H1N1-Virus: «Etwas passiert in der Schweiz»

Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) informierte über die aktuelle Lage zur Schweinegrippe. Die Zahl der in der Schweiz nachgewiesenen Erkrankungen hat in der letzten Woche deutlich zugenommen.

«Einer von fünf im Spital»: Virginie Masserey.

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«Die Welle kommt»: Patrick Mathys.

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WHO: Schweinegrippe nicht unterschätzen

Die Auswirkungen der Schweinegrippe sollten nach Ansicht der Weltgesundheitsorganisation (WHO) nicht unterschätzt werden. Eine Impfung sei immer noch der beste Schutz, erklärte der WHO-Sonderberater für Grippe-Pandemien, Keiji Fukuda, am Donnerstag in Genf. «Die Pandemie ist das dominante Grippevirus in allen Ländern geworden», sagte Fukuda. «Wir haben es nicht mit der (üblichen) saisonalen Grippe zu tun.»

Viele Symptome seien zwar ähnlich, aber häufig komme es auch zu schweren Erkrankungen und sogar Todesfällen. Besonders Schwangere und bereits unter anderen Krankheiten leidende Menschen seien gefährdet.

Die WHO betonte, dass die besonders schweren Erkrankungen und Todesfälle durch die Schweinegrippe vor allem bei Erwachsenen unter 50 Jahren aufgetreten sind. Dies stehe in starkem Widerspruch zu den normalen Grippewellen, bei denen die schweren Fälle zu 90 Prozent bei Menschen über 65 Jahren und älter auftreten.

Deswegen sei es wichtig, dass die Menschen die angebotenen Impfungen annähmen, sagte Fukuda. «Die WHO geht davon aus, dass diese Impfungen sehr nützlich sind und ihre Anwendung unterstützt werden muss.»

Die WHO wisse nach Erfahrungen aus etwa 20 Ländern auch, dass der Impfstoff sehr sicher sei. Nebenwirkungen oder Resistenzen seien kaum aufgetreten. Unerwartet sei auch, das in der Regel eine Dosis an Impfstoff ausreiche.

Dabei sei erfreulich, dass das Virus derzeit relativ stabil sei und sich nicht verändere. Dies könne sich allerdings ändern, je mehr Menschen eine gewisse Immunität entwickelten, sagte Fukuda.

Wie das BAG mitteilt, hat sich die Zahl der laborbestätigten Fälle diese Woche gegenüber der Vorwoche auf 295 Fälle verdreifacht. Besonders betroffen waren die Kantone Tessin mit 86 Fällen und Genf mit 73 Fällen, wie Patrick Mathys vom BAG vor den Medien in Bern sagte. Damit sei klar: «Etwas passiert in der Schweiz.»

Mittlerweile sind laut BAG bis am Mittwochabend in der Schweiz knapp 2000 Fälle im Labor nachgewiesen worden. 38 Personen mussten seit letzten Juli in Spitalpflege gebracht werden, sieben davon auf die Intensivstation.

Armee, Schulen und Gefängnis betroffen

In Thun erkrankten zwei Rekruten der Panzer RS 21 an Schweinegrippe. Sie wurden von der Truppe abgesondert und befinden sich auf der örtlichen Krankenstation, wie Armeesprecher Christoph Brunner verschiedene Medienberichte bestätigte. In der Kaserne Chur waren am Donnerstag noch rund 20 der ursprünglich 64 Schweinegrippe- Patienten auf der Krankenstation.

Von Schulschliessungen waren am Donnerstag die Gemeinden Eischoll im Wallis und Allschwil im Baselbiet betroffen. In Eischoll wurde eine Kindergartenklasse geschlossen, in Allschwil sistierten die Behörden den Unterricht für drei Sekundarschulklassen. Dies nachdem 20 Schüler erkrankt waren; bei sieben wurde die Schweinegrippe nachgewiesen.

Auch Gefängnismauern schützen nicht vor der Schweinegrippe: Im Gefängnis Champ-Dollon in Genf erkrankte ein Häftling am pandemischen Virus. Er sowie seine Mithäftlinge wurden isoliert. Sie müssen eine Maske tragen, wie ein Sprecher eine Meldung von Radio Suisse Romande (RSR) bestätigte.

Pandemiewelle in nördlicher Hemisphäre

Wie sich die allgemeine Lage in der Schweiz entwickeln werde, könne er nicht genau sagen, sagte Mathys, zuständig für die Pandemievorbereitung beim BAG. Die Pandemiewelle dauere erfahrungsgemäss acht bis zehn Wochen.

Zahlen aus dem Ausland zeigten aber, dass die Grippe nun auf der nördlichen Halbkugel rasch um sich greife. «Die pandemische Welle ist in der nördlichen Hemisphäre angekommen», sagte Mathys. Gegen die pandemische Verbreitung der Schweinegrippe könne nun nichts mehr unternommen werden.

Grünes Licht für Novartis in Deutschland

In Deutschland erhielt der Schweinegrippe-Impfstoff «Celtura» von Novartis die Zulassung der deutschen Gesundheitsbehörden, wie Novartis mitteilte.

Die am häufigsten genannten Nebenwirkungen seien lokale Beschwerden an der Einstichstelle (Rötung, Schwellung und Schmerzen) sowie so genannte systemische Beschwerden wie leichtes Fieber, Kopfschmerzen und Müdigkeit. Neu an «Celtura» ist die Herstellungsmethode mittels Zellkulturen statt wie üblich in Hühnereiern.

Novartis will nun die Zulassung in weiteren wichtigen Ländern vorantreiben. In der Schweiz darf «Celtura» noch nicht verwendet werden; bislang sind erst zwei Impfstoffe auf Hühnereier-Basis erlaubt: «Pandemrix» von GlaxoSmithKline und «Focetria» von Novartis.

EU schützt Schweine

Die EU-Mitgliedstaaten wollen auch die Schweine vor der nach ihnen benannten Grippe schützen. Sie verabschiedeten Richtlinien, in denen Kontroll- und Überwachungsmassnahmen zum Virus H1N1 bei Schweinen festgehalten sind.

Auch die Schweiz prüft die Schweinebestände: «Diesen Herbst haben wir die Überwachung wegen des H1N1-Virus verstärkt», sagte Cathy Maret, Sprecherin des Bundesamtes für Veterinärwesen (BVET), auf Anfrage. Bisher wurden in der Schweiz laut Maret keine Schweine mit dem H1N1-Virus entdeckt. (bru/sda)

Erstellt: 06.11.2009, 11:45 Uhr


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