Schweiz

Katholische Kondome sorgen in Luzern für rote Köpfe

Von Jan Derrer. Aktualisiert am 26.10.2010 7 Kommentare

Die Katholische Kirche Luzern bietet Passanten gratis Kondome an. Sie tut dies sehr diskret. Trotzdem kommt es zu hitzigen Diskussionen.

Video: Jan Derrer

Die Katholische Kirche Luzern weiss, wie sie Aufmerksamkeit erhält. Sie versandte eine Medienmitteilung, laut der sie bis am Mittwoch auf dem Luzerner Bahnhofplatz Kondome verteilt. Ein Augenschein von baz.ch/Newsnet zeigt: Während die mediale Aufmerksamkeit gross ist, findet die Aktion eher im Versteckten statt. Das liegt vor allem daran, dass die Kondome bloss daliegen und mitgenommen werden könnnen.

Etwas verloren steht auf dem Platz ein Campingtischchen, darauf drei Kondome. Auf der Vorderseite steht «Vergessen ist ansteckend – Schütze deinen Nächsten wie dich selbst.» Auf der Rückseite steht «Katholische Kirche Luzern». In einem dreirädrigen Kleinmobil liegen weitere Informationen auf.

«Güsel, was Sie verbreiten»

Ich will Burghard Förster fragen, was es mit der Aktion auf sich hat. Förster ist Erwachsenenebildner bei der Katholischen Kirche Luzern und Theologe. Gerade als er mir antworten will, pöbelt ihn ein älterer Mann an: «Güsel ist das, was Sie verbreiten» sagt er wutenbrannt. Auf Försters deutsche Herkunft zielend fügt er aggressiv an: «Gehen Sie zurück, woher Sie kommen.» Nach diesem Zwischenfall können wir das Interview beginnen (siehe Video).

Ein Pfarrer tritt auf mich zu und überreicht mir eine Informationsmappe. Sie soll belegen, dass Präservative unsichere Verhütungsmittel sind. Der Pfarrer heisst Roland Graf und ist Mitglied von «Human Life International». Diese Organisation ist gegen Abtreibung und Verhütung.

Zwei Welten sprechen aneinander vorbei

Ein Pulk von Teenager-Mädchen bildet sich um einen jungen Mann. Mit ruhiger Stimme und sanftem Lächeln versucht er, sie von Enthaltsamkeit und natürlicher Verhütung zu überzeugen. Vergebens. Nachdem die Teenager weg sind, wird es wieder ruhig. Der Pfarrer und der junge Mann diskutieren miteinander. Der kalte Wind streift über den Bahnofplatz. (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 26.10.2010, 16:24 Uhr

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7 Kommentare

Stephan Baumann

26.10.2010, 20:14 Uhr
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Ist schön, auch mal wieder was von kritischen menschenfreundlichen Christen zu hören. Nach all den Beiträgen wegen Kreuzen und Büchern habe ich da die Hoffnung schon einwenig aufgegeben. Ich wünsche Herrn Förster viel Kraft für das was ihn in den nächsten Wochen erwartet. Antworten


Michael Strässle

27.10.2010, 10:34 Uhr
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Dieser Bericht zeigt wie schwierig es ist aufgeklärter Demokrat UND Christ zu sein. Genaugenomen unmöglich. Lässt doch die Christliche sexual Moral eigentlich keinen Spielraum! Wie es aussieht wenn Christ können wie sie wollen, zeigt der Fall einer vergewaltigten Dreizehnjährigen im Irland der 80er. Sie wurde mit eine Ausreisesperre belegt damit sie nicht in England abtreibt. Antworten



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