Schweiz

«Jetzt kommen alle Haushalte ins Schleudern»

Aktualisiert am 13.02.2013 58 Kommentare

Der Bundesrat ergreift Massnahmen gegen die Immobilienblase. Der Hauseigentümerverband fürchtet, dass unter dem erhöhten Kapitalpuffer auch Gebiete ohne überhitzten Immobilienmarkt zu leiden haben.

1/3 Das sind die kritischen Bezirke der Schweiz. Lila gekennzeichnet sind Regionen unter Beobachtung. Um die Namen der Bezirke zu erfahren, blättern Sie bitte zur nächsten Grafik.
ETH Zürich/comparis.ch

   

Kritisiert den bundesrätlichen Entscheid: HEV-Direktor Ansgar Gmür.

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Hauseigentümer und Mieter befürchten, dass unter dem erhöhten Kapitalpuffer alle Haushalte zu leiden haben – ebenso Regionen ohne Auswüchse auf dem Immobilienmarkt. Kritisch sind auch die Banken: Für sie kommt der Schritt zu früh.

Der Hauseigentümerverband (HEV) hätte es lieber gesehen, wenn vor der Einführung des antizyklischen Puffers der Spielraum der Finanzmarktaufsicht Finma voll ausgeschöpft worden wäre. «Mit dem Puffer verteuern sich die Hypotheken und damit die Wohnkosten für alle, letztlich auch die Mieter», sagte HEV-Direktor Ansgar Gmür auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda.

Dass die Massnahme flächendeckend eingeführt werde, obwohl der Markt nur an wenigen Hotspots überhitzt sei, hat laut Gmür «negative Auswirkungen auf Gebiete, die keine Auswüchse kennen».

Der Verband hält es zwar «per se nicht für falsch», auf Schwellenhaushalte zu zielen, die ihr Eigenheim knapp finanziert haben. Die neuen Vorschriften träfen wegen ihrer Breitenwirkung jedoch auch besser gestellte Haushalte: «Nun kommen alle ins Schleudern.»

Psychologische Wirkung

Der Schweizerische Mieterinnen- und Mieterverband hält den Entscheid des Bundesrats für «leider nötig». «Uns stört es allerdings sehr, dass sich die Massnahme auf die Zinsen durchschlagen wird», sagte Geschäftsführer Peter Macher.

Ihm zufolge hätte mit früher ergriffenen Schritten das gleiche Resultat erzielt werden können – etwa mit einer höheren Belehnungsgrenze und mit einer Amortisationspflicht.

Weniger skeptisch ist der Baumeisterverband. Er begrüsse den bundesrätlichen Schritt, sagte Verbands-Vizedirektor Martin A. Senn auf Anfrage. «Die moderate Massnahme von einem Prozent finde ich im derzeit tatsächlich etwas überhitzten Immobilienmarkt sinnvoll.» Ob sie streng ökonomisch gesehen auch eine Wirkung entfaltet, ist laut Senn unklar. «Solche Massnahmen wirken nicht zuletzt auch psychologisch.»

Banken: Der Puffer kommt zu früh

Die Banken sehen den antizyklischen Kapitalpuffer generell kritisch. Die Massnahme sei zu grob definiert, und sie zeitgerecht umzusetzen sei schwierig, schrieb die Schweizerische Bankiervereinigung (SBVg) in einer Stellungnahme. Die Aktivierung des Puffers komme zu früh.

Auch der Verband Schweizerischer Kantonalbanken (VSKB) hält die Massnahme für verfrüht. Der Bundesrat hätte abwarten sollen, bis die im letzten Sommer selbstauferlegten Massnahmen der Banken gegen eine drohende Immobilienblase Wirkung zeigen, hiess es.

Die Banken sind skeptisch, ob der antizyklische Kapitalpuffer die Nachfrage zu dämpfen vermag, und ob es nicht zu einer Verteuerung der Kredite komme. Darunter würden in erster Linie kleine und mittlere Unternehmen leiden. Zudem sei die Überhitzungefahr in den einzelnen Schweizer Regionen sehr unterschiedlich. (bru/sda)

Erstellt: 13.02.2013, 12:43 Uhr

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58 Kommentare

Kurt Müller

13.02.2013, 13:49 Uhr
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Das Problem in der Schweiz ist nicht die Belehnungshöhe. Vielmehr sollten Hypotheken, wie das auch im Ausland üblich ist, innerhalb von 20 bis 25 Jahren vollständig abbezahlt werden. So würde sich der Markt von selbst auf ein akzeptables Niveau einregulieren. Nach der heutigen Praxis zahlen die meisten Hauseigentümer einfach einen Mietzins an die Bank. Richtige Hausbesitzer werden sie so nie. Antworten


Marcel Zufferey

13.02.2013, 12:55 Uhr
Melden 229 Empfehlung 26

"Wir finanzieren ihr Eigenheim auch mit 10 Prozent Eigenmitteln", stand auf dem Kontoauszug einer Kantonalbank bei meiner Frau 2008. Mehr muss dazu nicht gesagt werden. Antworten



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