Schweiz

Leuthard: «Der Alpenschutz wird gewahrt»

Von Raphaela Birrer. Aktualisiert am 28.02.2016 158 Kommentare

Nur zwei Kantone lehnen eine zweite Gotthardröhre ab. 57 Prozent der Stimmberechtigten wollen den neuen Tunnel. baz.ch/Newsnet berichtete live.

(baz.ch/Newsnet)

  • Zusammenfassung  

    Durch den Gotthard kann ein zweiter Strassentunnel gebohrt werden. Das Stimmvolk hat mit einem Ja-Anteil von rund 57 Prozent zugestimmt, einen Tunnel zu erstellen, durch den der Verkehr rollen kann, wenn die bestehende Röhre gesperrt und saniert wird. Rund 1'883'700 Ja-Stimmen und rund 1'420'500 Nein-Stimmen wurden am Wochenende eingelegt. Ausser Genf und Waadt sagten alle Kantone Ja. In diesen beiden Westschweizer Kantonen lagen die Nein-Stimmen-Anteile bei je rund 55 Prozent.

    Die höchsten Ja-Anteile – je rund 68 Prozent – kamen aus den Kantonen Aargau und Schwyz. Mit über 60 Prozent stimmten auch Luzern, Graubünden, Basel-Landschaft, Solothurn, Ob- und Nidwalden sowie Zug dem Bau des zweiten Tunnels zu.

    Im Gotthard-Kanton Uri lag der Ja-Anteil bei vergleichsweise tiefen 53 Prozent. Der Kanton war gespalten: Eine Mehrheit des Kantonsparlaments hatte die zweite Röhre befürwortet. Der Regierungsrat dagegen hatte sie abgelehnt und auf das Nein der Urner Volksabstimmung von 2011 verwiesen.

    Der ebenfalls gespaltene Kanton Tessin stimmte mit 57,8 Prozent Ja zu. Die Ja-Anteile variierten von Gemeinde zu Gemeinde stark. Airolo am Südportal des Tunnels sagte mit rund 76 Prozent der Stimmen Ja. Rund ein Dutzend Gemeinden stimmten Nein, darunter Chiasso, Stabio und Mendrisio.

  • Alpenschutz  

    Leuthard betont zudem, dass der Alpenschutz in der Verfassung gewahrt bleibe. Und dass der Bundesrat die Verlagerungspolitik konsequent fortführen werde. Bereits heute würden 68 Prozent des alpenquerenden Transitverkehrs über die Bahn abgewickelt.

  • Doris Leuthard zum Abstimmungs- resulat  

    An der Pressekonferenz der Bundesräte dankt die zuständige Verkehrsministerin Doris Leuthard dem Stimmvolk für die Unterstützung. Die Mehrheit sei keine Selbstverständlichkeit, da Strassenbauvorlagen üblicherweise nicht vors Volk kämen und weil das Ja fast aller Kantone auch eine Solidarität nicht betroffener Regionen bedeute.

    Wie geht es nun weiter? Leuthard betont, dass nun lediglich die gesetzliche Grundlage für den Bau einer zweiten Röhre bestehe. Eine Kapazitätserweiterung sei verboten. Detailliert erläutert Leuthard den zeitlichen Fahrplan: Mit dem Bau könne etwa ab 2020 begonnen werden, sofern nur wenige Einsprachen bestünden. Die Bauarbeiten nähmen etwa sieben Jahre in Anspruch, so dass der Betrieb ca. ab 2027 aufgenommen werden könne. Danach werde der alte Tunnel saniert. Ab 2030 verüge die Schweiz schliesslich über zwei «moderne, sichere Tunnels» am Gotthard.

  • Eine Grüne sieht auch Positives  

    Das Volks-Ja zur zweiten Gotthardröhre ist auch eine schwere Niederlage für die Grüne Partei. Diese beklagt nun, die Schweiz opfere nebst Milliardenbeträgen auch den Alpenschutzartikel. Doch nicht alle Grünen sehen im Verdikt des Souverän nur Negatives, so etwa Gabi Petri, Zürcher Kantonsrätin und Geschäftsführerin der Zürcher Sektion des Verkehrs-Clubs der Schweiz (VCS). Zwar hält sie es für „«bedauerlich, dass der Alpenwelt nicht mehr Schutz vor der Transitlawine gewährt wurde. Aber die am Gotthard verlochten Milliarden würden im Strassenbau im Raum Zürich einen noch viel grösseren Schaden anrichten», zeigt sie sich überzeugt. (sth)

