Schweiz

Maurer will Schweizer Jet für den Bundesrat

Von Hubert Mooser. Aktualisiert am 02.07.2014 98 Kommentare

Der VBS-Chef will die aktuelle Cessna durch den Stanser Business-Jet PC-24 von Pilatus ersetzen. Für den 1. August hat Ueli Maurer einen Coup geplant.

Könnte auch der Bundesrats-Jet sein: Ein Modell des PC-24 von Pilatus an der Business-Jet-Messe in Genf.

Könnte auch der Bundesrats-Jet sein: Ein Modell des PC-24 von Pilatus an der Business-Jet-Messe in Genf.
Bild: Keystone

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Der neue Jet von Pilatus

Der neue Jet von Pilatus
Der Zentralschweizer Flugzeugbauer lüftet sein Geheimnis über den PC-24.

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Es ist eine Erfolgsstory: Der Stanser Flugzeugbauer Pilatus entwickelt einen zweistrahligen Business-Jet und verkauft davon ab Reissbrett in wenigen Monaten schon 84 Stück. Jetzt erhält Pilatus zusätzliche Unterstützung durch den Bundesrat. Verteidigungsminister Ueli Maurer (SVP) stellt heute im Bundesrat den Antrag zum Kauf eines Pilatus PC-24. Diese Maschine soll den kleineren der beiden Bundesrat-Jets, die Cessna 560XL mit einer Reichweite von 3300 Kilometern, ersetzen.

Der Chef des Departements für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS) will dafür einen sogenannten Optionsvertrag mit Pilatus ab­schliessen. Der Stanser Flugzeugbauer sei bereit, mit der Eidgenossenschaft Verträge unter dem Vorbehalt abzu­schliessen, dass der Kredit durch das Parlament bewilligt werden muss. Dies geht aus dem vertraulichen Papier des VBS an die Landesregierung hervor.

Maurer plante 1.-August-Coup

Die Pilatus Flugzeugwerke AG hat im Mai 2013 an der wichtigsten ­europäischen Geschäftsluftfahrtmesse, der European Business Aviation Convention & Exhibition (Ebace) in Genf, ihr neustes Projekt enthüllt. Pilatus-Präsident Oscar J. Schwenk hoffte schon damals auf die Eidgenossenschaft: «Klar haben wir beim PC-24 an den Bundesrat gedacht», sagte er gegenüber dem Tages-Anzeiger. Zuerst müsse man aber die Maschine fertig entwickeln und in die Luft bringen. «Dann bieten wir auch dem Bundesrat einen Flieger an, der die Schweiz nur halb so viel kostet wie die jetzigen Maschinen.»

Der Schweizer Eidgenossenschaft stünde es gut an, wenn sie ein Schweizer Produkt mit internationaler Ausstrahlung in der Phase der Entwicklung als Erstkunde unterstützen würde, heisst es nun in Maurers Antrag zum Kauf des PC-24. Und die Chancen stehen gut, dass der Verteidigungsminister heute die anderen Regierungsmitglieder vom Kauf dieses Jets überzeugen kann. Grossen Widerstand hat eigentlich bisher niemand angemeldet. Maurer hatte das Gremium über seine Pläne schon vorinformiert. Diese Woche reichte er nun die Fakten zum PC-24 und einen offiziellen Antrag nach.

Pikantes Detail: Der VBS-Chef will seine Absichten erst am 1. August offenlegen – nach dem Rollout anlässlich des 75-Jahr-Jubiläums der Pilatuswerke AG, also nach der Vorführung des neuen Flugzeuges am Boden. Vorher solle man Vertraulichkeit wahren, steht im VBS-Papier. Maurer plante offensichtlich einen 1.-August-Coup mit dem neuen Bundesrats-Jet als Highlight.

Kosten von zehn Millionen

Gibt der Bundesrat heute grünes Licht, werden in naher Zukunft Bundesräte und hohe Chefbeamte kürzere Strecken (unter 3300 km) in einem neuen Business-Jet von Pilatus fliegen. Den Erstflug eines PC-24 hat der Stanser Flugzeugbauer auf 2015 angekündigt. Ab 2017 beginnt die Auslieferung der ersten Jets. Wann genau die Schweiz den Bundesrats-Jet in Empfang nehmen könnte, weiss man noch nicht genau.

Die Pilatus PC-24 soll die inzwischen zwölfjährige Cessna 560XL ablösen. Die Maschine sei zwar ein zuverlässiges und wirtschaftliches Flugzeug. 2017 müssten laut VBS an der Cessna für knapp eine Million Franken «zwingende technische Anpassungen aufgrund neuer Luftfahrtvorschriften vorgenommen werden». Um 2020 wäre dann eine gröbere Modernisierung der Bordelektronik (Avionik) mit Kosten von zwei Millionen Franken fällig. Falls der Bundesrat dem Erwerb einer PC-24 zustimmt, wird dieses zweite Upgrade hinfällig.

Das VBS geht von einem Beschaffungsbudget in Höhe von zehn Millionen Franken aus. Die Cessna würde man laut VBS verkaufen, die Einnahmen flössen zwar in die Bundeskasse, der Ausgabenplafond des VBS würde jedoch um den entsprechenden Plafond erhöht, wie bei der Falcon 50.

Dieses Bundesratsflugzeug wurde 2013 durch die Falcon 900EX ersetzt, dem früheren Regierungsflugzeug des Fürstentums Monaco. Die Falcon kommt für Flüge bis 8300 Kilometer zum Einsatz. Bundesrat Didier Burkhalter flog damit aber auch schon weiter, bis nach Vanuatu im Südpazifik – am anderen Ende der Welt. (Basler Zeitung)

Erstellt: 02.07.2014, 08:17 Uhr

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98 Kommentare

Beat Rohr

02.07.2014, 08:30 Uhr
Melden 535 Empfehlung 25

Ist sicher nicht ein falsch ein Schweizer Produkt zu unterstützen wenn Bedarf da ist - und Pilatus liefert nun mal gute Qualität - und damit als Bundesrat bei Auslandflügen Werbung für Schweizer Erfolgsprodukte zu machen ist auch ok - denn der Kauf erfolgt mit Steuergeldern von Steuerzahlern in der Schweiz die genau in diesen Fabriken auch wieder Arbeit finden - also klassische Win-Win Situation! Antworten


Gianclaudio Moresi

02.07.2014, 09:00 Uhr
Melden 309 Empfehlung 21

Sehr gute Idee. Das aktuelle Cessna 560XL ist relativ alt und verbraucht sehr viel Sprit. Mit dem neuen Flugzeug werden laufenden Kosten reduziert und gleichzeitig wird eine tolle Visitenkarte (ein PC-24 made in Switzerland) gezeigt. Somit kann man Swissness-Produkte weltweit zeigen. Klasse! Antworten