Schweiz

Gedränge wird bleiben – auch mit 9-Uhr-GA

Von Claudio Habicht. Aktualisiert am 02.03.2009 27 Kommentare

SBB-Präsident Ulrich Gygi schlägt vor, ein 9-Uhr-Generalabonnement einzuführen: Von diesem Günstig-GA erhofft er sich mehr Einnahmen und weniger volle Züge. Bahnexperte Heinrich Brändli zweifelt jedoch am Erfolg.

Kapazitätsgrenze erreicht: In den Stosszeiten kann es in den Zügen eng werden.

Kapazitätsgrenze erreicht: In den Stosszeiten kann es in den Zügen eng werden.
Bild: Keystone

Die Revolution bei den SBB-Billettarifen wird konkreter. In einem Interview mit der «Zentralschweiz am Sonntag» schlägt Bahn-Präsident Ulrich Gygi ein neues Generalabonnement vor. Dieses wäre günstiger als das herkömmliche GA und erst ab 9 Uhr gültig. «Wir wollen Anreize setzen zur Entlastung der Spitzen», so Gygi. Wieviel günstiger das neue GA wäre, konnte er nicht sagen.

Damit facht der SBB-Präsident erneut die Diskussion an, ob das Tarifsystem geändert werden soll: In den Randzeiten wären Billete günstiger als in den Stosszeiten, in denen die Züge an ihre Kapazitätsgrenzen stossen. Die Kontroverse war im letzten Sommer entbrannt: Fahrten in Spitzenzeiten, sagte der Chef Personenverkehr Paul Blumenthal in einem Interview, müssten teurer werden. Konsumentenschützer und Politiker gingen jedoch auf die Barrikaden: Pendler, die zeitlich nicht ausweichen könnten, dürften nicht bestraft werden.

«Spitze entlasten»

Das 9-Uhr-GA ist laut Gygi für Passagiere gedacht, die nicht auf die Stosszeiten angewiesen sind. «Die Idee wäre, mehr Menschen auf die Bahn zu bringen und die Spitze etwas zu entlasten.» Der SBB-Präsident erhofft sich gleich zwei Effekte: Weniger volle Züge in den Spitzenzeiten und mehr Einahmen. Wunschtraum oder realistische Ziele?

Heinrich Brändli, ehemaliger ETH-Professor für Verkehrsingenieurswesen und ÖV-Berater, hat seine Zweifel. «Die meisten Pendler und Wanderer werden den Zug trotzdem um 7 Uhr nehmen.» Das Gedränge in den Zügen wird also bleiben. Einige wenige würden vielleicht das günstige Angebot nutzen, so Brändli. Doch dann würde die SBB wohl weniger einnehmen, denn zusätzliche Passagiere liessen sich mit dem neuen GA keine gewinnen. «Ich kann mir nicht vorstellen, dass jemand das Auto zuhause lässt, sich ein 9-Uhr-GA kauft und die Bahn nimmt.» Das neue GA hat laut Brändli nur eine Chance, wenn es massiv billiger wäre, also mindestens 20 Prozent. Das wären etwa 2500 Franken für ein Zweitklass-GA für Erwachsene. «So tief wird der Preis aber nicht sein», glaubt Brändli. (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 02.03.2009, 16:50 Uhr

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27 Kommentare

Werner Schneider

02.03.2009, 16:42 Uhr
Melden

Mit dem 9Uhr-GA wird allenfalls nur die Morgenspitze entlastet. Die Kapazitätsprobleme am Abend aber bleiben. Antworten


Ruedi Minger

02.03.2009, 16:56 Uhr
Melden

Wir sind hier doch nicht in Spanien! Ich muss um 8 Uhr in der Arbeit sein. Ich denke, den meisten geht es so... Antworten



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