Schweiz
Gottes Kämpfer gegen die «Islamisierung»
Von Michael Meier. Aktualisiert am 01.06.2009
Daniel Zingg.
Das 6 Meter hohe Minarett in Langenthal würde 250 Meter von der Freien Evangelischen Gemeinde entfernt zu stehen kommen, in der sich Daniel Zingg engagiert. Für den 53-Jährigen eine schreckliche Vorstellung, dass der Ruf des Muezzins «Allah ist grösser» schon bald das Gebet in der Freikirche übertönen könnte: «Das Minarett ist nur der erste Schritt», ist er überzeugt. Es gebe kein Gesetz, das einen Muezzin verbieten würde, massgebend sei allein die Lärmschutzverordnung.
Also ist Zingg 2006 Sprecher des Aktionskomitees «Stopp Minarett» in Langenthal geworden. Jetzt geht der Streit in die nächste Runde. In den nächsten Tagen muss der Stadtrat bekannt geben, ob er das Baugesuch genehmigt. Zingg und sein Komitee haben bereits einen neuen Rekurs in der Schublade. Mit seinem lokalen Engagement hat er dem nationalen vorgespurt.
Der «christliche Kuchen»
Bei der Initiative gegen den Bau von Minaretten, die am Freitag im Ständerat debattiert wird, ist er Medienbeauftragter und Sprecher des «christlichen Kuchens». Der einstige Fernsehelektriker hat mit 20 eine Bekehrung erlebt und das theologische Seminar Beatenberg absolviert. EDU-Mitglieder wie er und Christian Waber kümmern sich im eidgenössischen Initiativkomitee primär um den religiösen Aspekt, die SVP-Leute um die politischen Fragen.
Das Volksbegehren ist laut Zingg vor dem Hintergrund der göttlichen Verheissungen zu verstehen. Seinen Heilsplan wolle Gott durch Israel vollenden, wobei der Islam als Gegenspieler auftrete. Evangelikale Christen wie er nehmen die biblische Verheissung wörtlich, dass die Juden als auserwähltes Volk ins Heilige Land zurückkehren und sich dort sammeln. Das sei die Voraussetzung dafür, dass Jesus Christus in Macht und Herrlichkeit zurückkehre und die Welt rette. Dann würden auch die in Israel versammelten Juden Jesus als ihren Messias erkennen.
Der Widersacher Gottes
Der Widersacher Gottes ist für Evangelikale der Islam. Dieser wolle die göttlichen Verheissungen zerstören und das jüdische Volk mit Terrorakten im Namen Allahs vernichten. Die Gründung Israels 1948 – auf dem Boden Palästinas – ist nach evangelikaler Lesart ein Zeichen dafür, dass wir in der Endzeit leben. Und eine Herausforderung für den Islam. Der Nahostkonflikt ist für Zingg denn auch kein territorialer, sondern ein heilsgeschichtlicher Konflikt. Darum sieht er sich – «bei allem Respekt vor den muslimischen Menschen» – berufen, die Islamisierung zu bekämpfen und Israel zu unterstützen.
Das Heilige Land ist seine Passion. Seit 1976 reist er regelmässig nach Israel – und auch seine fünf Kinder sind begeistert vom jüdischen Staat. Der Älteste hat Theologie studiert, ein anderer Sohn spricht Hebräisch. Und Zinggs Verlag Aseba, der christliche Videoproduktionen unter die Leute bringt, greift oft Themen rund um Israel und den Islam auf.
«Kulturzentren sind Moscheen»
Was Zingg am meisten schmerzt: Die grossen Verbände der Freikirchen, die seinen endzeitlichen Glauben teilen, lehnen die Minarettinitiative ab, weil sie darin einen Angriff auf die Religionsfreiheit sehen. Zingg glaubt, dass das Nein ohne Rücksprache mit der Basis zustande gekommen ist. Er hat bei den Freikirchen 60 Vorträge über den Nahostkonflikt und den Kampf des Islam gegen das Judentum gehalten und ist überzeugt, dass viele der im Nu gesammelten 113'000 Unterschriften von evangelikalen Christen stammen.
Sobald der Bundesrat den Abstimmungstermin bekannt gibt (wahrscheinlich für den 29. November), will das Komitee eine Informationsoffensive lancieren: mit Inseraten, Vorträgen und Broschüren. Darin will es seinen Gegnern klar machen, dass das Minarett ein vom Islam neu erobertes Gebiet markiert und letztlich die Speerspitze ist für die Einführung der Scharia. Zingg geht von 200 Moscheen in der Schweiz aus, die theoretisch ein Minarett fordern könnten. Obwohl offiziell Kulturzentrum genannt, sei jedes dieser Kulturzentren eine Moschee. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 01.06.2009, 23:13 Uhr
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Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.





