Schweiz
Fall Hells Angels: Flop der Bundesanwaltschaft?
13 Hells Angels wurden verhaftet: Polizisten bei der Grossrazzia im April 2004. (Bild: Keystone)
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Seit bald sechs Jahren führt die Bundesanwaltschaft Strafuntersuchungen gegen Mitglieder der Hells Angels. Der Motorrad-Klub, so der ursprüngliche Verdacht, soll eine kriminelle Organisation sein, die im grossen Stil den Drogen- und Frauenhandel in der Schweiz kontrolliert. In diesen Tagen wird der Bericht der Untersuchungsbehörden erwartet. Alles deutet auf einen Schlag ins Wasser hin, wie die «Rundschau» des Schweizer Fernsehens berichtet.
«Der Aufwand der Bundesanwaltschaft in den Ermittlungen gegen die Rocker kannte keine Grenzen. Wohnungen wurden verwanzt, Telefone angezapft, Autos mit GPS-Sendern versehen.» Bei einer Razzia im damaligen Klublokal der Hells Angels an der Zürcher Langstrasse und anderen Lokalen im Langstrassenquartier waren im April 2004 rund 300 Polizisten beteiligt – für die Festnahme von 13 Personen. Das Vorgehen der Bundespolizei erinnerte an FBI-Methoden.
Langjähriger Fahnder schüttelt Kopf
Laut «Rundschau» sind die Ergebnisse der Fahnder weniger beeindruckend. «Wir stehen jetzt im sechsten Jahr nach dem grössten Lauschangriff, den die Schweiz je erlebt hat. Man hat Tausende von Stunden Bild- und Tonmaterial gesammelt. Das Ergebnis ist schäbig bis nichts», sagt Hells-Angels-Anwalt Valentin Landmann dem TV-Magazin. Nach der Sichtung von 8000 Stunden Überwachungsmaterial könnten die Beamten wahrscheinlich zeigen, dass die Hells Angels in Hanfgeschäften in kleinerem Umfang verwickelt seien. «Jede kantonale Staatsanwaltschaft hätte das innerhalb von drei Monaten geschafft.»
Über das Verhalten der Bundesanwaltschaft schüttelt auch René Rüegsegger den Kopf. 30 Jahre lang arbeitete er als Fahnder der Stadtpolizei an vorderster Front im Zürcher Rotlichtmilieu. Er sagt: «Wir wurden von den Ermittlungsbehörden gar nicht gefragt, obwohl wir die Hells Angels von unserer täglichen Arbeit her kennen.» Dass die Bundesanwaltschaft nach sechs Jahren immer noch nichts gefunden habe, zeige, «dass die Aktion ein Schlag ins Wasser war».
Bundesanwaltschaft schweigt
Auf Anfrage der «Rundschau» wollte sich die Bundesanwaltsschaft nicht zum Hells-Angels-Fall äussern. Sie verweist auf den Bericht des Untersuchungsrichters, der in diesen Wochen publiziert werden soll. Nach verschiedenen Wechseln hat vor rund einem Jahr ein neuer Untersuchungsrichter den Fall übernommen. «Interne Quellen, die nicht genannt werden wollen, sprechen von einem Fiasko», berichtet die «Rundschau». Die schiere Datenmenge der Voruntersuchung der Hells Angels erlaube es kaum, den Fall vernünftig aufzuarbeiten.
Gemäss dem TV-Bericht sind die Hells Angels immer noch sauer auf die Bundesanwaltschaft. Bei der Razzia vor sechs Jahren beschlagnahmte die Polizei unter anderem zahlreiche Motorräder und andere Gegenstände im Wert von mehreren hunderttausend Franken. Die Motorräder stehen auch heute noch immer unter Verschluss. (vin)
Erstellt: 10.03.2010, 20:16 Uhr
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