  • Reaktion der deutschen Lastwagenfahrer  

    Die deutschen Lastwagenfahrer freuen sich auf die zweite Röhre. Der Bundesverband Güterkraftverkehr, Logistik und Entsorgung hält das Bauprojekt aus volkswirtschaftlichen Gründen für alternativlos. Nach wie vor sei der Gotthardtunnel eine der wichtigsten Nord-Süd-Verbindungen in Europa, auf die weder die Schweizer noch die europäische Wirtschaft für den vorgesehenen langen Sanierungszeitraum von drei Jahren verzichten könne. Der vorgesehene einspurige Betrieb der Tunnelröhren erhöht nach Ansicht des Verbands die Verkehrssicherheit deutlich. Dass dereinst vier Spuren in Betrieb gehen werden, hält der Verband für eine «Fiktion». «Wir sehen weder ein neu entstehendes Druckmittel in den Händen der EU noch überhaupt ein Bestreben der EU, Druck auf die Schweiz auszuüben.» Ähnlich äussert sich der internationale Dachverband Strassengüterverkehr IRU (International Road Transport Union) mit Sitz in Genf. Die Europäischen Institutionen, einschliesslich der Europäischen Kommission und dem Europäischen Parlament, würden die Schweizer Verkehrspolitik sehr oft als Musterbeispiel für eine gelungene Verkehrspolitik mit Verlagerung nennen, teilt der Verband auf Anfrage mit. «Aus unserer Sicht vielleicht zu oft.» Die EU werde daher wohl eher keinen Druck auf die Schweiz ausüben. (sth)

  • Elefantenrunde  

    In der Elefantenrunde des Schweizer Fernsehens betont CVP-Präsident Christophe Darbellay, dass seine Partei nahezu geschlossen hinter der Vorlage von CVP-Bundesrätin Doris Leuthard gestanden sei. Es habe nur einzelne Abweichler gegeben. Und: «Unter Leuthards Vorgänger Moritz Leuenberger wäre eine zweite Röhre nicht möglich gewesen.» Der Erfolg der Vorlage sei auch ein Verdienst Leuthards. SP-Präsident Christian Levrat wiederum fordert von der Verkehrsministerin, die Verlagerung des Schwerverkehrs von der Strasse auf die Schiene sicherzustellen. FDP-Präsident Philipp Müller legt den Fokus auf das Tessin. Er freut sich, dass der Südkanton nicht von der Restschweiz abgeschnitten werde. Auch SVP-Präsident Toni Brunner wertet das Verdikt als Votum für den inneren Zusammenhalt des Landes. Sollte dereinst beschlossen werden, dass trotzdem vier Spuren für den Betrieb geöffnet werden sollen, dann wäre dies ohne neuerliche Abstimmung gar nicht möglich, so Brunner.

  • Kehrtwende in Uri  

    Zu einer Kehrtwende ist es im Kanton Uri gekommen. Das Urner Stimmvolk hatte sich in der Vergangenheit wiederholt gegen den Bau einer zweiten Röhre ausgesprochen, zuletzt 2011 in einer Art Konsultativabstimmung mit 57 Prozent. Nun jedoch haben 53 Prozent dafür gestimmt, dies bei einer Stimmbeteiligung von 73 Prozent. Über dieses Ergebnis zeigt sich der abtretende Urner Baudirektor Markus Züst (SP) gegenüber baz.ch/Newsnet überrascht. Landesweit habe er mit einem Ja zur zweiten Röhre gerechnet, nicht aber in Uri, wo er ein knappes Nein erwartet habe. Die Urner Regierung, eine erklärte Gegnerin der zweiten Röhre, wird das Volksverdikt akzeptieren, wie Züst versichert. Sollte der Bund für den Tunnelbau Land benötigen, das dem Kanton gehört, werde man mit dem Bund kooperieren, so Züst.

