Schweiz

Fall Hells Angels: Flop der Bundesanwaltschaft?

Aktualisiert am 10.03.2010

Rund 300 Polizisten sind im April 2004 im Zürcher Klublokal der Hells Angels eingefahren – wegen des Verdachts auf Drogen- und Frauenhandel. Seither untersucht die Bundesanwaltschaft. «Das Ergebnis ist schäbig bis nichts», sagt der Anwalt der Hells Angels.

Polizeiliches Grossaufgebot gegen Motorrad-Klub: Razzia im damaligen Klublokal der Hells Angels an der Zürcher Langstrasse.

Polizeiliches Grossaufgebot gegen Motorrad-Klub: Razzia im damaligen Klublokal der Hells Angels an der Zürcher Langstrasse.
Bild: Keystone

13 Hells Angels wurden verhaftet: Polizisten bei der Grossrazzia im April 2004.

13 Hells Angels wurden verhaftet: Polizisten bei der Grossrazzia im April 2004. (Bild: Keystone)

Artikel zum Thema

Stichworte

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Leser-Reporter

Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von baz.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).
Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...

Seit bald sechs Jahren führt die Bundesanwaltschaft Strafuntersuchungen gegen Mitglieder der Hells Angels. Der Motorrad-Klub, so der ursprüngliche Verdacht, soll eine kriminelle Organisation sein, die im grossen Stil den Drogen- und Frauenhandel in der Schweiz kontrolliert. In diesen Tagen wird der Bericht der Untersuchungsbehörden erwartet. Alles deutet auf einen Schlag ins Wasser hin, wie die «Rundschau» des Schweizer Fernsehens berichtet.

«Der Aufwand der Bundesanwaltschaft in den Ermittlungen gegen die Rocker kannte keine Grenzen. Wohnungen wurden verwanzt, Telefone angezapft, Autos mit GPS-Sendern versehen.» Bei einer Razzia im damaligen Klublokal der Hells Angels an der Zürcher Langstrasse und anderen Lokalen im Langstrassenquartier waren im April 2004 rund 300 Polizisten beteiligt – für die Festnahme von 13 Personen. Das Vorgehen der Bundespolizei erinnerte an FBI-Methoden.

Langjähriger Fahnder schüttelt Kopf

Laut «Rundschau» sind die Ergebnisse der Fahnder weniger beeindruckend. «Wir stehen jetzt im sechsten Jahr nach dem grössten Lauschangriff, den die Schweiz je erlebt hat. Man hat Tausende von Stunden Bild- und Tonmaterial gesammelt. Das Ergebnis ist schäbig bis nichts», sagt Hells-Angels-Anwalt Valentin Landmann dem TV-Magazin. Nach der Sichtung von 8000 Stunden Überwachungsmaterial könnten die Beamten wahrscheinlich zeigen, dass die Hells Angels in Hanfgeschäften in kleinerem Umfang verwickelt seien. «Jede kantonale Staatsanwaltschaft hätte das innerhalb von drei Monaten geschafft.»

Über das Verhalten der Bundesanwaltschaft schüttelt auch René Rüegsegger den Kopf. 30 Jahre lang arbeitete er als Fahnder der Stadtpolizei an vorderster Front im Zürcher Rotlichtmilieu. Er sagt: «Wir wurden von den Ermittlungsbehörden gar nicht gefragt, obwohl wir die Hells Angels von unserer täglichen Arbeit her kennen.» Dass die Bundesanwaltschaft nach sechs Jahren immer noch nichts gefunden habe, zeige, «dass die Aktion ein Schlag ins Wasser war».

Bundesanwaltschaft schweigt

Auf Anfrage der «Rundschau» wollte sich die Bundesanwaltsschaft nicht zum Hells-Angels-Fall äussern. Sie verweist auf den Bericht des Untersuchungsrichters, der in diesen Wochen publiziert werden soll. Nach verschiedenen Wechseln hat vor rund einem Jahr ein neuer Untersuchungsrichter den Fall übernommen. «Interne Quellen, die nicht genannt werden wollen, sprechen von einem Fiasko», berichtet die «Rundschau». Die schiere Datenmenge der Voruntersuchung der Hells Angels erlaube es kaum, den Fall vernünftig aufzuarbeiten.

Gemäss dem TV-Bericht sind die Hells Angels immer noch sauer auf die Bundesanwaltschaft. Bei der Razzia vor sechs Jahren beschlagnahmte die Polizei unter anderem zahlreiche Motorräder und andere Gegenstände im Wert von mehreren hunderttausend Franken. Die Motorräder stehen auch heute noch immer unter Verschluss. (vin)

Erstellt: 10.03.2010, 20:16 Uhr

Schweiz

Populär auf Facebook Privatsphäre


Live @ Sunset

11. bis 22. Juli - Zürich Dolder u.a. mit B.B. King, Elton John und Alanis Morissette!

Familie, Beruf und Studium

Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.