Schweiz
Leuenberger wusste nichts von Béglés Indien-Job
Postminister Moritz Leuenberger verlangt gemäss Recherchen der «SonntagsZeitung» von Post-Präsident Claude Béglé eine Stellungnahme zu den Vorwürfen wegen seines Indien-Mandats. Vergangene Woche war bekannt geworden, wie sich Béglé Anfang 2009 von einem indischen Konzern zu 75 Prozent anstellen liess – obwohl bereits das Präsidentenmandat der Post mit 50 Prozent zu Buche schlägt. Wie der indische CEO der «SonntagsZeitung» am Telefon sagte, hatte Béglé mündlich gar ein Pensum von 80?Prozent zugesichert. Zudem wollte er sich einen Teil seines Lohns steuerfrei in Dubai auszahlen lassen. Béglé bezog laut dem CEO rund 500'000 Dollar, ehe sich die Firma letzten Sommer nach einem Eklat vom Schweizer trennte. Wie ein Sprecher von Leuenberger am Freitagabend einräumte, war seinem Departement (Uvek) nur bekannt gewesen, dass Béglé einen Nebenjob bei der indischen Firma hatte – aber nicht der Anstellungsgrad und die Lohnmodalitäten.
«Über die Details der Nebentätigkeiten hat Herr Béglé das Uvek nicht informiert», sagt der Sprecher. Die neuen Vorwürfe und Béglés Stellungnahme sollen laut dem Uvek-Sprecher einbezogen werden, wenn der Bundesrat im Frühling entscheidet, wie der Post-Verwaltungsrat künftig zusammengesetzt sein wird. Mit der Wahrheit scheint es Béglé auch in anderen Fällen nicht immer genau zu nehmen. So hatte er gesagt, er habe als Nestlé-Mann einst mit dem früheren tschechischen Präsidenten Vaclav Havel verhandelt. Dieser jedoch lässt auf Anfrage ausrichten, er könne sich nicht an so etwas erinnern.
«Claude Béglé ist verlogen»
Nach dem Auftritt von Post-Präsident Claude Béglé im «Club» des Schweizer Fernsehens mag sein Vorgänger Anton Menth nicht mehr länger schweigen: «Herr Béglé ist verlogen. Er sagt heute dies – und streitet morgen alles ab», sagt Menth in der Zeitung «Sonntag». In der TV-Sendung dementierte Béglé heftig, dass er ursprünglich ein Doppelmandat bei der Post angestrebt habe: «Ich kann versprechen, das war nie der Fall. Das war nie der Fall.»
Menth sagt nun, damit sei Béglé «nicht ehrlich»: «Er hatte am Anfang die Idee, PDG zu werden.» PDG bezeichnet in Frankreich den Verwaltungsratspräsidenten, der zugleich Geschäftsleiter ist. Menth sass im Herbst 2008 im Personalausschuss, der die Nachfolge für Postchef Ulrich Gygi plante. «Im Ausschuss machte ich Herrn Béglé darauf aufmerksam, dass er als Verwaltungsratspräsident zurücktreten müsse, wenn er CEO werden wolle. Erst dann erklärte er, dass er einzig Verwaltungsratspräsident sein wolle.» Béglé versucht nun, die Reihen im Verwaltungsrat zu schliessen. Vorgestern Freitag lud er seine VR-Kollegen zu einer ausserordentlichen Sitzung. Sie diente wohl zur Aussprache und Aussöhnung. Die zwei neuen Stellvertreter von Konzernleiter Jürg Bucher waren schon vor der Sitzung auf dem Zirkularweg ernannt worden.
Rücktrittsforderungen
Für Béglé wird die Luft dünner. «Herr Béglé soll zurücktreten», fordert SVP-Nationalrat Ulrich Giezendanner im «SonntagsBlick»: «Jetzt müssen schnell neue Verwaltungsräte ran.» Christoffel Brändli, Präsident der Verkehrskommission des Ständerates, sagt, die Erneuerungswahlen im Post-Verwaltungsrat dürften nicht ohne personelle Konsequenzen über die Bühne gehen. Parlamentarier von links bis rechts fordern Aufklärung – und Konsequenzen: «Das Personal der Post und die Steuerzahler haben ein Anrecht, dass eine integere Persönlichkeit an der Spitze steht», sagt Fritz Gurtner, Post-Verwantwortlicher bei der Gewerkschaft Kommunikation. (vin)
Erstellt: 26.08.2010, 10:32 Uhr
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Familie, Beruf und Studium
Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.




