns sachliche oder formale Fehler.
Das Bundesamt für Migration (BFM) habe schwere Zeiten hinter sich; Ziel sei es, dass im Amt nun wieder Ruhe einkehre, sagte Bundesrätin Simonetta Sommaruga gestern vor den Medien. Das hat sie allerdings schon bei Amtsantritt im Dezember 2010 gesagt und nach 100 Amtstagen bekräftigt – und sie ist damit vorerst gescheitert. Sommaruga kündigt dem BFM-Direktor Alard du Bois-Reymond, der seit eineinhalb Jahren im Amt ist.
Ruhe wird in dem unter politischem Dauerbeschuss stehenden Bundesamt vorerst nicht einkehren. Die nächsten Monate sind bestimmt von der Rekrutierung eines Nachfolgers, über die künftige Leitung herrscht Unsicherheit. Zudem überschattet die Untersuchung über liegengelassene Asylgesuche aus den Jahren 2006 bis 2008 die Arbeit, Projekte wie die Straffung der Asylverfahren sind noch immer hängig.
Der heimliche Chef
Einen Lichtblick gibt es dennoch: Wenn Alard du Bois-Reymond Ende Oktober seine Schlüssel abgibt, übernimmt mit dem heutigen Stellvertreter Mario Gattiker ein ausgewiesener Kenner der Migrationspolitik das Szepter. Der 54-jährige Jurist trat vor gut zehn Jahren in die Bundesverwaltung ein als Sekretariatsleiter der Ausländerkommission und Chef der Sektion Integration im Bundesamt für Ausländerfragen. Dieses Bundesamt, später umbenannt in Bundesamt für Zuwanderung, Integration und Auswanderung, fusionierte Anfang 2005 mit dem Bundesamt für Flüchtlinge zum BFM; ein Prozess, den Mario Gattiker eng begleitete. Im neuen Bundesamt leitete er verschiedene Bereiche, ab Dezember 2010 besetzte Gattiker zusätzlich die Funktion des stellvertretenden Direktors, die zuvor während eineinhalb Jahren vakant gewesen war.
Stellvertreter sind oft die heimlichen Chefs. Das dürfte auch auf Mario Gattiker zugetroffen haben, der schon seit Monaten die eigentliche Führungskraft im BFM ist. Er pflegt regelmässigen Kontakt zu Kantonen und Hilfsorganisationen und hat ausserdem durch seine Erfahrung als Leiter der Verhandlungen über die Personenfreizügigkeit einen guten Draht zu den Behörden im Ausland. Anders als Alard du Bois-Reymond und Eduard Gnesa, der Mitte 2009 den Chefsessel räumen musste, ist Gattiker kein Quereinsteiger. Er kennt den Migrationsbereich in- und auswendig, auch durch seine langjährige Arbeit bei Hilfsorganisationen vor dem Eintritt in die Bundesverwaltung.
Guter Draht ins In- und Ausland
Räumt der Vizedirektor auf in der Dauer-Baustelle des Justizdepartements? Noch sagt er selber nicht, ob er sich als Nachfolger von du Bois-Reymond bewerben will. «Ich werde es mir zu gegebener Zeit überlegen, aber zurzeit konzentriere ich mich ganz auf die bevorstehende Interimsleitung», sagt Gattiker auf Anfrage von baz.ch/Newsnet. Sollte er interessiert sein, stünden seine Chancen gut. Offenbar pflegt Gattiker ein gutes Einvernehmen mit seiner obersten Chefin Sommaruga, die ihn im vergangenen Dezember zum stellvertretenden Vizedirektor machte. Und nach grossen Differenzen mit Alard du Bois-Reymond wird Sommaruga auf Vertrauen und persönliche Übereinstimmung achten.
Doch auch andere Beteiligte loben Gattiker und sehen ihn als «natürlichen Nachfolger» des Amtsinhabers. «Wir würden gerne mit ihm als Direktor zusammenarbeiten», sagt Beat Meiner von der schweizerischen Flüchtlingshilfe. Gattiker sei in der Asylpolitik nicht einseitig auf Abwehr und Abschreckung fixiert. Und Karin Keller-Sutter, Präsidentin der kantonalen Justiz- und Polizeidirektoren, sagt: «Mario Gattiker kennt man in den Kantonen. Er hat einen guten Ruf und ist wohl der Letzte der alten Garde im BFM.» Doch grundsätzlich liege der Personalentscheid bei Sommaruga, die Kantone würden nicht über einen Wunschkandidaten beraten. «Sicher wird Sommaruga den Aspekt Zusammenarbeit mit den Kantonen aber miteinbeziehen.» Auch Nationalrat Philipp Müller (FDP, AG), der sich für eine restriktive Migrationspolitik stark macht, lobt Gattiker: «Ich kenne ihn seit vielen Jahren, er wäre eine gute Besetzung. Er hat eine breite Akzeptanz, Sozialkompetenz – er könnte es.» (baz.ch/Newsnet)
Erstellt: 01.09.2011, 14:59 Uhr
Kommentar schreiben
Verbleibende Anzahl Zeichen:
9 Kommentare
Frau Sommaruga sollte einen "Gutmenschen" einstellen, genau nach Ihrem Geschmack ja nicht wiedersprechen möglichst alle aufnehmen und keine Ausschaffungen mehr vornehmen. Genf und Biel auch Zürich haben noch viel Platz für diese Politik. Antworten
Einfach einen Bückling einstellen das passt schon.
PS: Für diesen Lohn würde ich mich auch zur Verfügung stellen. Ist ja eh ein Schleudersitz und Kompetenzen sind nicht gefragt. Es ist nicht möglich Rechts und Links zu dienen. Also was solls.........
Antworten
Schweiz
Familie, Beruf und Studium
Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.


Bitte warten


