Schweiz

Milde Strafe für falschen Doktor in der Bundesverwaltung

Von Mischa Aebi. Aktualisiert am 17.06.2010 16 Kommentare

Die Berner Justiz kann dem als Hochstapler bekannten «Dr. Sudaro» nur Ausweisfälschung nachweisen und bestraft ihn minimal. Sudaro hat mit falschen Titeln Militär und Bundespolizei jahrelang genarrt.

So hat sich der vermeintliche Doktor Tiziano Sudaro im hochkarätig besetzten Sicherheitsgremium der Uni St. Gallen präsentiert.

So hat sich der vermeintliche Doktor Tiziano Sudaro im hochkarätig besetzten Sicherheitsgremium der Uni St. Gallen präsentiert.
Bild: zvg

Wo Sudaros Strategie weiterlebt

Bis heute hat das Verteidigungsdepartement im Internet ein Dokument mit einem mehrseitigen Bericht von Tiziano Sudaro aufgeschaltet. Der Titel des Berichts: «Das strategische Planungs- und Steuerungsinstrument der Armeeführung». Das Dokument verrät auch, wie sich der Ex-Spitzenbeamte zu dessen VBS-Zeiten bezeichnet hat. Der Autor jenes Berichts wird folgendermassen beschrieben:

«Tiziano Sudaro Dr., Executive MBA, Oberst i Gst, Chef Strategieplanung Verteidigung, Armeestab. Zuvor in der Privatwirtschaft, langjährige Erfahrung im Strategiemanagement.»



Baut also das VBS weiter auf die Strategien des vermeintlichen Doktors Sudaro? Die Antwort des VBS-Sprechers Martin Bühler: Das Magazin, in dem der Text veröffentlicht worden sei, sei im August 2009 als Print- und Webversion publiziert worden. Die alten Magazine würden immer, wenn Neues dazukomme, gelöscht. Die Resultate, Vorstösse und Anträge bezüglich Armeeplanung werden laut Bühler zudem durch die Armeeführung geprüft und genehmigt. Das bedeute, dass die strategische Ausrichtung der Armee nie auf die Ideen einzelner Personen zurückzuführen sei.

Das Berner Untersuchungsrichteramt hat die Ermittlungen gegen den in der Bundesverwaltung als Hochstapler und «falschen Doktor» bekannt gewordenen Tiziano Sudaro abgeschlossen. Auch das Urteil liegt in Form eines Strafmandats bereits vor, ohne dass es zu einem Prozess gekommen ist. Das ergaben Recherchen dieser Zeitung.

Bloss Busse

Die Milde, die Untersuchungsrichter Hansueli Hadorn walten lässt, überrascht. Er kommt zum Schluss, dass die Delikte so gering sind, dass der falsche Doktor gar nicht erst vor dem Einzelrichter, geschweige denn vor einem Kreisgericht antraben muss. Er brummt Sudaro in eigener Kompetenz eine Busse von 1500 Franken und eine bedingte Geldstrafe von 10'000 Franken auf. Diese muss Sudaro nicht bezahlen, wenn er sich in den nächsten Jahren nichts Weiteres zuschulden kommen lässt.

Sudaro hat die Bundesverwaltung jahrelang an der Nase herumgeführt. Unter Vorgabe falscher Doktorats- und Lizenziatstitel hat er sich zuerst beim Militärdepartement, später bei der Bundeskriminalpolizei fürstlich bezahlte Anstellungen als Spitzenbeamter ergattert. Gleichzeitig besetzte er ein prestigeträchtiges Nebenamt an der Universität St.Gallen.

Das Schweizer Fernsehen hatte den Schwindel des Spitzenbeamten letztes Jahr aufgedeckt. Im Januar dieses Jahres hatte die Bundeskriminalpolizei schliesslich Strafanzeige wegen Fälschung von Ausweisen, Urkundenfälschung und möglichen Betrugs eingereicht.

Schwindel belegt

Für Urkundenfälschung und Betrug droht das Gesetz mit bis zu fünf respektive zehn Jahren Gefängnis. Die Vorwürfe der Urkundenfälschung und des Betrugs habe er fallen gelassen, «weil sich herausstellte, dass die rechtlichen Voraussetzungen nicht gegeben sind», sagt Hadorn. So seien mögliche Urkundenfälschungsdelikte bereits verjährt.

Erstaunlich ist, dass der ehemalige Spitzenbeamte selbst für die nachgewiesenen Ausweisfälschungen nur eine minimale Strafe erhält. Auch dafür sieht das Gesetz nämlich Geld- oder Freiheitsstrafen von bis zu drei Jahren vor. Der Verdacht bezüglich Ausweisfälschung hat sich fast rundum erhärtet. Laut Untersuchungsrichter bestätigten die rechtlichen Ermittlungen, dass Sudaro sowohl ein Lizenziat als einen Doktortitel sowie mehrere Zeugnisse gefälscht hat. Sudaro habe zwar mehrere Jahre an einer Universität studiert – aber nie ein entsprechendes Studium abgeschlossen, sagt Hadorn.

Bilderbuchkarriere

Der vermeintliche «Doktor» Tiziano Sudaro hat mit seinem abgebrochenen Studium eine bemerkenswerte Karriere hingelegt. Bis im Januar war er Leiter der Abteilung Criminal Intelligence der Bundeskriminalpolizei. Davor hat er jahrelang als Spitzenbeamter im Militärdepartement gearbeitet, unter anderem als «Chef Strategieplanung Verteidigung, Armeestab».

Das Ende an der Uni

Nachdem die Fälschungen bekannt wurden, hat Sudaro seinen Spitzenjob von sich aus gekündigt – bevor der Bund als Arbeitgeber reagieren konnte. Auch sein Mandat bei der renommierten Universität St.Gallen (HSG) wurde Sudaro nach den Enthüllungen im Januar los.

Bei der HSG sass Sudaro im Beirat des Kompetenzzentrums für Sicherheitswirtschaft und Technologie, zusammen mit seinem ehemaligen Chef im VBS, dem heutigen Rüstungschef Jakob Baumann, Markus Seiler, Chef des zivilen Nachrichtendienstes, oder dem ehemaligen Armeechef Christophe Keckeis. (Berner Zeitung)

Erstellt: 17.06.2010, 09:08 Uhr

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16 Kommentare

Helena Müller

17.06.2010, 11:22 Uhr
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Ich gebe meinen Vorrednern recht. In der Teppichetage wird mit anderen Bandagen gemessen. Jeder, der eine Speiche eines Fahrrades klaut, wird schon mit Gefängnis bestraft. Die dicken Fische lässt man laufen. Wie sagte Brecht schon: Zuerst das grosse Fressen, dann die Moral. Antworten


Heinz Hauer

17.06.2010, 10:55 Uhr
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Typisch für die heutige Businesswelt. Nur die Papiere zählen für die Einstellung,nicht was das für eine Person ist resp. was sie kann.Und selbst wenn die Diplomas echt wären...aus meiner nahen Umgebung merke ich dass aus 10 Personen mit einen MBA, nur 3 davon sind dadurch 'besser' geworden.Die anderen haben nur ihre perverse Methoden über Leichen zu gehen (samt Spuren verwischen), 'perfektioniert' Antworten



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