Rauchverbot: Wirt platzte der Kragen

Von Andrea Sommer. Aktualisiert am 05.02.2010 94 Kommentare

Als Ruedi Löffel, EVP-Grossrat und geistiger Vater des Berner Rauchverbots, im Fumoir des «Ankers» frische Luft verlangte, ist dem Wirt Beat Bill der Kragen geplatzt: Löffel wird im «Anker» nicht mehr bedient.

Wegen Rauchverbot: SP-Regierungsrat Andreas Rickenbacher und EVP-Grossrat Ruedi Löffel werden im «Anker» nicht mehr bedient.

Wegen Rauchverbot: SP-Regierungsrat Andreas Rickenbacher und EVP-Grossrat Ruedi Löffel werden im «Anker» nicht mehr bedient. (Bild: )

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Es war wohl als Provokation gedacht, als «Blick am Abend» Ruedi Löffel ins Fumoir des Restaurants Anker zum Interview bat. Nun ist der EVP-Grossrat und geistige Vater des Rauchverbots im Kanton Bern im «Anker» nicht mehr erwünscht. Dies, weil er laut Wirt Beat Bill auf die Frage, ob er etwas bestellen wolle, nach frischer Luft verlangt habe. Im Gastgewerbe liegen allein schon wegen der Wirtschaftskrise die Nerven blank. Was von Löffel als Scherz gedacht war, kam bei Bill schlecht an. Erst schade er den Beizen mit dem Rauchverbot, und dann müsse man sich noch solche Sprüche anhören, enerviert sich Bill. «Mir langts – Ruedi Löffel wird hier nicht mehr bedient.»

Nach dem Motto «mitgegangen – mitgehangen» hat Bill das Lokalverbot gleich auf Volkswirtschaftsdirektor Andreas Rickenbacher (SP) ausgedehnt.

Weisung ans Personal

Das war vor gut zwei Wochen. Seither hängt am Anschlagbrett gegenüber dem Buffet die entsprechende Weisung ans Servicepersonal: Unter den Bildern von Löffel und Rickenbacher schreibt Bill, dass «diese beiden Personen nicht erwünscht» seien und somit nicht bedient würden.

Auf das Beizenverbot angesprochen, muss Löffel zwar erst schmunzeln. Denn Anfeindungen von Wirten sind ihm nicht neu: Ende letzten Jahres sprachen Wirte in einem anonymen Schreiben gegen ihn und Rickenbacher ein Hausverbot in bernischen Restaurants aus. Anfang Jahr distanzierte sich Gastrobern von dem Schreiben (wir berichteten).

«Am Volk vorbei»

Löffel bedauert das Quasi-Lokalverbot im «Anker». «Während der Session esse ich hin und wieder gerne Rösti im ‹Anker›.» Wirte wie Bill würden vorschnell Sündenböcke ausmachen, so Löffel weiter. «Laut Gastrosuisse besteht im Gastgewerbe ein Überangebot von 30 Prozent. Dies und die Wirtschaftskrise schaden den Beizen mehr als das Rauchverbot.»

Gelassen die Reaktion von Volkswirtschaftsdirektor Andreas Rickenbacher: Während des Wahlkampfs seien Bilder in der Öffentlichkeit eine gute Sache, findet er. Mit seiner Haltung politisiere der «Anker»-Wirt allerdings am Volk vorbei: «In anderen Kantonen sprach sich die Mehrheit der Bevölkerung für den Schutz vor Passivrauch aus.» Zudem, so Rickenbacher, seien Boykott und Gesprächsverweigerung bei der Lösungssuche wenig hilfreich. Löffel hingegen signalisiert Gesprächsbereitschaft. «Ich treffe mich gerne mit den ‹Anker›-Verantwortlichen zum Gespräch. Wenns sein muss, sogar im Fumoir.» (Berner Zeitung)

Erstellt: 05.02.2010, 11:36 Uhr

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94 Kommentare

Lukas Heeb

05.02.2010, 14:33 Uhr
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War neulich mit meiner Frau wieder einmal in Zürich im Ausgang. Ich hatte zwei Restaurants im Sinn für ein gediegenes Nachtessen. Beide hatten Platz aber im ganzen Lokal immer noch keine Nichtrauchertische. Habe dankend abgelehnt und weiss noch nicht, ob ich es bei diesen Lokalen ab Mai überhaupt wieder versuchen werde. Die Ignoranz und Gleichgültigkeit dieser Wirte Nichtrauchern gegenüber nervt. Antworten


Sam Pirelli

05.02.2010, 13:22 Uhr
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Mögen die Missionare sich doch endlich informieren: In jedem einzelnen Land mit Rauchverbot sind harsche Auswirkungen zu beobachten. Irland: 20% der Pubs zu. Schottland 20–25% weniger Umsatz in den Speiselokalen (sic!). Allein in New York gingen 15'000 Gastrostellen verloren. Italien: gemäss Wirteverband rund 30% Umsatzrückgang. Deutschland dasselbe. Raucher konsumieren mehr, das wissen die Wirte. Antworten



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