Schweiz

Kampf ums Wasser: Wo die Schweiz immer trockener wird

Blauer Himmel, trockene Böden und verdorrte Ernten: Die Schweiz kämpft mit einem neuen Problem, das immer grösser wird. Der Bundesrat prüft eine Idee gegen die Wasserknappheit, die jetzt schon für Zündstoff sorgt.

Bild: TA-Grafik ib

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Trockenperioden, Bewässerungsbedarf, Konfliktpotenzial - wer den Bericht liest, den die Forschungsanstalt Agroscope gestern veröffentlich hat, denkt wohl zunächst eher an Entwicklungsprojekte in Afrika oder Zentralasien als an das Wasserschloss Europas. Und doch hat gemäss den Forschern auch die Schweiz zusehends mit eben diesen Phänomenen zu kämpfen: Bereits heute müssten die Bauern 26 Prozent der gesamten landwirtschaftlichen Nutzfläche bewässern, um keine Erträge an die Trockenheit zu verlieren. Dies ist zehnmal mehr als die rund 50 000 Hektaren, die heute effektiv berieselt werden. Und betrachtet man nur die Ackerfläche, ist die Zahl noch eindrücklicher: 41 Prozent des Ackerlandes kommt nicht mehr ohne zusätzliche Bewässerung aus.

Vom Wassermangel betroffen sind dabei nicht mehr nur traditionelle Trockentäler wie das Wallis oder Täler im Tessin. Das Problem verlagert sich zunehmend auch ins westliche Mittelland und in die Nordostschweiz (siehe Karte). Und geht es nach Agroscope, dürfte sich die Situation noch verschlimmern. Die aktuellen Klimaszenarien zeigen, dass die Niederschläge im Sommer um gegen 20 Prozent zurückgehen werden. «Drei Monate Sonnenschein und kein Tropfen Regen. Das ist der Sommer der Zukunft.»

Bauern schielen auf Abgeltung

Dies ist auch den Bauern schmerzlich bewusst, mit allen Konsequenzen. Sie mussten schon in den letzten Jahren regelmässig Ernteausfälle in Millionenhöhe hinnehmen. Sie haben in letzter Zeit vermehrt in (teilweise subventionierte) Bewässerungsanlagen investiert. Und sie stellen sich auf häufigere Verteilkämpfe ein: «Es wird vermehrt zu Nutzungskonflikten kommen», sagt Heinz Hänni vom Bauernverband.

Als Problem erachten die Bauern dabei, dass die Wassernutzung heute stark kantonal geregelt ist. Als etwa diesen August im Seeland der Regen ausblieb, verbot der Kanton Freiburg seinen Bauern, aus dem Bach Bibere Wasser zu nehmen. Die Berner Bauern durften dies einige Hundert Meter weiter unten weiterhin ungeniert tun. Der Bauernverband erwägt darum nun, solche Verteilungsfragen auf Bundesebene klären zu lassen. «Man müsste sich auf übergeordnete Prinzipien einigen, wie die Verteilung vorgenommen wird», sagt Hänni. Zu regeln wäre darin, wer in welcher Priorität Wasser entnehmen darf - und wie man den Bauern allfällige Ertragseinbussen abgelten könnte.

Auch dem Bundesrat ist diese Problematik bewusst. «Die klimatisch bedingte Verknappung (. . .) der Wassermengen bei gleichzeitigem Mehrbedarf führt zu verstärkten Verteilproblemen», schrieb er unlängst in einem Bericht. Er schlägt darum vor, eine Wasserpolitik mit ganzheitlichem Fokus zu entwickeln - und hat dazu auch bereits einige umstrittene Vorschläge parat: Die Nutzung des Wassers könne entweder durch vertragliche Vereinbarungen zwischen allen Nutzniessern geregelt werden oder aber durch eine Lenkungsabgabe auf dem Wasser. Wer Wasser bezieht, müsste in diesem Fall extra dafür bezahlen. Der Preis hätte sich dabei danach zu richten, wie stark man an einem Ort die Ressourcen schützen oder nützen will. Als Nebeneffekt ergäbe ein solches System neue Einnahmen, aus denen man wiederum zum Beispiel gemeinschaftliche Gewässerschutzprojekte finanzieren könnte.

