Schweiz

Nur Rocker machen Gotthard zu Kohle

Von Timm Eugster. Aktualisiert am 15.07.2010

Der Gotthard ist eine nationale Ikone – und doch gelingt es nur der Hardrock-Band, mit dem Namen erfolgreich zu geschäften.

Gotthard: Die Tessiner Rocker haben als Einzige erfolgreich die nationale Ikone vermarkten können.

Gotthard: Die Tessiner Rocker haben als Einzige erfolgreich die nationale Ikone vermarkten können.
Bild: Ti-Press

Der Gotthard ist eine nationale Ikone – und doch gelingt es nur der Hardrock-Band, mit dem Namen erfolgreich zu geschäften. Franz Hubers Traum von Gotthard®-Sackmessern, Gotthard®-Biowein und Gotthard®-Waschmitteln endete im Fiasko vor dem Bundesgericht und einem finanziellen Desaster. Jetzt verschenkt er seine Rechte an der Marke.

«I need to believe» – ich muss daran glauben – erschallt die Ballade der Hardrockband Gotthard beim Klick auf deren Website www.gotthard.com. Die unverwüstlichen Erfolgsrocker aus Lugano tragen den Namen des Schweizer Nationalpasses in die Welt hinaus, laut und verständlich auch für das internationale Publikum: Sie lesen «Got hard», was so viel heisst wie «einen Ständer haben» – eine Lesart, die das offizielle Bandlogo nahelegt: Das zweite T ist zu einem Phallussymbol umgedreht.

«Ursprung von Fruchtbarkeit und Energie»

An den Gotthard geglaubt hat auch Franz Huber, Treibstoff- und Heizölhändler aus dem Urner Hauptort Altdorf: Auf seiner Website www.gotthard.ch beschreibt er ihn als «Ursprung von Fruchtbarkeit und Energie», weil hier Rhein, Rhone, Po und Donau entspringen. Und als «Zentrum und Rückgrat der Schweiz» tief im kollektiven Bewusstsein der Bevölkerung verhaftet ist: «Er ist der Berg der Mitte und gilt als Fels in der Brandung der Schweizer Geschichte, ja sogar der Weltgeschichte.»

Doch anders als einst Basler und Zürcher Hotelbesitzer und später die Hardrocker hätten die Bewohner der Gotthardregion «das Potenzial der Marke Gotthard® bisher nicht erkannt», schrieb Huber vor fünf Jahren auf seine Website – und registrierte «Gotthard» gleich für zwanzig Produktekategorien von Waschmittel über Eier und Geländewagen bis zu Telekommunikation. «Ich liess mich von den Appenzellern inspirieren», erzählt Huber: So stehe die Marke Appenzell im Unterland nicht mehr nur für Käse und Alpenbitter, sondern auch für trendige Mineralwasser und Bier und stärke dadurch die lokale Wirtschaft. Auch Gotthard, so heisst es auf der Website, sei ein «führendes Symbol für Qualität und Nachhaltigkeit im Bereich Regionalmarketing».

Kein Interesse an einem Gotthard-Bier

In Wirklichkeit hat selbst Franz Huber den Glauben an seinen Gotthard verloren: «Offenbar war ich der Einzige, der das Potenzial sah», bilanziert er mit Bitterkeit: «Ich habe keine Lust mehr. Ich höre auf.» Dabei hatte der Verwaltungsratspräsident der Hubrol AG, des «einzigen Brenn- und Treibstofflieferanten im Kanton Uri», talauf, talab Partner gesucht für sein Projekt. Doch Eichhof hatte kein Interesse an einem Gotthard-Bier, Victor Inox wollte keine Lizenz für ein Gotthard-Sackmesser, und Samih Sawiris bevorzugte den Namen «Andermatt Swiss Alps». Viele hätten ihm vorgeworfen, er wolle sich bereichern mit Lizenzen für die Gotthard-Marke – «dabei wollte ich doch nur etwas aufbauen für die Gotthardregion, die sonst immer bloss auf Impulse von aussen wartet. Früher kamen SBB und Militär, heute Sawiris.»

Nun ist es ja nicht so, dass niemand Interesse hätte an der Marke Gotthard: 27-mal ist sie im Markenregister eingetragen. Neben Rockmusik auch für Hotels, Bahnen, Schokolade oder Tunnelbauunternehmen. Und ein St. -Gotthard-Bier hat unterdessen Aldi Suisse lanciert. Jeder bastelt sich sein eigenes Gotthard-Logo, lässt es schützen und versucht, im Kleinen ein Geschäft zu machen. Was dem Urner Brennstoffhändler, der Gotthard-Lizenzen handeln wollte, natürlich gar nicht passte. Vor allem, als im Nachbardorf Attinghausen vor zwei Jahren die Heizungsbaufirma «Öko Energie AG Gotthard» gegründet wurde, die auch Brennstoffe liefert.

Vom Markenschutz ausgeschlossen

Mit einer Klage wollte Huber seine Exklusivrechte an der Marke Gotthard für Brennstoffe durchsetzen: Es bestehe Verwechslungsgefahr. Vor allem, da Huber mit «Gotthard Recycling» jetzt ebenfalls auf Ökobrennstoffe setzt. Doch er blitzte ab vor Obergericht, gelangte ans Bundesgericht, blitzte wieder ab. Geografische Herkunftsangaben, entschieden die höchsten Richter letzten November, seien vom Markenschutz ausgeschlossen: «Es muss jedem Produzenten möglich sein, auf die Herkunft seiner Produkte hinzuweisen. » Dass in der Gotthard-Region Brennstoffe gewonnen werden können, sei nun mal keine abwegige Vorstellung.

Damit hatte Huber nicht gerechnet: «Ich war völlig baff.» Aber um eine Erkenntnis reicher: Die bis zu 100'000 Franken, die er in die Marke Gotthard und ihre gerichtliche Verteidigung investiert hat, wird er nicht mehr sehen. Vor zwei Monaten hat Huber den Promotoren einer Gotthard-Expo 2020 angeboten, ihnen seine eingetragene Marke und die Website gotthard.ch gratis zu überlassen. Eine Antwort hat er nicht erhalten. (Basler Zeitung)

Erstellt: 15.07.2010, 11:01 Uhr

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