Schweiz
Für die Linke das kleinere Übel
Von Hubert Mooser. Aktualisiert am 28.10.2011 12 Kommentare
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Er sitzt seit fast einem Vierteljahrhundert im Ständerat, der Notar aus der Wallfahrtsgemeinde Einsiedeln. Vergangenes Wochenende zeigten ihm die Stimmbürger seines Heimatkantons die gelbe Karte: Bruno Frick muss zum ersten Mal in seiner Karriere eine Zusatzschlaufe einlegen – weil mickrige 892 Stimmen zum absoluten Mehr fehlten. Ein Sesselkleber sei er, sagen viele Leute in Schwyz. Der Dinosaurier im Ständerat will es aber trotzdem noch einmal wissen, ein letztes Mal.
In der Parteizentrale in Bern ist man zwar felsenfest davon überzeugt, dass es Frick im zweiten Durchgang schaffen wird. Ein Spaziergang wird es aber für den 58-Jährigen nicht. Die FDP tritt erneut mit ihrem Vizepräsidenten Vincenzo Pedrazzini an. Er hat vergangenen Sonntag ein hervorragendes Ergebnis erzielt. Ausserdem spürt der Freisinn Aufwind, nachdem man den Nationalratssitz, den Maya Lalive d'Epinay vor acht Jahren an die SP verloren hatte, wieder zurückerobern konnte. Den Sitz holte sich die FDP von der SVP und nicht wie insgeheim erhofft von der SP.
Die SVP nimmt nun diesen Sitzverlust zum Anlass, um ihre langjährige Wahllokomotive Peter Föhn im zweiten Wahlgang gegen Frick und Pedrazzini ins Rennen zu schicken – obwohl die Partei mit Alex Kuprecht einen Ständeratssitz bereits im Trockenen hat. Und obwohl Föhn eigentlich als Nationalrat zurückgetreten ist. Dass das Schwyzer Stimmvolk vielleicht das Streben der SVP nach beiden Ständeratssesseln nicht goutiert, dessen ist sich Föhn bewusst. «Rein von unserem Potenzial her liegen zwei Sitze aber drin», sagt Föhn. «Wir haben aber nur eine Chance, wenn alle unsere Wähler an die Urne gehen.»
Schadet die Sesselkleberdebatte Bruno Frick
Die Kandidatur Föhn schmälert die Wahlchancen von Pedrazzini im Kampf gegen Frick erheblich. Der Vizepräsident der FDP, eine Hüne von Gestalt und smart im Auftreten, lässt sich dadurch aber nicht beirren und gibt sich sportlich: «Ich freue mich auf einen spannenden Wahlkampf.»
Es gibt im kleinen Kanton Schwyz einige Leute, die finden, die Ära Frick habe lange genug gedauert – auch in der CVP. So versuchte eine Gruppe CVPler vor einigen Monaten, Nationalrat Reto Wehrli als CVP-Ständeratskandidaten durchzuboxen. Als dies nicht gelang, verkündete Wehrli trotzig, er werde zu den Nationalratswahlen nicht mehr antreten.
Die Geschichte könnte Frick entscheidende Stimmen kosten. Das ist Frick auch klar. Aber er hofft, dass Wehrli in «meinem Unterstützungskomitee mitmacht». Gibt der CVP-Standesherr sein Amt in vier Jahren wie versprochen definitiv ab, könnte Wehrli als Nachfolger antreten. Seine Chancen stünden dann besser, als wenn er gegen einen Gegner antreten müsste, der bereits seit vier Jahren im Amt ist. Doch bei Wehrli weiss man nie so genau. In der sozialpolitischen Kommission des Nationalrats habe er manchmal innerhalb einer Woche völlig gegenteilige Meinungen vertreten, berichten Kommissionsmitglieder.
Für die Linke ist Frick der verlässlichere Partner
Ob mit oder ohne Wehrli, Frick fürchtet die Sesselkleberdebatte nicht. Es komme nicht darauf an, wie lange jemand im Amt sei, sondern ob er noch etwas bewegen könne, pflegt er zu sagen. Und dass Frick auch nach 20 Jahren im Parlament noch zu Grosstaten imstande ist, zeigte er erst kürzlich bei der Armeedebatte. Er zog als Präsident der Sicherheitskommission des Ständerats vor und hinter den Kulissen die Fäden, als das Parlament in der Herbstsession Budget und Armeebestände aufstockte und die Kampfjetbeschaffung wieder aufs Tapet brachte.
Weniger bekannt ist, dass Frick auch bei der Atomausstiegsdebatte im Ständerat eine tragende Rolle spielte, sodass die kleine Kammer am Ende doch noch die Kurve kriegte. Er gilt bei der Linken als das sogenannte kleinere Übel. «Frick ist in der Atomdebatte und beim Thema Energieeffizienz und erneuerbare Energien der verlässlichere Partner», sagt jedenfalls SP-Nationalrat Andreas Tschümperlin. Unternehmer Pedrazzini ist dagegen für SP und Grüne zu marktgläubig. Aber vor allem: Der Freisinnige hat sich im Wahlkampf für Atomenergie ausgesprochen. (baz.ch/Newsnet)
Erstellt: 28.10.2011, 10:36 Uhr
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Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.


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