Fifa-Kritiker sind machtlos

Der abgesetzte Chefermittler des Fussballverbands fordert ein Eingreifen des Parlaments. Doch dieses hat nur eine Woche vor dem Fifa-Kongress alle Reformvorstösse gekippt.

Der Nationalrat will ihm nicht dreinreden: Fifa-Präsident Gianni Infantino in Bahrain. (10. Mai 2017)

Der Nationalrat will ihm nicht dreinreden: Fifa-Präsident Gianni Infantino in Bahrain. (10. Mai 2017) Bild: Ahmed AlFardan/EPA/Keystone

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Oft ist kein Problem zu klein, um von der Politik angepackt zu werden. Im Fall des Weltfussballverbands Fifa sieht aber eine stabile Allianz von der SVP bis weit in die CVP hinein keinen Handlungsbedarf. Erst vorletzte Woche hat der Nationalrat drei Vorstösse abgelehnt, die strengere Vorschriften für internationale Sportverbände wie die Fifa verlangten. Während die Baselbieterin Susanne Leutenegger Oberholzer (SP) eine Aufsicht über die Sportverbände forderte, wollte der Genfer Carlo Sommaruga (SP) diesen untersagen, in der Rechtsform des Vereins kommerzielle Geschäfte zu tätigen. Die grüne Fraktion wiederum wollte den Bundesrat prüfen lassen, ob für Sportverbände mit derart hohen Umsätzen eine andere Rechtsform oder ob ein spezielles Sportverbandsrecht angemessen wäre.

Die Reformgegner mussten sich in der Sondersession aber nicht einmal die Mühe machen, das Wort zu ergreifen. Die Vorstösse waren chancenlos. Das stand bereits fest, seit der Nationalrat in der Frühlingssession ein weniger weit gehendes Postulat des Aargauer Nationalrats Cédric Wermuth (SP) mit 103 zu 77 Stimmen klar abgelehnt hatte. Dieser hatte einzig eine Prüfung der geltenden Vorschriften für internationale Sportverbände verlangt. Mit je rund 130 zu 50 Stimmen fiel das Nein zu den drei weiteren Vorstössen denn nun auch noch deutlicher aus.

«Politik muss Fragen stellen»

Nur sechs Tage nach der Debatte im Nationalrat setzte das Exekutivkomitee der Fifa die Vorsitzenden der beiden Kammern ihrer Ethikkommission, den deutschen Richter Hans-Joachim Eckert und den Zürcher Rechtsanwalt Cornel Borbély ab, indem sie kurzfristig andere Kandidaten nominierte. In der «SonntagsZeitung» forderte Borbély, die Politik müsse nun den Druck auf die Fifa erhöhen und «die richtigen Fragen stellen». Ebenso verlangte der Basler Strafrechtsprofessor und Korruptionsexperte Mark Pieth die Prüfung einer Sonderregelung für Sportdachverbände.

Kritiker der Fifa im Parlament sind mittlerweile aber konsterniert. Der Berner SP-Nationalrat Matthias Aebischer (SP) kündigte in der «SonntagsZeitung» zwar neue Vorstösse an, und auch Wermuth will in der Sommersession nochmals das Gespräch mit Vertretern der bürgerlichen Parteien suchen. Letzterer macht sich aber nur geringe Hoffnungen auf einen Stimmungsumschwung. Eines weiteren Beweises dafür, dass die Fifa im Bereich der Corporate Governance nicht reformfähig sei, hätte es nicht bedurft, sagt Wermuth. Der Nationalrat weigere sich auch nur anzuerkennen, dass ein Problem bestehe. «Wir sind da etwas ratlos.»

«Interne Probleme»

SVP-Nationalrat Felix Müri, der Wermuths Vorstoss in der Frühlingssession erfolgreich bekämpfte, lässt keinen Zweifel daran, dass sich an der Haltung seiner Partei nichts geändert hat. «Es ist nicht die Aufgabe der Politik, interne Probleme der Fifa zu lösen.» Den internationalen Sportverbänden eine andere Rechtsform vorzuschreiben oder «eine Sonderrechtsform innerhalb der Vereine» zu schaffen, lehnt Müri ab. «Wir können nicht jedes Mal, wenn ein Verein oder eine GmbH Probleme hat, spezielle Reglemente schaffen.» (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 15.05.2017, 19:09 Uhr

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