Schweiz

Lösen die neuen SBB-Züge das Velo- und Kinderwagenproblem?

Von Denise Jeitziner. Aktualisiert am 26.05.2010 57 Kommentare

An einem sonnigen Wochenende verzweifeln Velofahrer und Kinderwagenschieber schier wegen Platzmangel in Schweizer Zügen. Die SBB erklären gegenüber baz.ch/Newsnet, wie sich das in Zukunft entwickeln wird.

Knappe Platzverhältnisse für Velos und Kinderwagen: Pingstmontagabend im Zug zwischen Luzern und Zürich.

Knappe Platzverhältnisse für Velos und Kinderwagen: Pingstmontagabend im Zug zwischen Luzern und Zürich.
Bild: Tina Fassbind

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Am Ende des sonnigen Pfingstwochenendes kam es in vielen Zügen zum Showdown. Hier verschwitzte Velofahrer mit ihren Rennern, robusten Trekkingvelos, dreckigen Mountainbikes. Dort entnervte Eltern mit sperrigen Kinderwägen, quengelnden Dreikäsehochs, hungrigen Babys. Räder und Kinderwagen türmten sich, die Emotionen kochten hoch. Alle wollten sie nur das eine: Platz im Zug. Und alle fragten sich: Weshalb sorgen die SBB nicht vor? An Pfingsten! Bei diesem Wetter!

Kompositionen auf ein Jahr festgelegt

«Das Phänomen überfüllter Veloabteile an Wochenenden und in Kombination mit schönem Wetter kennen wir», sagt Reto Kormann, Mediensprecher bei der SBB. «Wir können allerdings nicht kurzfristig reagieren.» Mit kurzfristig meint Reto Kormann ein Jahr. Denn für genau diese Zeitspanne werden jeweils beim Fahrplanwechsel die Umläufe und Zusammensetzungen der Zugskompositionen festgelegt.

Zwar würden Feiertage wie Pfingsten berücksichtigt – dieses Jahr mit 14 Extrazügen und insgesamt 28'000 zusätzlichen Sitzplätzen. Doch: «Es bringt nichts, für die Hauptreisezeit unzählige Wagen anzuhängen, die dann abends um 22 Uhr alle leer sind. Das ist sowohl technisch als auch logistisch kaum machbar und ergibt auch wirtschaftlich wenig Sinn.» Man könne und wolle das gesamte Angebot nicht auf die Spitzenfrequenzen ausrichten, das gehe enorm ins Geld. Ausserdem können Wagen nicht beliebig wie bei einer Modelleisenbahn aneinandergehängt werden. Einerseits verlängere sich dadurch der Bremsweg der Züge, andererseits dürfe ein Zug nicht über das Perron hinausreichen, an denen die Passagiere ein- und aussteigen.

Neue Züge, gleiche Probleme

Velofahrer und Kinderwagenschieber müssen sich also vorerst in Geduld üben. Die Hoffnung liegt nun auf den neuen Bombardier-Zügen, die in knapp drei Jahren zum Einsatz kommen sollen. Die SBB sollen dadurch flexibler reagieren können. Viele Vorteile haben sie: Videoüberwachung, elektronische Sitzplatzreservationsanzeigen, kabelloses Internet, ein grosses Restaurant, ein Businessabteil und geräumige Toiletten. Auch das Platzangebot soll ab Ende 2013 erhöht werden.

Klingt gut und fortschrittlich. Bloss: Velofahrer und Kinderwagen werden trotzdem das Nachsehen haben. Bei einem doppelstöckigen Zug von 400 Metern Maximallänge wird es 28 Velohaken geben. Im Vergleich zu den 16 Velohaken auf selbiger Länge ist dies zwar eine Steigerung, aber auch das wird nicht reichen, um Engpässe in Zukunft zu vermeiden.

«First come, first serve»

Doch die Haltung der SBB ist klar: «Oberste Priorität geniesst eine möglichst grosse Anzahl an Sitzplätzen. Nur so können wir mittelfristig die Nachfragebedürfnisse erfüllen.» Eine Lösung gegen überfüllte Veloabteile ist also auch in naher Zukunft nicht absehbar. Vorerst soll ein Pocketguide die wichtigsten Fragen klären. Die SBB weisen etwa darauf hin, dass bei schönem Wetter besonders auf den Zügen Richtung Gotthard, Graubünden oder Seeland mit Engpässen gerechnet werden müsse. Zumindest ist die Frage klar, wer das Vorrecht hat, Kinderwagen oder Velo. Reto Kormann: «In Multifunktionsabteilen gilt das Motto «First come, first serve.»

(baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 26.05.2010, 16:24 Uhr

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57 Kommentare

Florian Steiner

26.05.2010, 17:18 Uhr
Melden

Wie wär es denn wenn die SBB einfach einen Güterwagon bzw. Postwagon für die "Aufreihung/Stapelung der Velos anhängen würde. Es muss ja nicht jedes Velo im Sitzwagon mitgefahren werden?! Antworten


beat buerki

26.05.2010, 17:28 Uhr
Melden

"andererseits dürfe ein Zug nicht über das Perron hinausreichen, an denen die Passagiere ein- und aussteigen" lustigerweise wurde genau das mit den basler extrazügen an der finalissima gemacht. aber die fussballfans sind ja auch nur lästig und sollen wohl mit solchen methoden vergrämt werden... Antworten



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Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.