    Den Ausschlag für das Urner Ja haben nach Züsts Einschätzung drei Gründe gegeben: der in Aussicht gestellte Gewinn an Verkehrssicherheit, die Angst vor einem Landverschleiss beim Bau von Verladestationen im Urner Unterland sowie, damit verknüpft, die Angst vor einem Verkehrschaos. Züst ortet aber auch übergeordnete Motive: «Der Alpenschutz hat nicht mehr denselben Stellenwert wie vor 20 Jahren», sagt er und spricht von einem Umschwung in der Verkehrspolitik. Die Urner Regierung werde nun darauf achtgeben, dass die Befürworter der zweiten Röhre ihre Versprechen einhalten würden: keine Erweiterung der Verkehrskapazität, dafür eine konsequente Verlagerung des Güterverkehrs. (sth)

  • Reaktionen der Gegner und Befürworter  

    «Wir werden das Tessin nun wie einen Schweizer Kanton behandeln», freut sich Befürworter Ulrich Giezendanner im Schweizer Fernsehen. Der Aargauer SVP-Nationalrat betont, dass trotz der Zustimmung zur zweiten Röhre die Verlagerungspolitik weiter getrieben werde. Der Zürcher SP-Nationalrat Thomas Hardegger wiederum räumt ein, dass die Kampagne der Befürworter «sehr gut» gewesen sei. Er befürchtet aber, dass der Verkehr überall in der Schweiz stark zunehmen werde, namentlich in den Städten. Doch die intensive Diskussion um die Durchsetzungsinitiative habe dazu geführt, dass die Argumente der Gegner nicht ausreichend gehört worden seien.

    Dass die Zustimmung in seinem Kanton im Vergleich nicht hoch ausgefallen ist, führt der Tessiner CVP-Ständerat Filippo Lombardi auf die Situation im Südtessin zurück. Nicht wegen des Gotthards, sondern wegen der Grenzgänger, deren Zahl sich in den letzten 15 Jahren verdoppelt hat, habe der Verkehr in diesem Kantonsteil stark zugenommen.

  • Das sagt der Tessiner Regierungschef  

    Die Sicherheit und der nationale Zusammenhalt sind für den Tessiner Regierungspräsidenten Norman Gobbi (Lega) entscheidend für das positive Votum zum Gotthard. Er stellte in Aussicht, die Mobilität in den Südtessiner «Nein-Gemeinden» zu verbessern. Positiv zu bewerten sei ausserdem, dass auch der Kanton Uri nördlich des Gotthards für die zweite Röhre gestimmt habe, sagte Gobbi.

    Schweizweit habe die Bevölkerung davon überzeugt werden können, dass das Sanierungsprojekt ohne eine Kapazitätserhöhung am Gotthard vollzogen wird – dies sei entscheidend für das positive Abstimmungsergebnis gewesen, sagte er. In den kommenden Monaten müsse auch der Austausch mit den Südtessiner Gemeinden gesucht werden, die heute Nein stimmten. Vor allem die durch Grenzgänger verursachten Verkehrsprobleme haben laut Gobbi in dieser Region dazu geführt, dass die zweite Röhre abgelehnt wurde. Durch neue Mobilitätskonzepte wolle man nun die Situation verbessern und so einen langsamen Gesinnungswandel einleiten, sagte Gobbi.

    Die Tessiner Kantonsregierung hatte sich bereits im November 2015 für die zweite Gotthardröhre ausgesprochen – einzig SP-Staatsrat Manuele Bertoli blieb dem Medienanlass damals fern. (sda)

  • Stationen des Streits um die zweite Röhre  

    Vor gut fünf Jahren hat der Bundesrat die Debatte über die Sanierung des Gotthard-Strassentunnels lanciert. Ein Rückblick über die wechselvolle Entwicklung des Vorhabens:

    4. Dezember 2009: Der Ständerat verlangt auf eine Tessiner Standesinitiative hin vom Bundesrat ein Konzept für die Sanierung des Alpendurchgangs und den allfälligen Bau einer zweiten Röhre.

    17. Dezember 2010: Der Bundesrat zeigt in seinem Bericht auf, dass der Tunnel bis 2025 zwingend erneuert werden muss. Eine zweite Röhre hält er nicht für nötig. Vielmehr wäre es seiner Ansicht nach optimal, den Tunnel während zweieinhalb Jahren voll zu sperren und Autos und Lastwagen auf die Bahn zu verladen.

    15. Mai 2011: Das Stimmvolk des Kantons Uri spricht sich zum wiederholten Mal gegen den Bau einer zweiten Röhre aus.

    27. Juni 2012: Der Bundesrat will für die Sanierung des Gotthard-Strassentunnels nun doch eine zweite Röhre bauen. Damit das im Alpenschutzartikel enthaltene Ausbauverbot nicht durchlöchert wird, soll der einspurige Betrieb der beiden Röhren in einem Gesetz festgeschrieben werden.

