Hintergrund

Ohne Heirat den gleichen Namen

FDP-Nationalrat Andrea Caroni möchte, dass auch unverheiratete Paare mit Kindern den gleichen Namen tragen können. Heute lehnten viele die Institution Ehe ab. Experten widersprechen.

Keine Ehe, aber trotzdem eine Familie: Konkubinatspaare sollen den gleichen Namen tragen dürfen.

Keine Ehe, aber trotzdem eine Familie: Konkubinatspaare sollen den gleichen Namen tragen dürfen. Bild: Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Künftig sollen auch unverheiratete Paare gleich heissen können. FDP-Nationalrat Andrea Caroni will mit einem Vorstoss den Bundesrat beauftragen, das Zivilgesetzbuch entsprechend zu überarbeiten. Und zwar primär für Konkubinatspaare mit Kindern: «Viele unverheiratete Paare möchten die Einheit ihrer Familie mit einem gemeinsamen Namen ausdrücken», sagt er. Zudem erleichtere ein gemeinsamer Name den Auftritt einer Familie etwa bei Behörden oder in der Schule. Ob das Recht, gleich zu heissen, auch Konkubinatspaaren ohne Kinder eingeräumt werden soll, sei zumindest prüfenswert, schreibt Caroni in der Motion, die er heute im Parlament einreicht.

Die genauen Bedingungen müssten im Gesetz definiert werden und stehen noch nicht fest. Etwa, wie lange ein Paar schon zusammenleben muss, um den gleichen Namen zu tragen. Im Falle einer Trennung schlägt Caroni vor, analog zum Scheidungsrecht zu verfahren. In dem Fall könnte man wieder den alten, eigenen Namen annehmen. Rund 70 Parlamentarier aus allen Parteien haben den Vorstoss mitunterzeichnet.

Gesellschaftlicher Wandel

Die breite Unterstützung ist für Caroni ein Beleg für den gesellschaftlichen Wandel. «Heute lehnen viele die Institution Ehe ab.» Die einen bekundeten Mühe mit dem religiösen Überbau, andere glaubten nicht an die traditionelle Ehe als lebenslanges Treuebündnis. Der 33-jährige, im Konkubinat lebende Caroni liess sich für seinen Vorstoss auch von seinem Umfeld inspirieren. Er sieht sich als «Vertreter einer Generation, die das Konkubinat als valable Alternative zur Ehe versteht».

Roland Peterhans, Präsident des Schweizerischen Verbands für Zivilstandswesen, macht eine andere Erfahrung. «Die Institution Ehe hat nach wie vor Hochkonjunktur.» Die Heiratszahlen seien stabil. Heiraten sei für viele Paare ein wichtiger, emotionaler Akt. «Die Botschaft lautet: Ich stehe zu dir», sagt der Leiter des Zürcher Zivilstandsamtes, der in rund 30 Jahren 2800 Paare getraut hat.

Die Soziologin und Geschlechterforscherin Fleur Weibel untersucht die Gründe, weshalb sich Paare heute dazu entscheiden, zu heiraten. Der Vorstoss Caronis entspreche nur zum Teil dem Zeitgeist, sagt die Forscherin der Universität Basel: «Der Wunsch von Paaren nach einem gemeinsamen Familiennamen ist gross.» Gleichzeitig wollten die meisten die Ehe als «Gesamtpaket» und nicht nur wegen des Namens. Die Genderforschung teile die Vermutung, dass sich junge Menschen vermehrt wieder an traditionellen Werten wie etwa der Ehe orientierten. Eine Studie aus Deutschland belege, dass ein Drittel aller Paare angebe, aus emotionalen Gründen, «zur gegenseitigen Bestätigung der Liebesbeziehung», zu heiraten. Ein weiteres Drittel schliesst die Ehe aus religiösen oder traditionellen Motiven. Und ebenfalls ein Drittel heiratet aus praktischen Gründen – also etwa zur Familiengründung, wegen Aufenthaltsbewilligungen oder ökonomischer Vorteile.

Boom weisser Hochzeiten

Weibel beobachtet derzeit «einen Boom weisser Hochzeiten». In einer komplizierten Welt stelle die Ehe Normalität her und stifte Sinn, erklärt sie. Das Eingehen der Ehe in der Gesellschaft werde nach wie vor als persönlicher Erfolg gewertet. Sowohl für Männer wie auch für Frauen scheine es erstrebenswert zu sein, von «meinem Mann» oder «meiner Frau» zu sprechen.

Dank dem neuen Namensrecht dürfen Ehepartner seit 2013 ihre Namen behalten. Trotzdem entscheidet sich die Mehrheit dafür, gemeinsam den Namen des Mannes zu tragen. In der Stadt Zürich beispielsweise wählen rund 80 Prozent diese Möglichkeit, wie die «Schweiz am Sonntag» vor einiger Zeit berichtete. Die Liberalisierung des Namensrechts ermöglicht es auch, dass die Kinder eines unverheirateten Paares gleich heissen können wie der Vater. Voraussetzung ist das gemeinsame Sorgerecht. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 27.09.2013, 07:11 Uhr

Umfrage

Sollen unverheiratete Partner den gleichen Namen tragen dürfen?




Artikel zum Thema

8 gute Gründe, nicht zu heiraten

Mamablog Mamablog Das Paar fühlt sich freier, es ist unabhängiger – und es spart unter Umständen ziemlich viel Geld. Und das ist längst nicht alles, was für das Konkubinat spricht. Zum Blog

Konkubinat: Mütter zahlen drauf

Mamablog Mamablog Es gibt viele Gründe zu heiraten, doch Liebe ist es nicht: Weshalb sich Frauen trauen sollten. Zum Blog

Der schlimmste Tag im Leben

Manch junge Frau fürchtet sich vor den Sommerferien in ihrem Heimatland – aus Angst, zwangsverheiratet zu werden. «Ich wollte diese Heirat nicht», erzählt die 20-jährige Kosovarin Elmedina. Mehr...

Blog

Kommentare

Die Welt in Bildern

Ein Ohrenschmaus: Das Glastonbury-Festival mit über 100'000 Besuchern, ging heute nach fünf Tagen zu Ende.Ein Zuhörer beim Verlassen des Geländes (26. Juni 2017). Revellers and detritus are seen near the Pyramid Stage at Worthy Farm in Somerset during the Glastonbury Festival in Britain, June 26, 2017. REUTERS/Dylan Martinez
(Bild: Dylan Martinez) Mehr...