«Es muss wohl zuerst jemand sterben, bevor etwas passiert»

Von Philipp Kobel. Aktualisiert am 24.08.2010 35 Kommentare

Die Bevölkerung des Berner Dorfes Schüpfen lebt in ständiger Angst vor Schlägern im Dorf. Viele trauen sich kaum noch auf die Strasse. Wenn, dann nur noch mit Pfefferspray.

Das war einmal ein Fahrrad: «Wahrscheinlich machten sich Jugendliche einen Spass daraus und warfen das Velo vor einen Schnellzug», sagt ein Bewohner.

Das war einmal ein Fahrrad: «Wahrscheinlich machten sich Jugendliche einen Spass daraus und warfen das Velo vor einen Schnellzug», sagt ein Bewohner.
Bild: Philipp Kobel

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Die Bevölkerung der Gemeinde Schüpfen kommt nicht zur Ruhe. Seit der Wirt des Gasthaus' Löwen letzte Woche brutal zusammengeschlagen wurde, ist das Dorf in den Schlagzeilen. Wie Dorfbewohner berichten, gehören Gewaltdelikte in der 3400-Einwohner-Gemeinde aber schon länger zur Tagesordnung.

«Das geht seit drei Jahren so»

Ein Ehepaar, das in der Nähe des Bahnhofs wohnhaft ist, wird fast täglich Zeuge von Aggressionen der jungen Männer. Aus Angst vor den Tätern wollen sie nicht, dass man ihre Namen nennt oder ihre Gesichter gezeigt werden.

Auch für eine andere Bewohnerin im Dorfzentrum gehören die brutalen Übergriffe und Vandalenakte zum Alltag. «Seit drei Jahren gibt es überdurchschnittlich viele Einbrüche, Sachbeschädigungen und Überfälle in Schüpfen», sagt die Betroffene. Auch sie will unerkannt bleiben.

Auf der Strasse mit Pfefferspray

Ohne Pfefferspray traut sie sich schon lange nicht mehr auf die Strasse. «Der Pfefferspray ist mein treuer Begleiter und liegt einsatzbereit in meiner Handtasche», erläutert die Schüpfenerin ihre Präventivmassnahme. «In der Nacht bewege ich mich nur noch in männlicher Begleitung, alles andere wäre fahrlässig». Resigniert stellt sie fest: «Wahrscheinlich muss zuerst jemand sterben, bevor etwas passiert.»

Auch die beiden bereits erwähnten Eheleute sind besorgt. «Rund um den Bahnhof ist es besonders gefährlich. Da habe auch ich den Pfefferspray meistens dabei», erzählt der Mann. Kürzlich hätten er und seine Frau gar über einen Umzug in eine andere Gemeinde diskutiert. «Klar wäre das der letzte Ausweg. Schlussendlich geht es aber um unsere persönliche Sicherheit – und die muss gewährleistet sein».

Schweizweit als Heimat der Schläger bekannt

Auch im Restaurant Bahnhof sind die Schläger Thema Nummer eins. Ein Einheimischer ist besonders enerviert. «Meiner Meinung nach sollte man diese Brüder nach Sibirien schicken und ihnen dort den Ernst des Lebens beibringen», sagt der Mann mit bestimmter Stimme. Eine Anekdote zu diesem Thema habe er auch noch zu bieten, kündet er an.

Am Wochenende werde ihn ein Bekannter aus dem Bündnerland in Schüpfen besuchen. «Er informierte mich, er wolle auf keinen Fall in einem Restaurant in Schüpfen dinieren. Schliesslich wolle er nicht mit einem blutenden Kopf aus der Beiz getragen werden.» Diese Aussagen geben dem Anwohner zu denken. «So schlimm steht es mittlerweile um unser Dorf». (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 24.08.2010, 16:44 Uhr

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35 Kommentare

Stefan Tuor

25.08.2010, 10:43 Uhr
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@Pfrunder: Noch einer, der wieder mit diesem affigen Begriff "Kuscheljustiz" um sich wirft. Wenn was zu kuschelig ist, dann ist es dort die lokale Gemeindsbehörde. Antworten


Markus Wipf

25.08.2010, 07:08 Uhr
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Tja, die Polizei kassiert ja lieber die Autofahrer ab, anstelle sich um solche Probleme zu kümmern. Aber das ist ja logisch - wer will schon als Polizist verprügelt werden. Leider gibt es nur noch im Film Polizisten, welche erfolgreich gegen solche Typen vorgehen. Holt Jack Bauer her, und dieser Mann räumt auf! Antworten



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