Schweiz

Griechenland holt Schwarzgeld aus der Schweiz

Von Thomas Knellwolf und Stephan Israel, Brüssel. Aktualisiert am 20.03.2015 92 Kommentare

Fast 1,5 Milliarden Franken von griechischen Kunden lagern auf Schweizer Konten, zum Teil unversteuert. Die neue Regierung unter Alexis Tsipras will das Geld nun zurückholen.

Steuerabkommen: Die Schweiz wird die Verhandlungen mit der neuen griechischen Regierung um Alexis Tsipras wieder aufnehmen.

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Bild: Keystone

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Das hoch verschuldete Griechenland ist in Bern vorstellig geworden, um eine Regelung für Schwarzgeld von Griechen in der Schweiz zu finden. Bereits kommende Woche reist der schweizerische Staatssekretär Jacques de Watteville nach Athen, um das Thema zu besprechen. Dies bestätigt Mario Tuor, der Kommunikationschef beim Staatssekretariat für internationale Finanzfragen.

2 Milliarden Euro Steuerfluchtgeld

Gegen 1,5 Milliarden Franken haben Griechen gemäss offiziellen Angaben in der Schweiz deponiert. So hat es die Nationalbank für das Ende des Jahres 2013 ausgewiesen. Bei schweizerischen Banken lagerten 795 Millionen Franken von griechischen Kunden. Bei Treuhändern waren es 658 Millionen. Ein Teil davon ist unversteuert. Die neue Linksregierung will dank Geld aus der Schweiz einen Teil der Staatsschulden abtragen. Ministerpräsident Alexis Tsipras sprach gestern in Brüssel – ohne direkten Bezug auf die Schweiz – von 2 Milliarden Euro Steuerfluchtgeld. 800 Millionen Euro wolle seine Regierung eintreiben.

So kommt Bewegung in eine Sache, die zuletzt 13 Monate auf Eis gelegen hatte. Vor mehr als drei Jahren hatten Griechenland und die Schweiz angefangen, nach einer Lösung in der Steuerfrage zu suchen. Zuletzt hatte Finanz­ministerin Eveline Widmer-Schlumpf im Februar 2014 in Athen Vorschläge für eine Übereinkunft unterbreitet. Doch seither hat die griechische Seite nichts mehr von sich hören lassen – bis zum vergangenen Mittwoch. Da meldete die neue Linksregierung ihr Interesse an Gesprächen in der Sache an.

Die Schweiz hat sich vorgestern zum automatischen Informationsaustausch mit der EU verpflichtet, der aber erst in zwei, drei Jahren in Kraft treten dürfte. In der Übergangszeit könnte die Schweiz erleichtert Amtshilfe leisten, wenn Griechenland ein Selbstanzeigeprogramm für Steuerdelinquenten einführt. Druck kommt aus dem Parlament: SP-Nationalrat Cédric Wermuth hat gestern eine Interpellation eingereicht. Er fordert, den automatischen Informationsaustausch mit Griechenland vorzuziehen.

Neue Zuversicht

In Brüssel wuchs neue Zuversicht nach einem Krisentreffen zu Griechenland am Rande eines EU-Gipfels der Staats- und Regierungschefs. Frankreichs Präsident François Hollande und die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel sprachen nach dem Rendezvous mit Premier Tsipras von einem «neuen Geist des gegenseitigen Vertrauens».

Der griechische Regierungschef selber sagte, er sei jetzt nach den Beratungen «optimistischer». Tsipras versprach, in den nächsten Tagen eine umfassende eigene Liste mit Reformen vorzulegen. Sollte der Grieche das Versprechen einhalten, könnten die Euroländer bereits nächsten Freitag zusammenkommen und eine erste Kredittranche für Griechenland freigeben. Es wird darüber spekuliert, dass Griechenland sonst Ende Monat das Geld ausgehen könnte. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 20.03.2015, 23:28 Uhr

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92 Kommentare

Pia Minder

21.03.2015, 00:30 Uhr
Melden 660 Empfehlung 106

Ob der Herr Tsipras wohl auch wagt, nach Jersey/Guernsey, nach Cayman Island, nach Monte Carlo, Bahamas, Panama, Dubai, Usw. Zu gehen... Oder ist es explizit die Schweiz welche gebasht werden muss... Frei nach Anweisung der deutsch geführten EUSA. Unertraeglich diese Offensichtlichkeit und auch das Anbiedern unserer regierenden Politikergilde. Antworten


Urs-Peter Moos

20.03.2015, 23:40 Uhr
Melden 468 Empfehlung 56

Das Griechische Volk wird keinen Euro von diesem eingetriebenen Geld sehen, sondern es werden damit wieder irgendwelche Kredite zurückbezahlt. Antworten



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