    19. Dezember 2012: Der Bundesrat schickt die Gotthard-Vorlage in die Vernehmlassung. Er schlägt darin eine referendumsfähige Änderung des Bundesgesetzes über den Transitverkehr im Alpengebiet (STVG) mit einer Beschränkung auf eine Fahrspur pro Richtung vor.

    18. April 2013: Die Gegner einer zweiten Tunnelröhre machen mobil: Zusammen mit 30 Organisationen sammelt die Alpen-Initiative über 68'000 Unterschriften für eine Petition gegen die Pläne des Bundesrates.

    13. September 2013: Trotz Skepsis in der Vernehmlassung bleibt der Bundesrat in seiner Botschaft ans Parlament dabei: Er will einen zweiten Strassentunnel durch den Gotthard bauen, aber in jede Fahrtrichtung nur eine Spur öffnen.

    24. September 2014: Das Parlament stimmt den Vorschlägen des Bundesrates zu.

    7. Oktober 2014: Gegen den Bau einer zweiten Röhre am Gotthard wird das Referendum ergriffen. Innert Kürze werden 127'273 Unterschriften gesammelt. Am 19. Februar 2015 kommt das Referendum mit 75'872 beglaubigten Unterschriften formell zustande.

    11. November 2015: Ging der Bund bisher davon aus, dass auch beim Bau einer zweiten Röhre eine 140-tägige Totalsperre nötig würde, kommt ein neues Gutachten zu einem anderen Schluss. Der bestehende Tunnel ist demnach in einem besseren Zustand als geglaubt, sodass Überbrückungsbauten in den üblichen Sperrnächten erledigt werden könnten.

    28. Februar 2016: Das Volk sagt Ja zu einem zweiten Gotthard-Strassentunnel. (sda)

  • Kommentar  

    Zum sich abzeichnenden Ja zur zweiten Gotthardröhre sagt TA-Bundeshauschef Fabian Renz: «Der heutige Entscheid des Stimmvolks stellt für die Schweizer Verkehrspolitik eine Zäsur dar.» Das Verdikt sei «eine grosse Hypothek für unsere Nachkommen». Lesen Sie hier den Kommentar.

  • Das Bild in den Kantonen  

    Das Ergebnis ist eindeutig: Alle bislang ausgezählten 20 Kantone sprechen sich für die zweite Röhre am Gotthard aus. Im Aargau sowie in Schwyz ist das Verdikt mit einem Ja-Stimmenanteil von rund 68 Prozent am deutlichsten.

  • Lombardi: «Solidarisch gegenüber den Tessinern»  

    Sicherheit und Solidarität: Diese beiden Argumente haben laut den Befürwortern den Ausschlag für eine zweite Gotthardröhre gegeben. «Die Schweizer haben verstanden, dass eine Sanierung des Tunnels notwendig war», sagte FDP-Nationalrat Thierry Burkart. Der TCS-Vizepräsident verweist auch darauf, dass zum Bau einer zweiten Röhre keine Alternative bestanden habe.

    Erfreut zeigte sich auch der Tessiner CVP-Ständerat Filippo Lombardi. Das Stimmvolk habe sich gegenüber den Tessinern solidarisch gezeigt. Andernfalls wären die Bewohner seines Kantons drei Jahre isoliert gewesen. Die hohe Stimmbeteiligung erhöhe die Glaubwürdigkeit dieses Entscheides zusätzlich.

    Die Befürworter werten die Zustimmung auch als Ja zu mehr Sicherheit im Strassenverkehr, wie das überparteiliche Komitee «Gotthard Tunnel sicher Ja» in einer Mitteilung schreibt. Nach der Sanierung könne der Verkehr ohne gefährlichen Gegenverkehr geführt werden. (sda)

  • Erleichterung in Airolo  

    Grosses Aufatmen am Südportal des Gotthard-Strassentunnels: Für den Gemeindepräsidenten von Airolo TI waren vor allem die Themen Sicherheit und nationaler Zusammenhalt entscheidend für das Resultat. Rund 76 Prozent der Stimmberechtigten in seiner Gemeinde stimmten Ja.