Bund prüft Wasserabgabe

Noch sind solche Vorstellungen nicht mehr als Gedankenspiele, wie das Bundesamt für Umwelt (Bafu) umgehend klargestellt haben will. Zumindest in Naturschutzkreisen hält man einen solchen Weg aber durchaus für gangbar. «Das Wasser sollte einen höheren Preis bekommen», sagt Luca Vetterli, Gewässerschutzexperte bei Pro Natura. Dann liessen sich auch die übergeordneten Schutzinteressen besser durchsetzen.

Die Bauern halten indes wenig davon. Die Nutzung öffentlicher Güter lasse sich nicht einfach über den Markt lösen, sagt Heinz Hänni. Und auch der Verband der Wasserwirtschaft reagiert ablehnend. Man sei bei der Wassernutzung in der Schweiz bislang gut aneinander vorbeigekommen, meint Direktor Walter Hauenstein. Er sehe daher keine Notwendigkeit für eine stärkere Intervention des Bundes. Und was die angedachte Lenkungsabgabe betrifft, sieht er die Kraftwerkbetreiber ohnehin nicht in der Pflicht: «Wir verbrauchen das Wasser ja nicht», sagt Hauenstein.

Auf mehr Anklang stösst eine andere Massnahme, die im Bafu derzeit vorangetrieben wird: das integrale Einzugsgebietsmanagement. Dabei wird ein hydrologisches Einzugsgebiet definiert, in dem dann alle Schutz- und Nutzungsinteressen öffentlich gegeneinander abgewogen und letztlich priorisiert werden. So könne man diese Wassernutzung im Interesse aller optimieren, sagen die Fachleute beim Bund. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 28.10.2009, 13:58 Uhr

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14 Kommentare

Cornelia Meier

30.10.2009, 00:47 Uhr
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@Schwander Andreas Bitte unterscheiden, nicht verschmutztes Niederschlagswasser sollte in den meisten Gemeinden auf den Grundstücken zur Versickerung gebracht werden. Das Problem sind dann die versiegelten Verkehrsflächen, da kommt das Wasser, da dreckig, in die Kanalisation... Regenwassernutzung bedarf eines separaten Wasserkreislaufes (Grauwasser), was für kleine Objekte (EFH) teuer ist.. Antworten


Nadine Binsberger

28.10.2009, 15:14 Uhr
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Das Bafu erkennt den zukunftsträchtigen Trend richtig: nicht narrenfreier Markt und nicht zentrale Planwirtschaft, sondern direktdemokratisch selbstverwaltete Prozesse sorgen am effizientesten für eine nachhaltige Nutzung von Gemeingütern. Dies hat die soeben mit dem Wirtschafts-Nobelpreis 2009 geehrte Professorin Elinor Ostrom in ihren Feldforschungen herausgefunden und nachgewiesen. Antworten


Edgar Schaad

28.10.2009, 14:30 Uhr
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Ganz selten habe ich eine treffendere Stellungnahme gelesen als jene von Matti Hoch! Bravo, Herr Hoch. Sie treffen den Nagel genau auf den Kopf. Antworten


Hans Inauen

28.10.2009, 14:23 Uhr
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Eine obligatorische Regenwassernutzung wäre sinnvoll, Fakt ist aber dass wir Trinkwasser in Mineralwasserqualität sehr günstig kaufen, teuer ist das Abwasser und dies wird auch bei Regenwasser verrechnet, fatal. Jedes EFH braucht einen Zivilschutzraum oder einen öffentl. Ersatz, längst nicht mehr nötig, dafür könnte das Regenwasser sinnvoll einspringen und wer hat heute noch Notvorrat? Antworten


Andy Thomann

28.10.2009, 13:57 Uhr
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Solange die Damen und Herren auf dem Meteodach schon bei der kleinsten Wolke von Wetterverschlechterung reden, anstatt die Leute zu sensibilisieren, dass diese Trockenheit meines Erachtens schon ein Ausmass vom Hitzesommer 2003 hat, würden diese vieleicht auch sparsamer mit dem kostbarem Nass umgehen. Aber eben Bucheli & CO werden wahrscheinlich von der Schönwettertourismusindustrie gesponsert. Antworten


