Schweiz

Google Street View droht ein Filmriss

Von Erwin Haas. Aktualisiert am 14.11.2009

Datenschützer Hanspeter Thür will die Kamerafahrten von Google ausbremsen – zum Schutz unfreiwillig abgebildeter Personen.

Blick in die Langstrasse kurz vor dem Übergang aus Google Earth in Street View.

Blick in die Langstrasse kurz vor dem Übergang aus Google Earth in Street View. (Bild: google)

Der eidgenössische Datenschützer Hanspeter Thür klagt gegen Google Street View: Der Internetsuchdienst, der seit August Schweizer Strassen filmt und sie für digitale Stadtrundgänge ins Netz stellt, mache Gesichter und Autonummern zu wenig unkenntlich.

Die Liste der Vorwürfe, die der Eidgenössische Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragte Hanspeter Thür beim Bundesverwaltungsgericht deponiert hat, ist lang. Google habe im September seine «Empfehlungen», wie die Street-View-Filme datenschutztauglich gemacht werden sollten, in weiten Teilen abgelehnt. Jetzt verlangt Thür als vorsorgliche Massnahme, dass Google keine Bilder mehr macht oder aufschaltet, bis das Gericht einen Entscheid gefällt hat. Wenn die Richter Thürs Sicht der Dinge teilen, müsste Street View schon in wenigen Wochen aus dem Internet verschwinden.

Gesichter und Autonummern müssen laut Thür vollständig unkenntlich gemacht werden. Insbesondere in besonders heiklen Bereichen wie vor Spitälern, Schulen, Gerichten, Gefängnissen und in Rotlichtmilieus müsse Google den Persönlichkeitsschutz vollständig wahren. Auch Privatgrundstücke wie Gärten und Höfe seien für die Kameras von Google Street View, die von Autos herab aus 2,75 Meter Höhe filmen, tabu. Zudem müsse Google eine Woche im Voraus darüber informieren, wann und wo gefilmt werde, damit sich die Leute darauf einstellen und den Aufnahmen entziehen könnten.

Umstrittene Verwischeffizienz

Google behaupte, die Firma verfüge über die beste Software, um Gesichter und Nummernschilder zu pixeln, sagt Thür. Laut Google würden 98,4 Prozent der Gesichter und 97,5 Prozent der Schilder unkenntlich. Gemäss einer Google-internen Studie, von der Thür Kenntnis zu haben glaubt, sind es aber nur 89 Prozent. Bei 20 Millionen aufgeschalteten Bildern seien selbst mit den vorteilhafteren Zahlen immer noch 400'000 Bilder kenntlich. Gemäss der anderen Studie wären es sogar zwei Millionen – für Thür auf jeden Fall zu viele.

Der Datenschützer spricht von «erheblichen Mängeln». Mit der Zoom-Funktion sei ein neues Problem aufgetaucht. Die Technik erlaube beim Abspielen der Videos «Blicke aus einer Nähe, die man als Passant nicht hat». Einwände von Politikern, Google zeige nur das, was ohnehin alle sehen könnten, seien damit entkräftet. Aus dem Zusammenhang gerissene Bilder eröffneten zudem unterschiedliche Interpretationsspielräume und erhöhten das Risiko der Persönlichkeitsverletzung.

Essensgutscheine statt Drogendeal

Zwei Beispiele sind für Thür Beweis genug. Etwa das Bild aus Zürich, das der «Blick» veröffentlicht hat als Szene eines Drogendealers, der Süchtige versorgt. Später stellte sich heraus, dass es ein quartierbekannter Wirt war, der Essensgutscheine verschenkte. Oder der Film vom Zürcher FDP-Nationalrat Ruedi Noser in Begleitung einer blonden Frau auf dem Bundesplatz. Ein vermeintlich verfänglicher Hinweis – bis Noser klarstellte, dass er mit seiner Sekretärin unterwegs gewesen war.

Google zeigte sich am Freitag enttäuscht über das Vorgehen des Datenschützers. Die Firma habe den guten Willen zur Kooperation gezeigt und werde alle rechtlichen Schritte unternehmen, um den Sofortstopp zu unterbinden, sagte der Datenschutzbeauftragte Peter Fleischer. Er sei irritiert darüber, dass Hanspeter Thür immer neue Forderungen erhebe. Dass Google auch städtische Aussenquartiere filmen wolle, habe er von Anfang an klargestellt, sagte Fleischer. Die Forderung, die Kameras tiefer zu montieren, lehnt er ab. Bilder auf Kopfhöhe von Passanten würden das Problem verschärfen, und die Kamera schaue dann zusätzlich auch in Autos hinein.

Eine Studie hat laut Google ergeben, dass die grosse Mehrzahl der Nutzer den Street-View-Dienst schätzen – als Orientierungshilfe in Städten und zur Ferien- und Reiseplanung. 72 Prozent von 500 Befragten kennen das Angebot. 81 Prozent der Nutzer möchten auch in Zukunft davon profitieren. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 14.11.2009, 04:00 Uhr

Schweiz

Populär auf Facebook Privatsphäre


Live @ Sunset

11. bis 22. Juli - Zürich Dolder u.a. mit B.B. King, Elton John und Alanis Morissette!

Familie, Beruf und Studium

Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.