Schweiz
Evangelikale wollen Schweizer Türken bekehren
Von Michael Meier. Aktualisiert am 15.04.2009 16 Kommentare
Neues Zielpublikum: «4telstunde für Jesus» erstmals auf Türkisch. (Bild: http://www.4telstunde.ch)
«Wie Yusuf seine Spielsucht überwand», heisst ein Hauptbeitrag der vor Ostern an hiesige Türken verteilten Zeitschrift. Yusuf Engin, ein in der Schweiz lebender und mit einer Schweizerin verheirateter Türke, will sich beim Glücksspiel sanieren. Stattdessen verschuldet er sich immer tiefer. Verzweifelt beschliesst er, sich umzubringen und ruft Allah um Vergebung an. Es antwortet ihm aber Jesus. Mit seiner Frau betet er zum Christen-Gott und begleitet sie zu einem frommen Treffen. Er übergibt sein Leben Jesus Christus. Trotz Taufe erleidet er einen Rückfall in seine Sucht. Yusuf besucht erneut ein christliches Meeting und kommt «total verändert nach Hause».
Es ist das erste Mal, dass die Schweizerische Evangelische Allianz ihre Verteilzeitung «4telstunde für Jesus» auf Türkisch herausgibt und 35'000 Exemplare an türkische Haushalte in der Schweiz abgibt. Der Dachverband der Evangelikalen will mit Erfahrungsberichten über türkisch-schweizerische Begegnungen zeigen, dass sich «Freundschaften auch über Kulturgrenzen hinweg lohnen». «Die Ausgabe soll zur Integration beitragen, indem das Verständnis für die Schweizer Kultur gefördert wird.»
«Gluschtig machen für das Evangelium»
Faruk Güler, Imam des islamischen Kulturzentrums Wetzikon, doppelt in seinem Grusswort nach: «Die Zeitung hilft uns, Christen in der Nachbarschaft und am Arbeitsplatz besser kennen zu lernen.»
Doch die Bekehrungsgeschichte von Yusuf zeigt, dass es den Evangelikalen mehr um Mission als um Integration geht. Was Hansjörg Leutwyler, Zentralsekretär der Allianz, auch nicht leugnet: «Gewiss, wir wollen die Türken auch gluschtig machen für das Evangelium und seine Botschaft.» Das gelingt offenbar auch. So findet sich im Blatt ein Statement des Türken Yüksel Yildiz, der auf die Frage, was ihm die Bibel bedeutet, erklärt: «Beim Lesen des Neuen Testaments begegnet mir Jesus Christus.» Die Zeitschrift will den Türken Hintergrundinformationen über den christlichen Glauben liefern, indem sie etwa erklärt: «Die Bibel ist das Standardwerk der Menschheitsgeschichte.»
«Freundlich, ehrlich und hilfsbereit»
Mit einem zweiten Text, «Geld, Sex und lockere Sitten – Ist das das Christentum in der Schweiz?», machen die Verfasser deutlich, dass Türken in der Schweiz auf eine entchristlichte Gesellschaft treffen. Nur eine verschwindende Minderheit lebe ihren Glauben verbindlich. Dass sich diese aber deutlich von der ungläubigen Masse unterscheidet, erkennen auch die Türken.
So antwortet Ismail Özveren auf die Frage, woran man einen Christen erkennt: «Am Lebensstil der Person: Ein Christ nimmt es ernst mit der Wahrheit und betrügt nicht.» Und Nuri Bey sagt: «Ich denke, 30 Prozent der Schweizer sind Christen. Bei ihnen fühle ich mich wohl. Sie sind freundlich, ehrlich und hilfsbereit.»
Seit Jahren missioniert die Schweizerische Evangelische Allianz bereits mit einer anderen Kampagne unter den Muslimen. Jeweils zum Fastenmonat Ramadan lanciert sie zusammen mit den deutschen Glaubensbrüdern die Gebetsaktion «30 Tage Gebet für die islamische Welt». Gemäss einem Gebetskalender beten sie jeden Tag für eine islamische Volksgruppe. Etwa für die Muslime in Gambia, «dass sie sich für die frohe Botschaft öffnen und Jesus Christus als ihren Erretter und Erlöser annehmen». Umgekehrt beten sie für die Christen in Gambia, dass diese die Kraft haben, den Missionsversuchen der Muslime zu widerstehen.
(Tages-Anzeiger)
Erstellt: 15.04.2009, 07:01 Uhr
Kommentar schreiben
16 Kommentare
Es gibt nichts zu missionieren; in keiner Richtung. Es gibt heute für Leute die es wirklich wissen wollen, genug Beweise und Indizien dass weder ein Mohammed noch ein Christus "göttlich" waren sondern Kronprätendenten und Machtmenschen. Beide wurden dann im Laufe der Jahrhunderte missbraucht um bestehende Machtstrukturen zu halten. So muss das in den Schulen gelehrt werden. Antworten
Dieses Missionieren und Eifern ist nicht glückverheissend. Engstirnig und konfliktfördernd. Und was Nuri Bey oben sagt, erlebe ich interessanterweise auch umgekehrt bei den Moslems weltweit! Aber das Prinzip von einander lernen zu wollen unterstütze ich. Was wollen wir? Antworten
Schweiz
Familie, Beruf und Studium
Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.




