Schweiz
Komatrinker sollen Spitalrechnung selbst bezahlen
Von Markus Brotschi, Bern. Aktualisiert am 25.01.2012 36 Kommentare
Kinderbrillen
Krankenkassen sollen wieder bezahlen
Krankenkassen müssen wohl schon bald wieder Beiträge an Brillengläser für Kinder leisten. Mit 10 zu 1 Stimme empfiehlt die Gesundheitskommission des Ständerats (SGK) ihrem Rat eine entsprechende Motion aus dem Nationalrat zur Annahme. Sie will damit eine Massnahme des ehemaligen Gesundheitsministers Didier Burkhalter rückgängig machen. Mit der Streichung der Brillenvergütung per Ende 2010 wollte dieser die Grundversicherung um jährlich 40 Millionen Franken entlasten. Laut Burkhalter wurden die Brillen dadurch insgesamt billiger.
Die Streichung stiess aber auf breiten Widerstand. 40 000 Personen forderten in einer Petition die Wiedereinführung des Brillenbeitrags. Auch im Nationalrat regte sich Widerstand. Letzten September hiess die grosse Kammer eine Motion von Thérèse Meyer (CVP, FR) gut, die erneut einen Beitrag für Sehhilfen forderte. (SDA)
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Die Gesundheitspolitiker von National- und Ständerat wollen erstmals in der obligatorischen Krankenversicherung das Verursacherprinzip einführen. Wer sich spitalreif trinkt, soll für die entstehenden Kosten nicht mehr die Krankenkasse beanspruchen können. Die Kommission für soziale Sicherheit und Gesundheit (SGK) des Ständerats hat diese Forderung von SVP-Nationalrat Toni Bortoluzzi gestern mit 7 zu 2 Stimmen unterstützt.
Nun wird die Nationalratskommission, die dem Vorstoss bereits zustimmte, die Gesetzesänderung ausarbeiten. Bortoluzzi verlangt, dass Behandlungen «nach exzessivem Alkohol- und Drogenmissbrauch durch die Verursacher oder ihre gesetzlichen Vertreter in vollem Umfange abgegolten werden». Auch die Kosten in einer Ausnüchterungszelle der Polizei seien in jedem Fall vom Betrunkenen zu tragen. Die Ständeratskommission sei sich bewusst, dass sich in der Krankenversicherung heikle Abgrenzungsfragen stellten, sagt SGK-Präsidentin Christine Egerszegi (FDP, AG). Es dürfe nicht Alkohol- oder Drogensüchtige treffen. «Es geht um Jugendliche und Erwachsene, die trinken bis zum Umfallen.»
Kosten bis zu 2000 Franken
«Drogen- und Alkoholsüchtige sind Kranke, die fallen nicht unter diese Regelung», sagt Verena Diener (GLP, ZH). «Es geht um Kampftrinker, die solche Exzesse als Amüsement sehen.» Zudem würden die Eltern in die Pflicht genommen, weil sie bei Minderjährigen zahlen müssen. «Das wird zu Hause zu fruchtbaren Diskussionen führen.» Die Kommission wolle aber keine «Schuldfrage» für Krankheiten einführen, betont die frühere Zürcher Gesundheitsdirektorin.
Die Behandlungskosten bei Alkoholvergiftungen liegen je nach Schwere und Alter der Patienten zwischen 500 und 2000 Franken, wie Zahlen der Aargauer Regierung zeigen. Allein die beiden Kantonsspitäler in Aarau und Baden schätzen, dass bei ihnen pro Jahr 500 Personen wegen einer Alkoholvergiftung eingeliefert werden. Das Berner Inselspital publizierte 2010 eine Studie, wonach der Anteil von Notfallpatienten mit Alkoholvergiftung zwischen 2000 und 2007 von 1,4 auf 3,3 Prozent gestiegen ist. Bei den Jugendlichen nahm der Anteil gar von 2,6 auf 6,5 Prozent zu.
Dennoch stehen die Spitäler der Kostenüberwälzung skeptisch gegenüber. «Wer entscheidet, ob der Notfallpatient ein Komatrinker ist, und wer steht dafür rechtlich gerade?», fragt Markus Hächler, Sprecher des Berner Inselspitals. «Was am Schreibtisch nach einer einfachen Triage aussieht, ist es an der Notfallfront nicht.» Auch das Universitätsspital Zürich warnt vor den Abgrenzungsfragen: «Die Rolle des Spitals ist es, diese Leute zu behandeln. Wer dafür bezahlt, hat die Politik zu entscheiden», sagt Finanzchef Hugo Keune. Aber das Inkasso würde für das Spital sicher aufwendiger. Das befürchtet auch Hächler: «Das Inselspital hat bereits 10 Millionen Franken ausstehend von Patienten, welche die Krankenkassenprämien nicht bezahlt haben und deren Rechnung von der Kasse an uns retourniert wurde.»