    Vor allem die Betriebe der Gemeinde seien im Vorfeld der Abstimmung sehr besorgt gewesen, sagte der Sindaco Airolos, Franco Pedrini (CVP). Sie fürchteten vor allem die Aussicht, auf dem Strassenweg über Jahre vom Rest der Schweiz abgeschnitten zu sein.

    In Airolo stimmten rekordverdächtige 76,4 Prozent für die zweite Röhre – in den übrigen Gemeinden in der Leventina waren ähnlich hohe Werte zu verzeichnen. Ablehnung gab es dagegen in den Südtessiner Gemeinden: Am deutlichsten fiel das Votum in Castel San Pietro aus, wo rund 54 Prozent der Bevölkerung mit Nein stimmten. (sda)

  • Die Sorgen der Gegner  

    Für die bürgerlichen Gegner einer zweiten Gotthardröhre ist klar: Nach dem heutigen Ja werden andere Strassenprojekte finanziell unter Druck geraten. «Wichtige Projekte in den Agglomerationen werden auf die lange Bank geschoben», sagte CVP-Ständerat Konrad Graber.

    In der Abstimmungsdebatte sei viel zu wenig über die finanziellen Aspekte gesprochen worden. «Das teure Ende wird aber noch kommen», prophezeit Graber. Unter Druck sieht der Luzerner Politiker insbesondere Strassenprojekte in den Agglomerationen. Die grosse Frage werde sein, wie das finanzierbar sei.

    Sorgen macht sich auch Isabelle Chevalley, Waadtländer Nationalrätin der Grünliberalen: «Wie können drei Milliarden für den neuen Tunnel ausgegeben werden, ohne Strassenprojekte in der Westschweiz zu bestrafen?» (sda)

  • Definitive Ergebnisse  

    GL: 60 Prozent Ja, AR: 54 Prozent Ja, UR: 53 Prozent Ja, GR: 60 Prozent Ja, OW: 65 Prozent Ja, NW: 63 Prozent Ja, BL: 61 Prozent Ja, AG: 68 Prozent Ja, ZG: 63 Prozent Ja, SO: 65 Prozent Ja, AI: 54 Prozent Ja, VS: 57 Prozent Ja, JU: 50 Prozent Ja, BS: 52 Prozent Ja, SZ: 68 Prozent Ja, SG: 56 Prozent Ja, LU: 61 Prozent Ja, SH: 53 Prozent Ja, NE: 51 Prozent Ja, TG: 57 Prozent Ja, TI: 58 Prozent Ja, ZH: 56 Prozent Ja, GE: 55 Prozent Nein, BE: 58 Prozent Ja, VD: 58 Prozent Nein.

    Damit lehnen mit Genf und Waadt nur zwei Kantone die Vorlage ab.

  • Die Forderungen der Gegner  

    Nach dem zu erwarteten Ja zu einer zweiten Gotthardröhre nehmen die Gegner die Politiker in die Pflicht. «Sie müssen nun zu ihren Versprechungen stehen, dass es wirklich nur um eine Tunnelsanierung und keinen Kapazitätsausbau geht», sagt Jon Pult, Präsident der Alpen-Initiative. Auch Verkehrsministerin Doris Leuthard müsste beim Wort genommen werden.

    Sie müsste zeigen, dass ein zweiter Gotthardtunnel in Zukunft nicht mehr Verkehr zur Folge habe. «Unsere Aufgabe wird es sein, im Rahmen der NEAT die Verlagerung von Gütern von der Strasse auf die Schiene weiter voranzutreiben.»

    Was letztlich den Ausschlag gab, müssen laut Pult Analysen in den nächsten Wochen zeigen. Klar sei aber, dass das Stimmvolk von einer Sanierungsvorlage ausgegangen sei und nicht mehr Verkehr am Gotthard wünsche. (sda)

  • Deutschschweiz für den zweiten Tunnel  

    «Höchstwahrscheinlich werden alle Deutschschweizer Kantone Ja zum zweiten Gotthardtunnel sagen», prognostiziert Longchamp im SRF. Dies, obwohl sie teilweise eigene Strassenbauprojekte in den Agglomerationen haben, die den täglichen Stau reduzieren sollen.

    Sehen Sie in dieser Visualisierung, wo die gravierendsten Verkehrsprobleme auf den Schweizer Strassen liegen.

