Schweiz

Impfstart sorgt für Unmut

Aktualisiert am 08.11.2009 1 Kommentar

Wieso gibt in Solothurn bereits die Schweinegrippe-Impfung? Und weshalb im Aargau noch nicht? Der nicht koordinierte Impfstart in einzelnen Kantonen sorgt für Unmut und Besorgnis. Und hat bereits einen «Impftourismus» zur Folge.

So wie es aussieht, läuft die Schweizer Impfkampagne in den Kantonen zu unterschiedlichen Zeitpunkten an: Das passt nicht allen.

So wie es aussieht, läuft die Schweizer Impfkampagne in den Kantonen zu unterschiedlichen Zeitpunkten an: Das passt nicht allen.
Bild: Keystone

Die ersten Ärzte haben den Impfstoff Focetria am Samstag gespritzt, wie die «Tagesschau» des Schweizer Fernsehens SF berichtete. «Es sind vor allem Kinder mit schweren Herzfehlern, mit schweren Lungenproblemen oder immungeschwächte Patienten, die wir in einer ersten Runde impfen», sagte der Arzt Paul W. Meier von der Gruppenpraxis für Kinder in Solothurn. Diese Kinder haben laut Meier ein erhöhtes Risiko, schwer an der Schweinegrippe (H1N1) zu erkranken oder schwere Komplikationen zu erleiden.

Ob auch andere Kantone bereits mit Impfen begonnen haben, ist dem Bundesamt für Gesundheit (BAG) nicht bekannt, wie Sprecher Jean-Louis Zurcher auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA sagte. Die Impfstoffe Focetria und Pandemrix werden seit dem 30. Oktober an die Kantone verteilt. Wann diese mit den Impfungen starten, liegt in ihrer Kompetenz.

Die Meldung über erste Impfungen in Solothurn machte am Mittag die Runde. «Warum gibt es die Impfung im Kanton Solothurn, und bei uns im Aargau noch nicht», fragte ein besorgter Vater gegenüber baz.ch/Newsnet. Dass der Impfstart in der Kompetenz der Kantone liegt, könnte in der Schweiz für weiteren Unmut sorgen. Auch in Basel mögen offenbar impfwillige Menschen nicht mehr warten, bis ihr Arzt die Impfung gegen Schweinegrippe anbietet. Wie «10vor10» gestern meldete, hat die Situation zu Impftourismus geführt. Besorgte Schweizer liessen sich in Deutschland impfen. Dort läuft die Impfkampagne schon seit Tagen. Weitere Leser von baz.ch/Newsnet haben sich gemeldet und ihrem Unmut und ihrer Besorgnis Ausdruck verliehen.

Focetria an 14 Kantone geliefert

Das für Kinder zugelassene Focetria wurde bis am Samstag in 14 Kantonen (TI, BL, FR, JU, ZH, NE, ZG, VS, TG, SO, AI, SG, AG, SH) sowie im Fürstentum Liechtensein ausgeliefert. Dies sagte Marco Pirovano, Leiter Logistik des beauftragten Unternehmens Voigt auf Anfrage. Der Impfstoff sei vorwiegend in Spitälern oder bei Feinverteilern abgeladen worden; in Solothurn an zahlreiche Ärzte. In den übrigen Kantonen soll Focetria Anfang der kommenden Woche ausgeliefert werden. Voraussichtlich könne dieser Impfstoff etwa ab Mittwoch landesweit gespritzt werden, sagte Pirovano. Die Kantone erhalten die Substanz vom Bund in Kontingenten zugewiesen. Mit der Auslieferung von Pandemrix ist Voigt nicht beauftragt.

Eric Masserey, der stellvertretende Waadtländer Kantonsarzt, begrüsste gegenüber dem Westschweizer Radio RSR, dass die Impfdosen in seinem Kanton ab Anfang nächster Woche verfügbar sind. Bis die Impfung vor Schweinegrippe schütze, dauere es zwei Wochen. In seinem Kanton sei die Epidemie ausgebrochen.

Fünf Rekruten im Jura erkrankt

Der Impfstoff Focetria von Novartis ist nur beschränkt verfügbar - er ist Kindern und Schwangeren vorbehalten. Pandemrix, der Impfstoff von GlaxoSmithKline, ist für die Immunisierung von nicht schwangeren Erwachsenen vorgesehen.

Inzwischen breitet sich das Schweinegrippevirus in der Armee weiter aus: In der Kaserne von Bure JU sind fünf Rekruten an der Schweinegrippe erkrankt. Das Virus wurde bei ihnen am Donnerstag und Freitag nachgewiesen. Armeesprecher Christoph Brunner bestätigte einen Bericht der Samstagsausgabe von «Le Quotidien Jurassien».

In den vergangenen Tagen waren bereits Fälle in militärischen Einrichtungen in Thun BE, Chur und Dübendorf ZH bekannt geworden. In Chur müssen 25 erkrankte Rekruten das Wochenende in der Kaserne verbringen. (cpm/oku/sda)

Erstellt: 08.11.2009, 08:40 Uhr

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1 Kommentar

hans zumstein

09.11.2009, 07:27 Uhr
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Wieso diese Aufregung? Es ist doch längstens bekannt, dass das Rad in der CH immer wieder neu erfunden werden muss. Prüfverfahren im Ausland für Impfstoff sind für Schweizer Medi-Prüfer offensichtlich wertlos. Oder ist es gar Arbeitsbeschaffung und Rechtfertigung für die CH Medi Prüfstelle. Und nicht zuletzt: Der Kantönligeist will gepflegt werden. Antworten



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