«Ein gefährliches Zeichen»
Suchtfachleute halten die Kostenüberwälzung für ungerechtfertigt. Die Gründe für übermässigen Alkoholkonsum lägen nicht nur beim Individuum, sondern auch im gesellschaftlichen Kontext, sagt Simon Frey von Sucht Info Schweiz. «Deshalb sind der Eigenverantwortung Grenzen gesetzt.» Behandlungskosten bei Gesundheitsproblemen müssten von der Kranken- oder der Unfallversicherung getragen werden. «Für Personen, die wegen übermässigen Alkoholkonsums solche Leistungen in Anspruch nehmen müssen, dürfen keine Sonderregelungen eingeführt werden.»
Auch die Kassen warnen. Deren Verband Santésuisse spricht von einem «gefährlichen Zeichen». Wenn einzelnes Verhalten wie der Alkohol- und Drogenexzess nicht mehr durch die Krankenversicherung gedeckt sei, stelle sich die Frage bald auch bei anderem gesundheitsschädlichem Verhalten, sagt Sprecherin Anne Durrer. Entsprechende Forderungen gab es bereits. Die SVP etwa versuchte mehrfach, die Heroinabgabe aus der Krankenversicherung zu streichen. Und derzeit ist eine Volksinitiative hängig, welche die Kostenübernahme der Kasse bei Abtreibungen verbieten will. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 24.01.2012, 21:02 Uhr
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36 Kommentare
Wenn man die Welt so sieht okay - dann sollen aber alle Übergewichtigen und ungesund esser, Sportler, Raucher, Bewegungsmuffel die von ihnen verursachten Kosten ebenfalls übernehmen! War ihre Entsch. dies zu tun! Schei***n wir doch auf die der KK zugrundeliegende Solidarität! Klar, wer öfters nach einem Gelage Gast ist, soll die Konsequenzen tragen! Aber nicht beim 1. Absturz! Antworten
Dass Kosten die Sauffbolde verursachen die KK, also die Allgemeinheit bezahlen muss ist unverständlich. Dass aber Politik und KK bis jetzt nichts geändert haben ist ein Skandal. Es braucht keine Kommissionen, keine Studien, sondern sofort einen Beschluss!
Wer wieder nüchtern ist bezahlt Bar und kann gehen. Freunde, Eltern od. Verwandte können den Sauffbold nach Bezahlung gleich mitnehmen..
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Krankenversicherungen sind (wären) dazu da, Kosten zu übernehmen, die der einzelne nicht oder nur schwerlich selber tragen könnte, und die durch ein weitgehend unverschuldetes Ereignis eintreffen. Komasaufen hat damit nichts zu tun. Wer das macht, ist zu 100.0% selbst für die Folgen verantwortlich. Es ist absurd, die Kosten solchen "Vergnügens" "solidarisch" auf die Allgemeinheit abzuwälzen. Antworten
Was demzufolge auch für Skifahren und Tschutten gilt. Bei beidem herrscht erwiesenermassen erhöhte Verletzungsgefahr, beides lässt sich leicht vermeiden - also sind Unfälle zu "100.0%" selbstverschuldet. Wenn schon Eigenverantwortung, dann richtig!
Wenn sich Nichtalkoholiker in der Stadt zum Plausch und als Wettbewerb (ich habe von Jungen gehört, dass ein Wette abgeschlossen wird, wer von der Sanität geholt werden muss...) ins Koma saufen und hohe Kosten generieren, sollten diese Kosten nicht von der Allgemeinheit bezahlt werden. Alternative: Buse in Sozialdienst für die Allgemeinheit wandeln. Die Zeit der Egotrips ist vorbei! Antworten
Und wer sich vorsätzlich dick isst? Oder beschwipst an einem Grümpeli kickt? Die handeln ebenfalls vorsätzlich. Nur noch Vergütung wär einen BMI zwischen 18 und 25 hat, einen 9-5 Job am Computer hat, Kravatte trägt und Sport im Fitnessstudio betreibt.
Wenn aufgrund dieses Vorschlages weniger Komasäufer ins Spital geliefert werden und mehr umkommen, hat das nur Vorteile: Komatrinken wird unsexy - Rettungskräfte werden nicht mehr angegriffen - Volks-IQ steigt - das Gesundheitswesen wird weniger belastet - die Prävention kann man einstellen.
