Schweiz
Levrat und die starken Männer
Von Matthias Chapman. Aktualisiert am 26.07.2010
Wird die Frauen-Wahl doch noch zur Zitterpartie?
Noch ist unklar, wie die SP zur Nachfolge-Wahl für Moritz Leuenberger antritt. Ob mit einer Einer- oder einer Zweierkandidatur. Der Berner Politologe Hans Hirter geht davon aus, dass es eine Zweier-Kandidatur sein wird. «Das hat sich in letzter Zeit so eingespielt.» Bringt die Partei also eine Frau und einen Mann? Nein, meint Hirter. Die SP werde mit zwei Frauen antreten. Und Kritik daran würden nur Aussenseiter äussern. Bei der SVP hört man allerdings jetzt schon kritische Töne. «Ich wundere ich mich, dass es offenbar plötzlich keine Männer mehr sein dürfen», sagte SVP-Präsident Toni Brunner jüngst zu baz.ch/Newsnet. Und Nationalrat Christoph Mörgeli sagte, bei ihm hätten sich Frauen mit der Bitte gemeldet, seine Partei solle doch fünf Frauen im Bundesrat verhindern. Ob die SP-Frauenwahl einfach durchgewunken wird, hängt auch noch stark davon ab, ob auch der Sitz von Bundesrat Hans-Rudolf Merz frei wird. Wählt das Parlament nämlich schon im Herbst die St. Galler Regierungsrätin Karin Keller-Sutter in den Bundesrat, dürfte es für die SP-Frauen nochmals eng werden. Wer weiss, vielleicht kommen dann die SP-Männer Urs Hofmann, Werner Marti oder Markus Notter doch noch ins Rennen.
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Die SP-Kantonalparteien sind angehalten, zuhanden der SP Schweiz Kandidaturen für die Nachfolgewahl des zurücktretenden Bundesrats Moritz Leuenberger vorzuschlagen. Einzige Bedingung der SP-Spitze unter Christian Levrat: Der Kandidat oder die Kandidatin muss aus der Deutschschweiz kommen. «Es können Frauen oder Männer sein, das Geschlecht spielt keine Rolle», liess SP-Fraktionschefin Ursula Wyss verlauten. Tatsächlich?
Seit Leuenbergers Rücktrittsankündigung spricht doch jeder nur von Favoritinnen. Weil die Kandidatinnen ausgesprochen gut sind, heisst es. Und weil eben die SP den Wechsel machen möchte. Aus der Deutschschweiz soll künftig eine SP-Frau in Bern regieren, dafür könnte dann später beim Rücktritt von Bundesrätin Micheline Calmy-Rey ein Westschweizer Mann zum Zug kommen.
Ein Nein kann auch revidiert werden
Ob diese Wunschvorstellung der Sozialdemokraten in Erfüllung geht, steht noch in den Sternen. «Es ist nicht auszuschliessen, dass am Schluss doch ein Mann das Rennen macht», meint der Berner Politologe Hans Hirter auf Anfrage von baz.ch/Newsnet. Zwar haben einige prominente SP-Politiker schon öffentlich verlauten lassen, dass sie nicht zur Verfügung stünden. In Stein gemeisselt ist aber auch das nicht. Ganz nach dem Motto: Wer zu früh ins Rennen steigt, hat schon verloren.
Immer wieder genannt wird der Aargauer Regierungsrat Urs Hofmann. Er politisierte zehn Jahre lang im Nationalrat und ist seit April 2009 Volkswirtschaftsdirektor. Sein Plus: Mit 53 Jahren ist er noch jung, trotzdem hat er Erfahrung in der nationalen Politik sowie in einem Exekutivamt gesammelt. Politologe Hirter nennt aber einen Makel: Hofmann sei schweizweit wenig bekannt und wäre damit nicht die beste Wahlkampflokomotive für die SP.
Mächtiger Rechsteiner
Schweizweit bekannt ist dafür der abtretende Zürcher Regierungsrat Markus Notter. Zwar hat der Justizdirektor bereits abgewunken. Sollte ihm die Partei aber den roten Teppich auslegen, müsste er seinen Entscheid nochmals überdenken. Klar ist, dass er Chancen hätte, gewählt zu werden. In seiner Zürcher Amtszeit wirkte er souverän und leistete sich nur wenige Fehler, die ihm zum Stolperstein werden könnten.
Ein Schwergewicht ist Paul Rechsteiner. Der 57-jährige St. Galler ist als Kämpfer für die Rechte des Arbeiters schweizweit bekannt und steht seit zwölf Jahren dem mächtigen Gewerkschaftsbund vor. Hirter meint aber, dass Rechsteiner für eine Wahl in den Bundesrat zu links steht. Rechsteiner selber hat schon mal prophylaktisch abgewunken.
Marti hat alles zum Bundesrat
Schon fast in Vergessenheit geraten ist Werner Marti. Der Glarner hätte alles, was ein Bundesrat braucht. Er sass bis vor zwei Jahren im nationalen Parlament, war acht Jahre lang Regierungsrat und holt sich jetzt auch noch Erfahrung als VR-Präsident der Alptransit Gotthard AG in der Wirtschaft. Zudem war er während acht Jahren als Preisüberwacher tätig. Trotz diesem Leistungsausweis ist Hirter skeptisch. «Leute, die von der Berner Politik weg sind, haben es schwer.»
Weg ist zwar auch Rudolf Strahm. Schweizweit ist er aber als gescheiter Politiker bekannt, der im rechten Spektrum der SP politisiert. Er blickt auf eine lange Karriere zurück, war 13 Jahre Nationalrat und 4 Jahre Preisüberwacher. Auch wenn sich andere auch schon im höheren Alter in den Bundesrat wählen liessen, spricht sein Alter gegen ihn. Strahm ist bereits 67. Und Hirter meint auch, dass Strahm mit seinem rechten Kurs innerhalb der SP nicht sehr beliebt ist.
Hämmerle, der Strippenzieher
Auf eine auffällig aktive politische Karriere blicken noch weitere Sozialdemokraten zurück. Der Bündner Nationalrat Andrea Hämmerle landete den Coup, indem er die Abwahl von Christoph Blocher organisierte. «Der gehört zur Bodenmann-Generation, die sind total weg», so Hirter. Und beim zurücktretenden Basler Nationalrat Rudolf Rechsteiner sieht der Politologe den Makel der einseitigen Wahrnehmung Rechsteiners als Energiepolitiker. (baz.ch/Newsnet)
Erstellt: 22.07.2010, 14:59 Uhr
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Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.