  • Die Verdikte der direkt betroffenen Kantone  

    Im Kanton Uri zeichnet sich nach Auszählung von 11 der 20 Gemeinden ein Ja für den zweiten Gotthard-Strassentunnel ab. Noch fehlen die Resultate der grossen Gemeinden. Die Stimmbeteiligung liegt bei über 72 Prozent.

    Auch im Tessin sind rund 60 Prozent für den zweiten Tunnel.

  • Resultate aus weiteren Kantonen  

    AG: Die Aargauer Stimmberechtigten heissen die Sanierung des Gotthard-Strassentunnels gemäss Zwischenergebnis mit 68 Prozent Ja-Stimmen gut.

    NW: Nach Auszählung von sechs der elf Nidwaldner Gemeinden zeichnet sich ein Ja zur Gotthardtunnel-Vorlage ab.

    SO: Auf Kurs ist der Bau einer zweiten Tunnelröhre auch im Kanton Solothurn Der Ja-Stimmenanteil beträgt 68,41 Prozent.

    BL: Deutlich ist das Resultat auch in Baselland: Dort ist ein deutliches Ja zu erwarten. Derzeit liegt der Ja-Stimmenanteil bei knapp 63 Prozent.



  • Erste nationale Hochrechnung 13 Uhr  

    Gemäss der ersten nationalen SRG-Hochrechnung sind 57 Prozent für eine zweite Röhre am Gotthard. In den verschiedenen Sprachregionen dürfte die Vorlage indes unterschiedlich beurteilt werden, sagte Politologe Longchamp im Schweizer Fernsehen SRF. Die zentralen Argumente Sicherheit und «Tessin nicht abkoppeln» hätten gezogen.


  • Reaktion der bürgerlichen Gegner  

    Die Gegner der zweiten Gotthardröhre sind nach der ersten nationalen Trendrechnung ernüchtert. «Im Moment sieht es leider nicht gut aus», sagt der Berner GLP-Nationalrat Jürg Grossen im Gespräch mit SRF. Das Sicherheitsargument der Befürworter habe sich als erfolgreich erwiesen. Und für die Gegner sei es neben der dominierenden Debatte zur Durchsetzungsinitiative schwierig gewesen, auf die Mängel der Vorlage hinzuweisen – etwa, dass später eine Öffnung des Tunnels auf einen vierspurigen Betrieb gefordert werden könnte.

  • Resultate in der Romandie  

    Beim zweiten Gotthard-Tunnel fallen die Resultate in den Westschweizer Kantonen unterschiedlich aus: Bisher legten 54,3 Prozent der Genfer Stimmberechtigten ein Nein ein. Noch ist keines keines der 67 Genfer Wahlbüros vollständig ausgezählt. Dennoch sind bereits 95 Prozent der abgegebenen Stimmen in den Zwischenresultaten mit eingerechnet. Die Waadt sagt gemäss den Zwischenresultaten hauchdünn mit 50,41 Prozent Ja zum zweiten Gotthard-Tunnel. Im Wallis liegen die Resultate von 83 der 135 Gemeinden vor. Der zweite Gotthard-Tunnel wird demnach mit einer Ja-Mehrheit von über 56 Prozent angenommen. (sda)

  • Die Freude der Befürworter  

    Nach der ersten Trendrechnung frohlocken die Befürworter bereits:


  • Erste Trendrechnung 12.30 Uhr  

    Gemäss Politologe Claude Longchamp von GFS Bern sagen 55 Prozent des Stimmvolks Ja zur zweiten Gotthardröhre. Das zeigt die erste nationale Trendrechnung.

  • Knappe Zustimmung in Basel-Stadt  

    In Basel-Stadt zeichnet sich gemäss erstem Zwischenresultat überraschend eine knappe Zustimmung zur zweiten Gotthard-Röhre ab: 51,6 Prozent sagen Ja. (sda)

  • Graubünden sagt deutlich Ja  

    Nach Auszählung von 91 der 114 Gemeinden in Graubünden steht fest: Der Kanton, der bei der Gotthard-Sanierung ohne zweite Röhre von Ausweichverkehr betroffen wäre, sagt mit 60,3 Prozent deutlich Ja zur Vorlage.