Spätestens wenn jeder einen verstorbenen Komatrinker kennt, hört diese unsägliche Mode von selber auf.
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Wie wär's denn, wenn diese Personen jeweils eine Anzahl Stunden gemeinnützige Arbeit leisten müssten, nach dem Motto, wir bezahlen Deine Rechnung, Du trägst Deinen Anteil an der Gesellschaft? Könnte mir da auch eine Progression wie bei den Autoversicherungen vorstellen. Alternativ oder ergänzend sähe ich auch die Pflicht in so einem Fall eine Anzahl Treffen der Anonymen Alkoholiker beizuwohnen. Antworten
Sehr guter Vorschlag! Die Jungen können die Rechnung eh nicht bezahlen und wieso die Kosten den Eltern aufhalsen, die ja oft schon genug Probleme mit ihrem Nachwuchs haben? Da sollten die Säufer doch irgendwie zum Abarbeiten der Kosten verpflichtet werden; das wäre Erziehung.
Eher sinnvoll. Doch der Gedanke, dass jeder für sich allein alles bezahlen können muss, führt den Gedanken der Versicherung ins Absurde, bzw. schafft diese ab. Am Ende versuchen die "guten Risiken" sich vom Rest abzukapseln, doch nur die Mischung trägt eine Versicherung überhaupt. Gescheiter wären Präventionsarbeit in Schulen, sinnvolle Freizeitangebote, etc.
Da staune nicht nur ich. Fürs Trinken bis zur Bewustlosigkeit ist genügend Geld vorhanden. Für die Transport, Behandlungs und Ausnüchterungskosten sind dann die Krankenkassen, eventuell sogar Unfallkassen sowie die Steuerzahler zuständig. Auch wenn ich die Sichtweise der Suchtfachleute zu verstehen suche, verteidigen Diese ja auch Ihren Brotkorb. Antworten
Das ist schon richtig so. Alkoholkonsum hat wie bis anhin immensen Schaden angerichtet. Vielleicht wird so ein erster Schritt zur Prävention gesetzt. Süchtige stellen hier jedoch ein Problem dar, das könnte man aber ev. damit lösen, dass Alkoholkranke ihre Rechnung nicht bezahlen müssen, soweit sie sich in Alkoholtherapie begeben. Antworten
Als Raucher lebe ich statistisch acht Jahre weniger lang als ein NR. Nun haben sich etliche Studien damit beschäftigt, erwähnt seien z.B. Leu/Schaub (aus historischen Gründen) und Bilthoven. KK-Kosten im europ. Schnitt, vom 20. Lebensjahr bis zum Tod: NR -> 279'000 Euro; Raucher -> 212'000 Euro.
Das sind klare Zahlen. Wird also das Solidaritätsprinzip aufgekündigt, erwarte ich 25% KK-Rabatt.
Skifahrer müssten theoretisch auch eine Zusatzversicherung zahlen, oder irgend einen Zusatz oder zusätzliche Separatversicherung.
Wenn Sie "massiv" rauchen und trinken kommts wahrscheinlicher nicht gut ihrer Gesundheit zu liegen. Was aber nicht unbedingt heisst, dass Sie ihren Kindern nur kurz "auf dem Sack liegen werden". Die einen müssen den Rest noch am Rollstuhl oder Maschinenangeschlossen enden. Was eben kein erfreuliches Bild, noch erfeuliche Kostenbilanz darstellt.
Herr Berger - und weshalb soll dann ich als Nichtskifahrer solidarisch für die Zehntausenden Unfälle mit bezahlen, die sich jeden Winter ereignen? Weshalb für die zahllosen Verletzungen von Hobbytschüttelern? Weshalb muss ich die Langlebigkeit der gesund Lebenden berappen, wo ich selbst doch mit Rauchen und Trinken rücksichtsvoll dafür sorge, unseren Kindern nicht zu lang auf dem Sack zu liegen?
Kifft jemand, obwohl er eigentlich weiss, dass es erwiesenermassen nicht ganz so gesund ist, aber er tut es trotzdem, wie auch beim Nikotin oder beim Alk, so soll er das tun, so breit & lang er will, aber: Konsequenzen bitte selber tragen. Denn dieses Geld, dass ich durch Verteuerung der Krankenkasse zahlen muss, dies spende ich lieber jenen, die es wirklich brauchen. Antworten
Sie liegen falsch, Herr David: Raucher z.B. belasten die KK um 25% weniger als NR - wegen der freiwillig verkürzten Lebenserwatung. Bereits jetzt gehen zwei Drittel der Gesundheitskosten auf die Kappe der langlebigen Nichtraucher und ihrer Altersgebresten. Weshalb soll ich dafür mit bezahlen? DAS ist es, was die KK-Prämien immer steigen lässt: Ihre Langlebigkeit!
