Leuenberger schreibt SBB variable Billetpreise vor

Aktualisiert am 10.01.2010

Verkehrsminister Moritz Leuenberger greift bei den SBB direkt ein: Laut einem Zeitungsbericht hat er auf den 1. Januar seine «strategischen Ziele» abgeändert. Müssen Pendler bald mehr bezahlen?

Freude am Fahren: Der Verkehrsminister will offenbar höhere Preise in Kauf nehmen (Archivbild).

Freude am Fahren: Der Verkehrsminister will offenbar höhere Preise in Kauf nehmen (Archivbild).
Bild: Keystone

Neu eingefügt wurde laut der Zeitung «Sonntag» folgender Passus in dem Dokument: «Der Bundesrat erwartet, dass die SBB (...) Massnahmen ergreift, insbesondere auch Elemente einer nachfrageorientierten Preisgestaltung zur Optimierung der Erträge und der Auslastung von Rollmaterial und Infrastruktur.» Im Klartext hiesse das: Der Bundesrat verlangt, die Billettpreise von der Tageszeit und von den Pendlerströmen abhängig zu machen. Heute kostet ein Ticket gleich viel – egal, zu welcher Zeit man reist.

Die SBB bestätigten laut der Zeitung, dass sie an einem «neuen Preissystem» arbeiten. «Es werden Gespräche zur nachfrageorientierten Preisgestaltung geführt», zitiert sie Pressesprecher Reto Kormann. Die Federführung liege beim Verband öffentlicher Verkehr (VöV), dem auch andere Verkehrsunternehmen wie Postautos und regionale Betriebe angehören. VöV-Direktor Peter Vollmer sagt, bis jetzt seien die Preise «rein streckenabhängig» gewesen, «jetzt prüfen wir andere Modelle».

Mehrkosten für die Pendler?

Damit kommt laut «Sonntag» ein Reizwort wieder aufs Tapet: der Pendlerzuschlag. Im Herbst 2008 hatte der damalige Chef des SBB-Bereichs Personenverkehr, Paul Blumenthal, Proteste ausgelöst, als er gegenüber der Presse sagte: «Wir müssen Preisdifferenzierungen nach Qualität des Angebots einführen.» Die SBB gaben daraufhin jedoch bekannt, ein Pendlerzuschlag sei nicht geplant; vielmehr solle es Vergünstigungen ausserhalb der Stosszeiten geben.

Doch nun verlangt der Bundesrat laut dem heutigen Zeitungsbericht, dass die SBB noch im Jahr 2010 die Preisdifferenzierung einführen – um «Erträge zu optimieren». Und das sei mit Vergünstigungen ausserhalb der Stosszeiten nicht zu machen. Kommt also doch der Pendlerzuschlag? «Ich würde nicht sagen, dass es in Stosszeiten generell teurer wird», zitiert die Zeitung VöV-Direktor Peter Vollmer. Mehr habe er sich nicht entlocken lassen: «Die Gespräche sind noch am Laufen», heisst es in dem Bericht. (raa)

Erstellt: 10.01.2010, 21:00 Uhr

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