Schweiz
Müll-Alarm: Nun schicken die SBB Sauberkeits-Kontrolleure los
Von Claudio Habicht. Aktualisiert am 26.03.2009 26 Kommentare
Artikel zum Thema
Tausende Passagiere melden sich monatlich bei der SBB. Meist handelt es sich dabei um Beschwerden: Die Sauberkeit in den Zügen und an Bahnhöfen sei mangelhaft, die Informationen bei Pannen ungenügend. Jetzt geht die SBB in die Offensive und schickt so genannte Testkunden auf Patrouille. «So wollen wir unsere Qualitätsstandards punkto Sauberkeit und Kundeninformation an den Bahnhöfen und in den Zügen überprüfen», sagt Sprecher Roland Binz.
Auf dem Netz der Zürcher S-Bahn sind bereits fünf Sauberkeits-Kontrolleure probehalber unterwegs, ab Mitte April werden insgesamt 16 Personen das ganze SBB-Netz unter die Lupe nehmen. Die Testkunden kommen laut Binz von einer externen Firma, damit die Messungen möglichst unabhängig sind. Die Testkunden sind leicht zu erkennen: Sie tragen einen kleinen Computer mit sich, in den sie die Daten eingeben.
SBB weiss nicht, wo sie handeln muss
Bislang musste sich die SBB was Sauberkeit und Kundeninformation betrifft, auf Beschwerden der Passagiere verlassen. «Diese Rückmeldungen ergeben einen Gesamteindruck der Kunden-Wahrnehmung.» Wo genau Handlungsbedarf besteht, wisse die SBB dadurch aber nicht. Die Testkunden werden darum auf Fragebögen festhalten, wo es genau Mängel gibt. «So verfügen wir nach einer gewissen Zeit für jeden Bahnhof und jede Zugstrecke über konkrete Qualitätsinformationen», sagt Binz. Wenn auf einer Strecke ein Abfalleimer ständig voll sei, könne zum Beispiel ein zusätzlicher Putzgang angeordnet werden. Erste Ergebnisse erwartet Binz gegen Ende des Jahres.
Die Sauberkeits-Tests sind jedoch nicht unproblematisch: Die SBB könnte anhand der Ergebnisse darauf schliessen, wie einzelne Angestellte arbeiten – also ob eine Putzequipe gut arbeitet oder nicht. Dienen die Testkunden letztlich dazu, die SBB-Mitarbeiter zu bespitzeln? «Nein. Es geht ausdrücklich nicht darum, einzelne Mitarbeiter zu überwachen», betont Binz. «Die Testkunden sollen systematische Mängel aufzeigen.» Die SBB wolle lediglich überprüfen, ob ein Zug sauber ist und die Kunden so informiert werden, wie es die SBB-Standards vorsehen. «Es wird keine Auswertung geben, die auf einzelne Mitarbeiter heruntergebrochen wird.»
Gewerkschaft bleibt wachsam
Beim Schweizerischen Eisenbahn- und Verkehrspersonalverband betrachtet man das Vorgehen der SBB mit gemischten Gefühlen. «Wenn die SBB damit die Qualität ihrer Dienstleistungen überprüfen will, finden wir das gut. Doch die Kontrollen dürfen nicht auf einzelne Mitarbeiter abzielen», sagt Sprecher Peter Moor. Nur den Vorgesetzten sei es erlaubt, das Personal beurteilen. Für Moor ist klar: «Wir würden jegliches Denunziantentum verurteilen.» (baz.ch/Newsnet)
Erstellt: 26.03.2009, 13:14 Uhr
Kommentar schreiben
26 Kommentare
Kürzlich bin ich in der S-Bahn von Wädenswil nach Zürich gefahren. Kommt doch ein älterer Mann durch den Gang, schleppt einen schweren schwarzen Müllsack hinter sich her (wohnverstanden über Treppen hinauf und hinunter) und leert die Papierkörbe in den Abteils. Ein bestialischer Gestank verbreitete sich. Wäre es wirklich nicht möglich, da eine andere Löung zu finden? Ist nicht gerade SBB-like. Antworten
Schweiz
Schweiz
Meistgelesen in der Rubrik Schweiz
- 1Roger de Weck in der Kritik
- 2300 Einsprachen gegen Bauprojekte – Initianten gehen auf die Barrikaden
- 3Die Weisheit, nichts, aber auch gar nichts zu tun
- 4Die seltsame Vergabepraxis des Bundesamts für Migration
- 5«Die Schweiz muss intensiver nach Steuerbetrügern fahnden»
- 6Möglicher Euro-Austritt: Bund arbeitet an Notfallplan



