Ein typischer Elfenbeinturm-Vorschlag. Unpraktikabel, unnütz und asozial. Ein weiterer Keil zwischen die Gesellschaftsschichten auf dem Weg in Richtung Entsolidarisierung. Es geht hierbei nicht um Gesundheit oder Suchtprävention, sondern um Geiz. Hauptsache die Reichen können alles für sich selber behalten/ausgeben. Sollen die Armen sich ruhig zu Tode saufen, so lange es nix kostet. Antworten
S. Schäfer: Absolut richtig. Fast jede Versicherung (mit Ausnahme KK) haben eine Klausel, wonach 1. selbst zugefügter Schaden nicht versichert ist und der Versicherte eine Schadenminderungspflicht hat, d.h. im Schadenfall dafür Sorge tragen muss, den Schaden nicht grösser werden zu lassen.
Dies hat nichts mit geizig + reich zu tun sondern, damit wenn man sich absichtlich selbst schaden zufügt auch dafür aufkommen sollte. Schliesslich werden viele notwendige Behandlungen auch nicht von der Krankenkasse bezahlt z.B. Brillen, die alljährliche Vorsorgeuntersuchung beim Frauenarzt, zum Teil orthopädische Einlagen und vieles mehr. Dies sind Sachen für die man nichts kann.
Raucher zahlen ihre Krebsbehandlung selbst! Sonnenbader ihre Melanombehandlung, Fastfoodesser ihre Adipositasbehandlung, Drogensüchtige ihren Entzug, Karrieristen ihre Infarktbehandlung, Sportler ihr Ersatz-Kniegelenk, Konzertbesucher ihre Tinitusbehandlung, Hormonverweigerinnen ihre Osteoporosebehandlung, Eltern die Geburt - und eben Kommatrinker die Spitalbehandlung! Welch absurde Idee!! Antworten
Mit dem Alkohol- und Drogenexzess fängt es an, bei Abtreibung will man schon eine Volksinitiative. Sollte diese einmal genehmigt sein dann spricht nichts mehr dagegen, dass bei anderen Exzessen wie zu schnelles Autofahren und gefährliche Sportarten es weiter geht, und die Verursacher sämtliche Kosten übernehmen müssen. Antworten
Eines vorne weg: KomatrinkerInnen und Drogenkonsumenten sind mit Sicherheit nicht zu unterstützen und zu fördern. Dennoch verheisst dieser Vorschlag nichts Gutes, aus mehreren Gründen. Wer meint, dass Trinker und Drögeler deshalb das Trinken und Drögelen sein lassen, ist auf dem Holzweg. Wer noch meint, dass sie die Kosten auch wirklich selbst bezahlen können, noch mehr. Am Schluss zahlt niemand. Antworten
Herr Rietmann, das stimmt nicht ganz. Ich wachte mal nach übermässigem Spacecakekonsum auf der Intensivstation auf und musste nachher die 3000 ! Franken (1 Nacht Intensivstation + Ambulanz) selbst bezahlen. Fazit: Ich habe nie wieder Spacecakes angerührt...könnte also vielleicht doch etwas bringen.
Falsch: am Schluss bezahlen wir dies alles über die Steuern.
Liebe PolitikerInnen, bitte machen sie doch die Augen auf, denn es kann doch nicht sein, dass für die Gesellschaft immer alles, und auch die Lebensrettung immer vom Staate bezahlt werden müssen. Welch eine schändlich Einstellung. Aber eben zur Erinnerung die Integrationspolitik hat ja vermutlich auch aus diesen Gründen versagt. Spricht hier "wulffen" Antworten
Genau Herr Fischer, genau so sollen keine Kosten im Rahmen von Bluthochdruck etc. mehr getragen werden, bei Personen mit einem BMI>25. Die hätten ja ein bisschen weniger Essen können.
"Suchtfachleute halten die Kostenüberwälzung für ungerechtfertigt".. soso, aber es ist gerechtfertigt, dass wir die ausnüchterung für die saufer zahlen indem man jahr für jahr die prämien erhöht. kein wunder, dass da auch die "krankenkassen warnen". in wahrheit wäre es ja nur eine gewinnwarnung. denn im vergleich zu CH-weiten prämienanstieg ist die leistungsanspruch f. solchen unsinn minim f. KK Antworten
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