Schweiz

Politiker fordern mehr Kontrolle im Weiterbildungs-Dschungel

Von Michael Widmer. Aktualisiert am 19.12.2009

Die Weiterbildungsangebote an den Hochschulen schiessen wie Pilze aus dem Boden. Arbeitgeber beklagen, sie hätten den Überblick verloren. Bildungspolitiker und Verbände fordern den Bund zum Handeln auf.

Kopfzerbrechen wegen der Weiterbildung: Politiker wünschen, dass der Bund die Angebote stärker unter die Lupe nimmt.

Kopfzerbrechen wegen der Weiterbildung: Politiker wünschen, dass der Bund die Angebote stärker unter die Lupe nimmt.
Bild: Keystone

An den Schweizer Hochschulen werden Hunderte von Certificate of Advanced Studies (CAS), Diploma of Advanced Studies (DAS) und Master of Advanced Studies (MAS) angeboten. Der Markt ist frei, die Schulen können diese Weiterbildungen zu einem grossen Teil nach ihren und den Bedürfnissen der Branchen ausschreiben. Viele Arbeitgeber, aber auch Bildungsinteressierte fühlen sich jedoch angesichts des inzwischen riesigen Angebotes überfordert (siehe Artikel vom Donnerstag). Carmen Steimann, Sprecherin des Bundesamtes für Berufsbildung und Technologie (BBT), sagte gegenüber dieser Zeitung, es könne derzeit «in der Tat etwas unübersichtlich sein», doch der Gesetzgeber gehe davon aus, dass der Markt dies selber reguliere.

Skeptische Politik

Daran glauben Bildungspolitiker offenbar nicht so recht. «Zwar begrüssen wir, dass es heute beinahe massgeschneiderte Weiterbildungen gibt. Doch die Transparenz im Markt leidet, und die Bildungswilligen sind überfordert. Das macht keinen Sinn», sagt Peter Malama, FDP-Nationalrat (BS) und Direktor des Gewerbeverbandes Basel-Stadt. Eine kurzfristige Umfrage unter den Basler Gewerbetreibenden diese Woche hat gemäss dem Nationalrat ergeben, dass der Informationsbedarf vor allem bei kleineren und mittleren Betrieben klar gegeben ist. Das Mitglied der nationalrätlichen Kommission für Wissenschaft, Bildung und Kultur (WBK) fordert den Bund daher auf, für mehr Transparenz zu sorgen. «Jemand muss in dieser Frage den Lead übernehmen. Das BBT ist qualifiziert, der Wirtschaft und den Arbeitnehmenden zu helfen», ist Malama überzeugt. Er will noch vor Ende Jahr beim Bundesamt vorstellig werden, wie er dieser Zeitung sagte.

Erkannt, aber

Wie Hugo Barmettler, BBT-Vizedirektor und Chef Leistungsbereich Berufsbildung, auf Anfrage erklärt, habe man erkannt, «dass auf Weiterbildungsstufe vielfach ein Wildwuchs herrscht». Man wolle hier mehr Transparenz hineinbringen. «Allerdings», räumt er ein, «gibt es kein Patentrezept.»

Die Weiterbildung gibt dem Bund auch so viel zu tun. Einerseits leisten Experten derzeit die Vorarbeit für ein neues umfassendes Weiterbildungsgesetz, das die bisherige, heterogene Regelung einen soll. Gleichzei-tig stellt Barmettler fest, kämpfen die privaten und staatlich (mit)finanzierten Anbieter nicht immer mit gleich langen Spiessen. Dem Bund sind vor allem die Quersubventionierungen der Hochschulen ein Dorn im Auge. Diese schichten finanzielle Mittel aus dem Ausbildungsbetrieb in die Weiterbildung um, indem sie zum Beispiel von der öffentlichen Hand finanzierte Lehrkräfte auch in der eigentlich subventionsfreien Weiterbildung einsetzen, wie Barmettler berichtet.

Zudem hat das BBT festgestellt, dass Hochschulen Angebote auf den Markt bringen, welche die höhere Berufsbildung (zum Beispiel Meisterprüfungen) konkurrenzieren. «Die Hochschulabschlusstitel Master of Advanced Studies suggerieren dabei oft einen akademischen Masterabschluss», sagt Barmettler. Dies verfälsche den Wettbewerb gegenüber den wirtschaftsnahen Anbietern von höheren Bildungsabschlüssen, wie zum Beispiel Baumeister- oder anderen Verbänden.

Mehr Kontrolle von aussen?

Der Berner FDP-Nationalrat Christian Wasserfallen wünscht sich noch mehr Engagement durch den Bund: «Grundsätzlich ist es zu begrüssen, dass das Weiterbildungsangebot vielfältig ist. Diese Lehrgänge sind auch für die Schulen interessant, aus finanzieller Sicht wie als Möglichkeit, sich gegen aussen zu profilieren», sagt er. «Jedoch stellen sich gerade bei den CAS-Angeboten Fragen nach der Qualität.» Die Arbeitgeber müssten wissen, was ein potenzieller Arbeitnehmer wirklich könne. Darum plädiert Wasserfallen dafür, auch auf Stufe CAS und DAS Akkreditierungen durch externe Fachstellen vorzunehmen. «Diese können die Angebote auf inhaltliche Qualität prüfen», betont er. Gleicher Meinung ist der Schweizerische Gewerbeverband, wie er auf Anfrage verlauten lässt.

Es wird indes nicht einfach sein, den Weiterbildungsmarkt zu entwirren. Gerade weil die Schulen sich mit differenzierten Angeboten im Markt positionieren können. Auch lässt sich mit Weiterbildungsangeboten gutes Geld verdienen. Eine Studie der Universität Bern besagt, dass sich die Weiterbildungsausgaben in der Schweiz im Jahr 2007 auf rund 5,3 Milliarden Franken belaufen haben. (Berner Zeitung)

Erstellt: 19.12.2009, 08:33 Uhr

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