Kampf ums Wasser: Wo die Schweiz immer trockener wird

Von Daniel Friedli, Bern. Aktualisiert am 28.10.2009 14 Kommentare

Blauer Himmel, trockene Böden und verdorrte Ernten: Die Schweiz kämpft mit einem neuen Problem, das immer grösser wird. Der Bundesrat prüft eine Idee gegen die Wasserknappheit, die jetzt schon für Zündstoff sorgt.

Bild: TA-Grafik ib

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Trockenperioden, Bewässerungsbedarf, Konfliktpotenzial - wer den Bericht liest, den die Forschungsanstalt Agroscope gestern veröffentlich hat, denkt wohl zunächst eher an Entwicklungsprojekte in Afrika oder Zentralasien als an das Wasserschloss Europas. Und doch hat gemäss den Forschern auch die Schweiz zusehends mit eben diesen Phänomenen zu kämpfen: Bereits heute müssten die Bauern 26 Prozent der gesamten landwirtschaftlichen Nutzfläche bewässern, um keine Erträge an die Trockenheit zu verlieren. Dies ist zehnmal mehr als die rund 50 000 Hektaren, die heute effektiv berieselt werden. Und betrachtet man nur die Ackerfläche, ist die Zahl noch eindrücklicher: 41 Prozent des Ackerlandes kommt nicht mehr ohne zusätzliche Bewässerung aus.

Vom Wassermangel betroffen sind dabei nicht mehr nur traditionelle Trockentäler wie das Wallis oder Täler im Tessin. Das Problem verlagert sich zunehmend auch ins westliche Mittelland und in die Nordostschweiz (siehe Karte). Und geht es nach Agroscope, dürfte sich die Situation noch verschlimmern. Die aktuellen Klimaszenarien zeigen, dass die Niederschläge im Sommer um gegen 20 Prozent zurückgehen werden. «Drei Monate Sonnenschein und kein Tropfen Regen. Das ist der Sommer der Zukunft.»

Bauern schielen auf Abgeltung

Dies ist auch den Bauern schmerzlich bewusst, mit allen Konsequenzen. Sie mussten schon in den letzten Jahren regelmässig Ernteausfälle in Millionenhöhe hinnehmen. Sie haben in letzter Zeit vermehrt in (teilweise subventionierte) Bewässerungsanlagen investiert. Und sie stellen sich auf häufigere Verteilkämpfe ein: «Es wird vermehrt zu Nutzungskonflikten kommen», sagt Heinz Hänni vom Bauernverband.

Als Problem erachten die Bauern dabei, dass die Wassernutzung heute stark kantonal geregelt ist. Als etwa diesen August im Seeland der Regen ausblieb, verbot der Kanton Freiburg seinen Bauern, aus dem Bach Bibere Wasser zu nehmen. Die Berner Bauern durften dies einige Hundert Meter weiter unten weiterhin ungeniert tun. Der Bauernverband erwägt darum nun, solche Verteilungsfragen auf Bundesebene klären zu lassen. «Man müsste sich auf übergeordnete Prinzipien einigen, wie die Verteilung vorgenommen wird», sagt Hänni. Zu regeln wäre darin, wer in welcher Priorität Wasser entnehmen darf - und wie man den Bauern allfällige Ertragseinbussen abgelten könnte.

Auch dem Bundesrat ist diese Problematik bewusst. «Die klimatisch bedingte Verknappung (. . .) der Wassermengen bei gleichzeitigem Mehrbedarf führt zu verstärkten Verteilproblemen», schrieb er unlängst in einem Bericht. Er schlägt darum vor, eine Wasserpolitik mit ganzheitlichem Fokus zu entwickeln - und hat dazu auch bereits einige umstrittene Vorschläge parat: Die Nutzung des Wassers könne entweder durch vertragliche Vereinbarungen zwischen allen Nutzniessern geregelt werden oder aber durch eine Lenkungsabgabe auf dem Wasser. Wer Wasser bezieht, müsste in diesem Fall extra dafür bezahlen. Der Preis hätte sich dabei danach zu richten, wie stark man an einem Ort die Ressourcen schützen oder nützen will. Als Nebeneffekt ergäbe ein solches System neue Einnahmen, aus denen man wiederum zum Beispiel gemeinschaftliche Gewässerschutzprojekte finanzieren könnte.

Bund prüft Wasserabgabe

Noch sind solche Vorstellungen nicht mehr als Gedankenspiele, wie das Bundesamt für Umwelt (Bafu) umgehend klargestellt haben will. Zumindest in Naturschutzkreisen hält man einen solchen Weg aber durchaus für gangbar. «Das Wasser sollte einen höheren Preis bekommen», sagt Luca Vetterli, Gewässerschutzexperte bei Pro Natura. Dann liessen sich auch die übergeordneten Schutzinteressen besser durchsetzen.

Die Bauern halten indes wenig davon. Die Nutzung öffentlicher Güter lasse sich nicht einfach über den Markt lösen, sagt Heinz Hänni. Und auch der Verband der Wasserwirtschaft reagiert ablehnend. Man sei bei der Wassernutzung in der Schweiz bislang gut aneinander vorbeigekommen, meint Direktor Walter Hauenstein. Er sehe daher keine Notwendigkeit für eine stärkere Intervention des Bundes. Und was die angedachte Lenkungsabgabe betrifft, sieht er die Kraftwerkbetreiber ohnehin nicht in der Pflicht: «Wir verbrauchen das Wasser ja nicht», sagt Hauenstein.

Auf mehr Anklang stösst eine andere Massnahme, die im Bafu derzeit vorangetrieben wird: das integrale Einzugsgebietsmanagement. Dabei wird ein hydrologisches Einzugsgebiet definiert, in dem dann alle Schutz- und Nutzungsinteressen öffentlich gegeneinander abgewogen und letztlich priorisiert werden. So könne man diese Wassernutzung im Interesse aller optimieren, sagen die Fachleute beim Bund. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 28.10.2009, 13:58 Uhr

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14 Kommentare

Matti Hoch

28.10.2009, 12:12 Uhr
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Verbaut die Schweiz noch mehr! Pflegt noch mehr die dumme Haltung, unser Land sei ein "Einwanderungsland", lasst noch mehr Menschen in unser sonst schon überaus dicht besiedeltes Land und baut noch mehr Strassen etc. und dann, wundert Ihr Euch, wenn auch bei uns das Wasser knapp wird? Wenn ein Grüner mit seinen Ideen das Grundübel anprangert, wird er rechtsradikal genannt! Schweiz, Quo Vadis? Antworten


Peter Waldner

28.10.2009, 12:58 Uhr
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Eine grosse, dicke Pipeline von einem See zum anderen, nur zur Bewässerung bei Bedarf? Ohne vorherige Aufbereitung zum "Trinkwasser"? Im Vergleich zur NEAT ein Klacks - und wahrscheinlich nachhaltig wertvoller! Antworten



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