Schweiz

Maurers Trick im Poker um neue Kampfjets

Von Patrick Feuz, Bern. Aktualisiert am 16.12.2009 15 Kommentare

Die Schweiz soll erst 2015 neue Kampfjets kaufen. Der erste Flieger wäre damit 2020 in der Luft. So will Maurer die GSoA zum Rückzug ihrer Initiative bewegen.

Spätstarter: Drei F/A-18C Hornet der Schweizer Luftwaffe über Davos.

Spätstarter: Drei F/A-18C Hornet der Schweizer Luftwaffe über Davos.
Bild: Keystone

«Vor 2015 passiert gar nichts.» Dies erklärte ein Luftwaffenvertreter letzte Woche vor Sicherheitspolitikern des Nationalrats. Damit kristallisiert sich immer deutlicher der revidierte Fahrplan für die Beschaffung neuer Kampfjets heraus. Was Verteidigungsminister Ueli Maurer bisher nur angetönt hat, sieht im Detail so aus: Der Kauf neuer Jets wird um fünf Jahre verschoben – damit verzichtet der Bundesrat darauf, die Tigerflotte zu ersetzen. Stattdessen soll die Regierung laut Maurers Idee 2015 entscheiden, mit welchem Flugzeug sie die heutige F/A-18-Flotte ablösen will – damit erhält das Geschäft definitiv eine neue, langfristige Perspektive. Geliefert würde das erste Flugzeug 2020.

Das VBS will den Fahrplan nicht bestätigen. Insider erklären aber, genau diese Termine von Maurer persönlich gehört zu haben. Die Fristen des VBS-Chefs sind hochpolitisch. Denn sie erfüllen die Initiative der Gruppe für eine Schweiz ohne Armee (GSoA). Das Volksbegehren will eine Flugzeugbeschaffung vor Ende Dezember 2019 verhindern – und mit «Beschaffung» ist nicht der Kaufentscheid gemeint, wie der grüne Nationalrat und Mitinitiant Jo Lang sagt: «Entscheidend ist, dass vor 2020 keine neuen Flugzeuge in die Schweiz geliefert werden.»

Faktisch gerät also die GSoA unter Druck, ihre Initiative bald zurückzuziehen, was der Gruppierung nicht leicht fällt. Denn die Armeeabschaffer lassen sich von SVP-Bundesrat Maurer nicht gerne die Show stehlen. Jo Lang sagt zur Rückzugsfrage im Moment nur so viel: «Das ist für uns erst ein Thema, wenn wir echte Garantien in der Hand haben, dass der Fahrplan eingehalten wird.»

Kein Typenentscheid

Unter Druck steht jetzt auch Maurer – unter Zeitdruck. Denn der Bundesrat hat beschlossen, die Kampfjetfrage erst zu klären, wenn aufgrund des neuen Sicherheitsberichts die künftige Sicherheitspolitik festgelegt ist. Der Bericht wird erst im Frühherbst vorliegen, doch das Parlament befasst sich schon im März und Juni mit der GSoA-Initiative. Spätestens nach der Parlamentsdebatte müssen die Initianten also wissen, was der Bundesrat will. Nur so können sie rechtzeitig vor der Volksabstimmung im November sagen, ob sie ihre Initiative zurückziehen. Maurer wird deshalb wohl versuchen, den Bundesratsentscheid zu beschleunigen, das heisst die Jets wieder vom Sicherheitsbericht abzukoppeln. Im Bundeshaus glaubt niemand, dass die anderen Bundesräte auf einem baldigen Flugzeugkauf beharren – als sie Maurer im Oktober vorerst stoppten, lag dies nur am taktisch ungeschickten Vorgehen des VBS-Chefs.

Eine Verschiebung des Kaufs um fünf Jahre würde bedeuten, dass vorerst auch kein Typenentscheid fällt. Denn aufgrund technischer Entwicklungen kämen von den heutigen drei Anbietern Dassault (Rafale), EADS (Eurofighter) und Saab (Gripen) vielleicht nicht mehr alle in die Ränge – und andere Flugzeuge könnten plötzlich interessant für die Schweiz werden. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 16.12.2009, 06:14 Uhr

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15 Kommentare

Charles Dupond

16.12.2009, 08:31 Uhr
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@Abdul R. Furrer: Die Wehrpflicht nur fuer Maenner ist ohnehin eine Leiche auf Urlaub. Nebst den grundsaetzlichen Armeefeinden wird die Mehrheit der Maenner nie mehr einer sie diskrimierenden Wehrpflicht zustimmen, und die "Gleichstellung" der Frau ist laengst zu "Alle Rechte sofort, aber ja keine Pflichten mehr!" verkommen. Da fiele bei den Damen ein Abbau ihrer Privilegien ohnehin durch.... Antworten


Abdul R. Furrer

16.12.2009, 06:07 Uhr
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Dieser Bückling vor den Armeeabschaffern könnte sich als Bumerang erweisen und der unseligen GSoA Auftrieb geben und sie ermutigen, eine erneute Abschaffungs-Initiative zu starten. Antworten



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Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.