Schweiz
Locken Banken Junge in die Schuldenfalle?
Von Reto Hunziker. Aktualisiert am 09.04.2010 12 Kommentare
Artikel zum Thema
Pump bei Mami und Papi
Rund ein Drittel der jungen Erwachsenen im Alter von 18 bis 24 Jahren haben Schulden. Das belegt eine Studie des Bundesamts für Justiz, die 2007 erstellt wurde. Die meisten sind aber bei Familienangehörigen und Freunden verschuldet, nur wenige bei Kreditkarteninstituten und Banken. Die mittlere Verschuldung, bei der Ausreisser nach oben und unten unberücksichtigt bleiben, liegt bei rund 300 Franken. Aber auch wenn das als wenig erscheint, sind die Zahlen doch mit Gefahren verbunden. Denn: «Schulden machen kann zum Muster werden», wie Experte David Laso sagt.
Der «Blick» machte jüngst den Fall einer 22-jährigen Frau bekannt, die sich um eine Million Franken verschuldet haben soll. Und fragte sich aufgrund des extremen Beispiels, ob wir es heute mit der «Generation minus» zu tun haben. Tatsächlich wurde in den letzten Jahren viel geschrieben von jungen Menschen, die sich immer früher verschulden – wegen Handy-Rechnungen, Markenkleidern und Party-Nächten. Gemäss einer Umfrage des Instituts Link ist jeder zehnte der zwischen 18- und 24-Jährigen mit über 2500 Franken verschuldet.
«Heute ist es viel leichter, sich zu verschulden», sagt denn auch David Laso von der Schuldenberatung Zürich. Vor allem junge Menschen würden mit Krediten gezielt geködert. Die Werbung der Banken sei entsprechend gut gemacht und holte die Jungen emotional ab.
Banken in die Verantwortung nehmen
«Die Banken sind daran interessiert, dass ein Kredit für den Kunden selbstverständlich wird», so Laso. Der Experte warnt, nur die Jungen zu tadeln, wenn es um die Thematik geht. «Natürlich verschulden sich eher solche, die sorglos durchs Leben gehen.» Doch müssten auch die Banken, welche mit Kredit-Angeboten locken, in die Verantwortung genommen werden.
Die Banken jedoch wehren sich gegen diesen Vorwurf: «Das Durchschnittsalter unserer Kunden bei den Privatkrediten liegt bei 37», sagt Albert Steck von der Migrosbank. Der Anteil an unter 24-Jährigen sei mit rund 10 Prozent tief. Kredite an Junge würden zudem nie leichtfertig vergeben: «Wir geben nur jungen Erwachsenen Kredit, deren Lohn dies auch vernünftig macht.» Da werde klar durchgerechnet und genau geprüft. Die Ausfallsrate sei entsprechend gering.
«Verschwindend kleiner Anteil»
«Gemäss einer Untersuchung des Bundesamtes für Justiz haben junge Erwachsene die meisten Schulden bei Verwandten und Bekannten», gibt auch Bernhard Schmid von der CS-Tochterfirma Bank Now zu Bedenken, die mit den Schnellkrediten Credit Now wirbt. «Nur ein verschwindend kleiner Anteil ist bei Banken verschuldet.»
Junge würden auch nicht gezielt umworben. «Wir haben keine speziellen Marketing-Massnahmen für Junge zwischen 18 und 25 Jahren», so Schmid. Im Gegenteil: Antragsteller in besagtem Alter würden im Prüfverfahren strenger beurteilt. Dass der schnelle Kredit, wie er in der Werbekampagne beworben wird, besonders Junge anspricht, glaubt Schmid nicht.
Gefahr oder nicht?
Tatsächlich sind junge Erwachsene häufiger bei Kreditkartenfirmen verschuldet als bei Banken. Und noch häufiger bei Verwandten und Bekannten (siehe Box). Dennoch wittern viele Schuldenexperten, die mit jungen Klienten zu tun haben, Gefahren.
So seien etwa die Frage-Kataloge zur Kreditprüfung leicht auszutricksen und die Kreditgeber würden sich zu oft auf die Angaben verlassen. Das will man wiederum bei den Banken nicht gelten lassen: «Ich sehe nicht, wie die Kreditprüfung umgangen werden könnte - es sei denn mit Urkundenfälschung», so Bernhard Schmid von Bank Now.
Fakt bleibt, dass sich Jugendliche verschulden – auch bei Banken. Das sei aber nicht unbedingt ein Zeitphänomen, findet David Laso. «10'000 Franken in der Hand – das gibt jungen Erwachsenen ein Gefühl von Wichtigkeit. Wäre das vor 20 Jahren möglich gewesen, hätten dies die Jungen damals schon gemacht.» (baz.ch/Newsnet)
Erstellt: 09.04.2010, 16:53 Uhr
Kommentar schreiben
12 Kommentare
Natürlich spielen die Banken wiedermal die Unschuldslämmer, klar, die können ja niemals was dafür. Die Opfer sind immer jene, die auf die psychologisch ausgefeilten Werbetricks aller Art hereinfallen. Doch Vorsicht, König ist man nur, bis man die Schuld beglichen oder anerkannt ist, keine Minute länger aber betrieben wird, zahlt ca. 25% mehr für die erstandene Ware, dann ist der Gläubiger König. Antworten
Schweiz
Familie, Beruf und Studium
Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.