  • Erste Hochrechnung Zürich  

    Bereits liegt eine erste Hochrechnung aus dem Kanton Zürich vor: Dort zeichnet sich ein Ja für eine zweite Gotthardröhre ab. Diese dürfte mit gegen 57 Prozent angenommen werden. (sda)

  • Die Rolle der Verkehrsministerin  

    Im Abstimmungskampf gab das Engagement von CVP-Bundesrätin Doris Leuthard zu reden. Die Verkehrsministerin setzte sich von allen Regierungsmitgliedern am vehementesten für «ihre» Abstimmungsvorlage vom 28. Februar ein. Gerade weil selbst ihr eigenes Lager nicht geschlossen hinter der zweiten Röhre stand, setzte sie auf Medien- und Podienpräsenz. Lesen Sie hier mehr, wie das bei den Gegnern der Vorlage ankam.

  • Die Gotthard-Debatte  

    Zwar wurde im Abstimmungskampf auch über die zweite Gotthardröhre intensiv diskutiert, aber die Debatte stand im Schatten der Durchsetzungsinitiative. Dabei ginge es gemäss Befürwortern und Gegnern auch bei dieser Vorlage um viel: Erstere befürchten, dass bei einem Nein das Tessin während der Sanierung von der Restschweiz abgeschnitten würde. Und die Gegner sind um den Alpenschutz besorgt. Sie glauben der zuständigen Verkehrsministerin Doris Leuthard nicht, dass dereinst nur zwei Fahrspuren genutzt werden, wenn vier zur Verfügung stehen.

  • Ausgangslage  

    Der 1980 eröffnete Strassentunnel am Gotthard soll saniert werden. Um den Verkehrsfluss zwischen Nord und Süd auch während der Sanierungszeit voll zu gewährleisten, möchten Bundesrat und Parlament vorgängig eine zweite Röhre bauen. Ist die alte Röhre erst renoviert, soll in beiden Tunneln noch je eine Spur zur Befahrung freigegeben werden; die zwei verbleibenden würden zu Pannenstreifen umfunktioniert.

    Treibende Kraft hinter der Vorlage ist Verkehrsministerin Doris Leuthard (CVP), unterstützt wird sie von den bürgerlichen Parteien und den Wirtschaftsverbänden – der Gewerbeverband hat den Lead in der Abstimmungskampagne. Die zweite Röhre verbessere die Sicherheit der Autofahrer, argumentieren sie. Und es gelte zu verhindern, dass das Tessin während der Sanierungsjahre von der Restschweiz abgeschnitten würde.

    Der Widerstand geht primär vom Verein Alpeninitiative und seinen Alliierten aus. Sie sehen den Verfassungsartikel zum Alpenschutz verletzt. Dieser will den Schwerverkehr auf die Schiene verlagern und verbietet die Erweiterung der Transportkapazität auf der Gotthardautobahn. Die Gegner sind überzeugt, dass über kurz oder lang alle vier Spuren geöffnet würden – mit entsprechender Magnetwirkung für den Strassenverkehr. (fre)

Erstellt: 28.02.2016, 09:55 Uhr

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158 Kommentare

Sacha Meier

28.02.2016, 14:32 Uhr
Melden 152 Empfehlung 22

Was sind wir doch für ein seltsames Völklein. Da bauen wir für über CHF 19 Mia. mit der NEAT eine rollende Autobahn mit riesigen Verladestationen, die in rund drei Monaten eröffnet wird - um eben mehr Kapazitäten zu schaffen und die Alpen vor Feinstaub und NOx zu schützen - und unsere Bau-Lobbykative schafft es mit dem Doppelrohr-Sanierungs-Trickli, dem Volk den Kopf zu verdrehen. Das, obwohl das die aufwändigste Variante ist, bei der der Bürger 20 Jahre lang zahlt - aber nichts bekommt. Bleibt wenigstens zu hoffen, dass der alte SBB-Gotthardtunnel dann als Velo-Highway hergerichtet werden wird. Antworten


Rudolf Ballmer

28.02.2016, 13:24 Uhr
Melden 111 Empfehlung 15

Meiner Meinung nach eine falsche Belohnung der Salamitaktik der Anti-Alpenschützer. Aber das ist Demokratie. Nun noch ein Wunsch: Leuthard, Steinegger, Giezendanger sollten ihr Versprechen mit ihrem Bild an den Eingang der Tunnelröhre in den Gotthardgranit meisseln lassen: "Wir haben dem Volk anno 2016 versprochen, dass die Röhren nur einspurig befahren werden". So wird die nächste Generation sich in 30 Jahren wenigstens daran erinnern, wer sein Versprechen gebrochen hat. Antworten