Schweiz

«Es ist kein Verbrechen, im Ausland einzukaufen»

Interview: Jan Derrer. Aktualisiert am 28.08.2010 53 Kommentare

Trotz Euro-Tief sinken in der Schweiz die Preise nicht. Preisüberwacher Stefan Meierhans rät den Schweizer Konsumenten deshalb, in Deutschland einzukaufen.

Stefan Meierhans: Unpatriotischer Einkaufstipp oder Weckruf für Schweizer Handel?

Stefan Meierhans: Unpatriotischer Einkaufstipp oder Weckruf für Schweizer Handel?
Bild: Gaetan Bally/Keystone

Infobox

Preisunterschiede Online-Shops

Inklusiv Versand und Mehrwertsteuer, Euro in Franken umgerechnet

Taschenbuch «Verblendung» von Stieg Larsson
Books.ch: 22.30 Fr.
Amazon.de: 13.00 Fr.

Jeans «Diesel, Larkee 8AT»
Jeansladen.ch: 185.90 Fr.
Zalando.de: 130.00 Fr.

Mountainbike Scott Aspect 50
Velo-Reichmuth.ch: 607.00 Fr.
Amazon.de: 520.00 Fr.

Artikel zum Thema

In einem Interview mit «Cash Online» empfiehlt Preisüberwacher Stefan Meierhans den Schweizer Konsumenten, in Konstanz oder Freiburg einzukaufen und fügt an: «Es ist kein Verbrechen, den Einkauf im Ausland zu erledigen – besonders dann, wenn eben Währungsvorteile nicht weitergegeben werden».

Sollen die Konsumenten im Ausland einkaufen?

Wenn Währungsvorteile nicht weitergegeben werden, haben wir ein Wettbewerbsproblem. Spielt der Markt, müssten Wettbewerbsvorteile weitergegeben werden. Funktioniert der Wettbewerb nicht, geht man ins Ausland einkaufen. Das kann man keinem Konsumenten verargen.

Aber haben Sie wirklich den Auftrag, die Konsumenten auf Einkaufsmöglichkeiten im Ausland hinzuweisen?

Die Preisüberwachung ist auch eine Wettbewerbsbehörde. Wir setzen uns für wirksamen Wettbewerb ein. Im Preisüberwachungsgesetz heisst es, der Preisüberwacher soll den Markt beobachten und die Öffentlichkeit über seine Tätigkeit informieren. Beschwerden der Bürgerinnen und Bürger darf ich bekannt machen. Und ich habe gesagt: Einkaufen im Ausland ist kein Verbrechen.

Ist die Aussage ernst gemeint oder bloss Provokation?

Was heisst Provokation? Grundsätzlich habe ich Vertrauen in den Wettbewerb. Aber wenn Währungsvorteile nicht weitergegeben werden, haben wir ein Wettbewerbsproblem.

An welche Branchen denken Sie konkret?

Velos, Autos und Bücher wurden uns unter anderem gemeldet. Aber ich hebe nicht einfach eine Branche heraus. Bilanz ziehen können wir frühstens Ende Jahr.

Wie war eigentlich das Echo auf Ihre Äusserung?

Bis jetzt blieb es relativ ruhig.

Was muss passieren, damit sich der tiefe Euro auf die Schweizer Konsumentenpreise auswirkt?

Es braucht einen wirksamen Wettbewerb. Damit ist das Problem gelöst. Was mir ein Anliegen ist, das ich auch dem Detailhandel mitteilte: der Handel schadet sich selber, wenn er die Währungsvorteile nicht weitergibt. Das ist auch im Interesse der Schweiz: Wir müssen uns auf Konkurrenz einstellen, sonst verlieren wir Umsatz ans Ausland. (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 27.08.2010, 20:07 Uhr

53

Kommentar schreiben







 Ausland



Verbleibende Anzahl Zeichen:

Mit dem Absenden des Kommentars erklärt sich der Leser mit nachfolgenden Bedingungen einverstanden: Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Über die Entscheide der Redaktion wird keine Korrespondenz geführt. Telefonische Auskünfte werden keine erteilt. Ihr Kommentar kann auch auf Google und anderen Suchseiten gefunden werden.

53 Kommentare

Urs P. Mueller-Moore

27.08.2010, 20:24 Uhr
Melden

Ich kaufe seit Jahrzehnten im Ausland (F & BRD) ein, gehe in der BRD zum Zahnarzt und kaufe meine Jahresportion Medikamente in der BRD ein. Habe dabei ein Vermoegen gespart und ungelehrige Schweizer Buentzlis abgestraft. Antworten


Heinz Bolliger

27.08.2010, 20:42 Uhr
Melden

Hr. Meierhans hat Recht, wir sind ja mit dem hiesigen Handel nicht verheiratet. Da ich gerade einen Autokauf sondeire. habe ich mir die TCS-Broschüre betr. Autokauf im Ausland kommen lassen. Wenn ein paar Tausender drin liegen, warum nicht. Antworten



Schweiz

Populär auf Facebook Privatsphäre


Familie, Beruf und Studium

Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.