Schweiz
Ramadan in Basel
Von Joel Gernet. Aktualisiert am 10.09.2010 6 Kommentare
«Allahu akbar», Gott ist grösser, hallt es seit rund zwei Stunden durch den Innenhof an der Friedensgasse. Es ist 8.20 Uhr morgens und die Moschee der König Faysal Stiftung ist bis auf den letzten Platz gefüllt. Rund 1000 Gläubige verteilen sich über drei Stockwerke im Nebengebäude einer ehemaligen Fabrik. Dies ist auch für das 1987 entstandene Islam-Zentrum nicht alltäglich: «Der Andrang heute ist aussergewöhnlich», sagt Moschee-Vorsteher Nabil Arab (55), «wir hatten fast keinen Platz». Dies liege daran, dass heuer die arabischen Moscheen gemeinsam das Fest des Fastenbrechens begehen wollen und die türkischen und albanischen Gemeinschaften bereits am Donnerstag gefeiert haben.
Kurz vor halb neun Uhr. Jeden Moment könnte der aus Ägypten angereiste Imam zum Gebet anstimmen. Eilig steigen die Frauen mit ihren Töchtern die Aussentreppe hoch, die Männer begeben sich zu den Türen im Erdgeschoss. Vor dem Eingangsbereich türmen sich die Schuhe der Gläubigen, ebenso drinnen unter dem festlich gedeckten Tisch, auf dem süsses Gebäck und Thermosflaschen mit Tee und Kaffee bereitstehen.
Brüderlich und hilfsbereit bleiben
Pünktlich erklingt eine arabische Männerstimme aus den weissen Lautsprechern an der Holzdecke. Imam Abdullah Mohammad Saïd (50) hält seine Predigt vom ersten Stock aus. Die rund 200 Muslime im Parterre erheben sich und stimmen ins Gebet ein: «Allahu akbar, allahu akbar, allahu akbar.» Dann geht es auf den Knien weiter. An der Wand hängen Bilder der berühmten al-Haram-Moschee in Mekka und der Blauen Moschee in Istanbul.
Rund fünfzehn Minuten dauern die ersten beiden Gebete, gemeinsam abgehalten im Singsang. Danach predigt der ägyptische Imam zu den fast 1000 Gläubigen, von denen er die wenigsten selber sieht. Die Muslime sollen so aktiv, brüderlich und hilfsbereit bleiben, wie während des Fastenmonats; man solle den Armen und Kranken helfen und als Gast im Land den Dialog zum friedlichen Zusammenleben suchen, übersetzt Nabil Arab die arabischen Worte von Abdullah Mohammad Saïd.
Küsse und Umarmungen
Auf dem Spannteppich sitzend lauschen Gläubige unterschiedlichster Herkunft der Predigt: Tunesier in weissen Gewändern, Araber in Anzügen, Tamilen in Jeansjacke, farbig gekleidete Afrikaner. Ein bärtiger Mann im langen Umhang hantiert mit seinem iPhone. Auf der Treppe zum grossen Gebetssaal kauern zwei Knaben in langen, weissen Gewändern. Sie scheinen ungeduldig. Aus den oberen Räumen sind weitere Kinder zu hören. Sie plappern, schreien und lachen. «Normalerweise muss es in einer Moschee ruhig sein, aber bei diesem Fest haben die Kinder diese Freiheit,» wird der Tunesier Ali Farh (47), Vater der beiden Buben, nach der Predigt erklären.
Nach zwei weiteren Gebeten endet der andächtige Teil des Morgens kurz vor zehn Uhr. Lachend erheben sich die Männer, schütteln Hände, umarmen und küssen sich – beziehungsweise den Schreibenden. «As-sal?mu ?alaikum», Friede sei mit dir, erklingt es von allen Seiten. Es duftet nach Tee und zwei Teenager freuen sich auf die Geschenke – «das ist fast wie eine islamische Weihnacht». Vor der Moschee warten Tische voller Süssigkeiten und Getränke. Wer nach draussen will muss jedoch im Gerangel zuerst seine Schuhe wiederfinden. (baz.ch/Newsnet)
Erstellt: 10.09.2010, 19:51 Uhr
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6 Kommentare
Saudi Arabien baut überall Moscheen, aber in Saudi Arabien selbst gibt es keine einzige Kirche. Christen werden verfolgt, Moslems die Christen werden geköpft sogar die Gastarbeiter dürfen sich nicht zum Gottesdienst treffen sonst landen sie im Gefängnis und dann in ihre Heimat. Wie sehr wünsche ich mir die Christen in der islamischen Welt hätten es so schön und friedlich wie die Moslems bei uns! Antworten
Wer zweifelt bei solcher "Berichterstattung" noch daran, dass die Mohammedaner alles friedliebende Pazifisten sind, die nur das Beste für alle Menschen wollen? Ich habe es langsam satt, dass alle Mohammedaner-Themen in der Presse soviel Platz erhalten; die Journis meinen wohl, der Islam gehöre schon zum Alltag in der CH und wir Einheimische müssten uns daran gewöhnen...! Antworten
Schweiz
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