Schweiz

Mann ohne Berührungsängste

Von Renato Beck. Aktualisiert am 31.08.2010 6 Kommentare

Von Turkmenistan bis Tibet: FDP-Nationalrat Johann Schneider-Ammann hat seiner Firma bei autoritären Regimes die Türen geöffnet. Das vertrage sich mit seiner «Unternehmer-Ethik», sagt der Bundesratskandidat.

Hand drauf: Tatarenführer Mintimer Schaimijew (links) und Johann Schneider-Ammann weihen 2009 im russischen Arsk eine Asphaltfabrik ein.

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Bild: M. Kozlovsky

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Als der Langenthaler Unternehmer Johann Schneider-Ammann entschied, Bundesrat werden zu wollen, stand er auf dem Bundesplatz und somit auf heimischem Boden. Der Asphalt, sagte er beiläufig, sei höchstwahrscheinlich von seiner Firma fabriziert worden. Seit dieser Ankündigung, scheint es, ist der Weg für den FDP-Nationalrat in den Bundesrat bereitet, ausgeteert, eine breite Autobahn im Vergleich zum Trampelpfad, auf dem sich etwa der Basler Kontrahent Peter Malama abmüht. Schneider-Ammann wirbt mit seiner «hohen Ethik, die ich auch in der Wirtschaft verfechte». Als gewissenhafter Patron steht er für verantwortungsvolles Geschäften ein, geisselt etwa die hohen Managerlöhne. «Ich versuche, mein Unternehmen aus problematischen Situationen herauszuhalten», sagt er. Eine Aussage, die eine Überprüfung lohnt.

Seit 1990 ist Schneider-Ammann Verwaltungsratspräsident der Ammann Group, eines auf Strassenbau spezialisierten Unternehmens. Er hat die Firma zum globalen Konzern ausgebaut. Vor allem gen Osten wurde auf sein Bestreben der Ammann-Asphalt immer weiter verlegt. Erst in den osteuropäischen Staaten, aber je mehr Märkte erschlossen waren, desto weiter weg zog es Schneider-Ammann. In Gefilde, die mittlerweile den Segen westlicher Investorengelder erfahren haben, aber auf die freie Meinungsäusserung und die demokratische Beteiligung an den politischen Prozessen noch warten müssen.

Familienbusiness

In den Segen seiner Strassenbautechnik kam 2009 die russische Teilrepublik Tatarstan. Dort traf der Familienunternehmer Schneider-Ammann auf den Familienunternehmer Mintimer Schaimijew, der den halb autonomen Gliedstaat erfolgreich unter seiner Verwandtschaft aufgeteilt hat. Die Söhne, im Westen bekannt als ambitionierte, aber erfolglose Rallyepiloten, kontrollieren die Schlüsselindustrien, insbesondere die wachstumsstarke Rohstoff- und die Baubranche. Der jüngere Sohn Ajrat ist Generaldirektor des Joint-Venture-Partners von Ammann, des Strassenbaumonopolisten Tatavtodor.

Die Firma hat auch in der Schweiz für Aufmerksamkeit gesorgt. 2002 berichtete der «Tages-Anzeiger» über westliche Investoren, die von Tatavtodor mit rabiaten Methoden aus dem Markt gedrängt worden seien. Schneider-Ammann erging es besser. Er hatte den direkten Draht zum Präsidenten, gemeinsam haben sie im Oktober 2009 gleich sechs Ammann-Werke in Betrieb genommen. Heute ist Schaimijew nicht mehr an der Spitze Tatarstans. Nach über 20 Jahren wurde Moskau die Machtfülle Schaimijews und dessen Kokettieren mit der Sezession unheimlich; er wurde Anfang 2010 zum schnellen Abgang überredet.

Immer persönlich vor Ort

Nicht nur in wirtschaftlichen Clangebieten hat Schneider-Ammann vorgesprochen und den Markteintritt seines Unternehmens gesichert. Im autokratischen Turkmenistan brachte er den Deal ebenso unter Dach und Fach wie in Kasachstan unter der Fuchtel von Langzeitdespot Nursultan Nasarbajew. Schneider-Ammann ist immer persönlich vor Ort. Ein Mann ohne Berührungsängste. Seine Begründung: «Ich muss mir ein eigenes Bild über die Verhältnisse, die Chancen und die Risiken machen.» Auch aus ethischer Sicht hält er ein Engagement für verträglich: «Wir tragen mit unseren Produkten auch zur Entwicklung dieser Länder bei. Je entwickelter die Infrastruktur, umso offener die Gesellschaften, umso unbedenklicher die Zusammenarbeit.» Ausserdem seien in diesen Ländern die Abnehmer oft private Kunden, sagt er.

Award für Chinas Regierung

Zu diesen gelangt die Ammann-Group vor allem dank den Kontakten des Patrons zu den Regierungsebenen. Augenscheinlich ist das in China, wo in der Nähe von Shanghai seit 2005 ein grosses Ammann-Werk läuft. Um das Geschäft auch in der durch Ammann bislang unerschlossenen Provinz Tibet anzukurbeln, liess sich Schneider-Ammann auf einen bemerkenswerten Auftritt ein. Im Oktober 2009 zeichnete er an der Pekinger Baumaschinenmesse Chinas Regierung für ihre Bautätigkeit in Tibet aus. Er sieht darin ein «Zeichen in Richtung einer Öffnung» und ein «Fenster in die westliche Welt».

Ob Schneider-Ammann, sollte er am 22. September zum Bundesrat gewählt werden, einen distanzierteren Umgang mit autoritären Regimes pflegen würde als bisher, bleibt sein Geheimnis. Er sagt nur: «Meine ethischen Grundsätze sind unabhängig von meinen Ämtern. Vielleicht ergäben sich unterschiedliche Rahmenbedingungen in der Umsetzung.» (Basler Zeitung)

Erstellt: 31.08.2010, 11:17 Uhr

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6 Kommentare

René Merten

31.08.2010, 11:44 Uhr
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Gute Unternehmer brauchen wir- als Bundesrat muss er aber gesamtschweizerische Interessen vertreten- kann er das? Zudem möchten wir alle wissen, wo er politisch steht.Er soll sich doch endlich konkret zu verschiedenen Themen äussern und seine Standpunkte darlegen. Bis heute habe ich ihn nur als Person mit schwammigen politischen Ansichten kennengelernt! Antworten


Heinz Frey

31.08.2010, 15:25 Uhr
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Mich überzeugt keine BR-Kandidatur. Ammann hat wirtschftlich nicht wirklich überzeugt (das Unternehmen wurde geerbt - Mikron seinerseits ist immer in den roten Zahlen). Auch all die Berufspolitiker überzeugen mich nicht (z.B. Samaruga), davon haben wir genug. Warum nicht mal echte Persönlichkeiten wählen! Z.B. der ehemal. Notenbankchef Jean-Pierre Roth (FDP) oder der unabhängige Rudolf Strahm (SP) Antworten



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