Michael Sold

28.10.2009, 13:56 Uhr
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Die Bewässerung ist viel zu ineffizient, es ist eben leichter Subventionen zu bekommen als Ideen zu haben. Vielleicht müssen andere Früchte z.B. angepflanzt werden. Es gibt 1000 Möglichkeiten und das Wasser wird mit der Erwärmung nicht mehr. Nur die Vernunft der Bevölkerungsreduktion auf der Welt kann uns retten. Aber Vernunft steht hinter wirtschaftlicher Gier. Siehe alternative Energie. Antworten


Hans Gilg

28.10.2009, 13:35 Uhr
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Das Problem, dass das Wasser immer knapper wird, lässt sich nicht leugnen. Meiner Meinung nach sollte man mit Wassersicherungsinvestitionen - geplant bis zu einem Vollausbau in rund 50 Jahren - jetzt beginnen. Das ergäbe jährliche Kosten von 2 Prozent - und müsste tragbar sein. Antworten


Peter Steiner

28.10.2009, 13:29 Uhr
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Es ist keine Woche her, dass die Bauern Stiefel gegen eine Bundesrätin geworfen haben und nun stehen sie schon wieder mit der hohlen Hand in Bern. Wo bleibt die SVP die den Subventionsmissbrauch bekämpft? Antworten


hans scholl

28.10.2009, 13:24 Uhr
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die menge an wasser, welche täglich bspw. durch pissoir-spülungen vergeudet wird ist enorm. dabei gibt es wasserlose und extrem geruchsarme pissoirs, welche flächendeckend eingesetzt werden sollten (inkl. privathaushalte, da nebst dem sitz-wc oft platz dafür vorhanden). auch aufrüstungen durch spar-spülungen sowie neue dichtungen würden schon etwas bringen. die bevölkerungszahl ist auch ein thema. Antworten


Cornelia Meier

28.10.2009, 13:23 Uhr
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bravo anthropogene Klimaveränderungen abstreiten und Gegenmassnahmen boykottieren, dafür wieder die hohle Hand für Subventionen machen... (welche Verbände und Parteien das dies betrifft muss ich nicht ausschreiben!) Antworten


Schwander Andreas

28.10.2009, 13:15 Uhr
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Früher oder später wird man nicht darum herumkommen, in jedem Haus das Regenwasser zu sammeln statt es sofort in die Kläranlage zu schicken. Umgekehrt ist es absurd, dass fast die Hälfte allen Trinkwassers die Toilette hinunter gespült werden. Aber bei kaum einem Neubau wird daran gedacht. Antworten


Stefan Parpan

28.10.2009, 13:06 Uhr
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Ich finde auch, dass dies ein Problem ist. Auf jeden Fall ein grösseres Problem als Raser, Drogendealer oder Fussballfans. Aber vorallem ist es ein Problem, dass uns alle betrifft, was man von den anderen Themen nicht behaupten kann. Antworten


Peter Waldner

28.10.2009, 12:58 Uhr
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Eine grosse, dicke Pipeline von einem See zum anderen, nur zur Bewässerung bei Bedarf? Ohne vorherige Aufbereitung zum "Trinkwasser"? Im Vergleich zur NEAT ein Klacks - und wahrscheinlich nachhaltig wertvoller! Antworten


Matti Hoch

28.10.2009, 12:12 Uhr
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Verbaut die Schweiz noch mehr! Pflegt noch mehr die dumme Haltung, unser Land sei ein "Einwanderungsland", lasst noch mehr Menschen in unser sonst schon überaus dicht besiedeltes Land und baut noch mehr Strassen etc. und dann, wundert Ihr Euch, wenn auch bei uns das Wasser knapp wird? Wenn ein Grüner mit seinen Ideen das Grundübel anprangert, wird er rechtsradikal genannt! Schweiz, Quo Vadis? Antworten



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