Schweiz
«Pendler müssen auch in Stosszeiten einen Sitzplatz haben»
Von Hubert Mooser. Aktualisiert am 15.01.2010
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Treibstoffgelder für die Bahn
Der VCS hat eine Initiative lanciert, wie der rund 12 Milliarden Franken teuere Ausbau des künftigen Bahnnetzes finanziert werden kann. Die Mineralölsteuer soll hälftig zwischen Strasse und Schiene aufgeteilt werden. In neun Monaten hat der VCS zusammen mit anderen Organisationen 150‘000 Unterschriften für die Volksinitiative gesammelt.
Frau Teuscher, die SBB wollen die Preise für Halbtax-Abos und Generalabonnemente erhöhen.
Es ist ein falsches Zeichen, dass im Zeitalter des Klimawandels die umweltfreundliche Bahn auf 2011 einseitig teurer wird. So werden Pendler animiert, wieder eher mit dem Auto unterwegs zu sein. Einer einseitigen Verteuerung des Bahnfahrens kann der VCS nicht zustimmen.
Warum hat der VCS denn nicht energisch gegen diese Erhöhung protestiert?
Man darf nicht die SBB alleine verantwortlich machen für diese Preissteigerung. Die SBB stehen unter einem erhöhten finanziellen Druck, seit sie kein Regiebetrieb des Bundes mehr sind.
Und wer ist dafür verantwortlich?
Die SBB und die übrigen Verkehrsbetriebe haben ihr Angebot in den letzten Jahren beständig ausgebaut. Bis anhin war das Parlament nicht bereit, den SBB dafür mehr Gelder zu geben...
Stattdessen sollen jetzt alle Pendler zur Kasse gebeten werden?
Wenn es nicht mehr Geld gibt, dann müssen die SBB sparen – entweder auf dem Buckel des Personals oder auf Kosten der Sicherheit und des Unterhalt des Bahnnetzes. Beides will der VCS nicht. Wie aber schon gesagt: der VCS wird einer einseitigen Erhöhung der Billett- und Abopreise nicht zustimmen. Wir verlangen, dass gleichzeitig die CO2-Abgabe auf Benzin und Diesel eingeführt wird. Denn Autofahren ist in der Schweiz immer noch eine der grössten Klimasünden.
Das ist aber ein schwacher Trost für alle jene, die täglich den Zug benützen. Sie empfinden die Erhöhung der Bahntarife als ungerecht.
Die einseitige Erhöhung des Zugfahrens ist tatsächlich ungerecht. Wenn der Bund den Klimaschutz endlich ernst nähme, müsste er alles daran setzen, dass möglichst viele Leute mit der klimafreundlicheren Bahn statt mit dem klimabelastenden Auto unterwegs sind. Er müsste den SBB die nötigen finanziellen Mittel zur Verfügung stellen, dass sie ihr Angebot ausbauen können ohne jene zu betrafen, die bereits heute Bahn fahren. Und er müsste nun sofort die längst überfällige CO2-Abgabe auf Benzin und Diesel einführen.
Tatsache ist doch, dass ohne Halbtax-Abo Bahnfahren in der Schweiz ein teurer Spass ist. Jetzt verteuert man aber auch das Halbtax-Abo. Die Schweiz hat eines der dichtesten Bahnnetze der Welt und ein sehr gutes Angebot. Das alles ist nicht gratis zu haben. Ein grosser Vorteil gegenüber anderen Ländern ist das einheitliche Tarifsystem. Mit jedem Billett kann man in der Schweiz selber auswählen, wann man fahren will. In vielen anderen Ländern sind Schnellzüge teurer als Regionalzüge und man muss Plätze vorgängig reservieren.
Viele Familien spüren diese Tariferhöhung im Budget.
Die Tarife für GA Behinderte, GA Kind, GA Plus Familia Kind sowie für das GA Plus Familia Jugend bleiben auf dem heutigen Stand. Entscheidend ist, dass Kinder und Jugendliche frühzeitig merken, dass es attraktiv ist, mit der Bahn unterwegs zu sein
In Stosszeiten leidet der Komfort in der Bahn. Was erwarten Sie von den SBB als Gegenleistung für die Erhöhung.
Pendler müssen auch in Stosszeiten einen Sitzplatz haben – das ist zentral. Daher braucht es in Spitzenzeiten einen dichten Taktfahrplan und genügend Bahnwagen. Ich kann mir auch vorstellen, dass man die Leute auf den Bahnhöfen darauf aufmerksam machen kann, wo es in den Zügen freie Plätze hat. Zudem müssen die Züge zuverlässig sein. Denn das ist doch der grosse Trumpf der Bahn gegenüber dem Autofahren: man erreicht pünktlich seinen Arbeitsplatz.
(baz.ch/Newsnet)
Erstellt: 15.01.2010, 14:28 Uhr




























