Schweiz

Regula Rytz will Grüne nach rechts öffnen

Von Mirjam Comtesse. Aktualisiert am 23.04.2012 20 Kommentare

Die Berner Gemeinderätin Regula Rytz ist neu Co-Präsidentin der Grünen Partei Schweiz. Die 50-Jährige will die Zusammenarbeit mit der Wirtschaft verbessern und stärker auf das Thema Migration setzen.

Sie stehen neu an der Spitze der Grünen Partei Schweiz: Adèle Thorens und die Berner Gemeinderätin Regula Rytz.

Sie stehen neu an der Spitze der Grünen Partei Schweiz: Adèle Thorens und die Berner Gemeinderätin Regula Rytz.
Bild: Keystone

Komplett neue Spitze

Grüne Die Delegierten der Grünen haben am Samstag in Carouge GE Adèle Thorens (VD) und Regula Rytz (BE) zu ihren neuen Co-Präsidentinnen gewählt. Die beiden Nationalrätinnen lösen Ueli Leuenberger ab. Während die 40-jährige Thorens als pragmatische, konsensorientierte Politikerin gilt, verkörpert die 50-jährige Rytz den etatistischen Flügel. Somit haben die Delegierten entschieden, dass beide Lager vertreten sein sollen.

Komplett ausgewechselt wurde auch das Vizepräsidium. Es besteht neu aus dem Zuger Ex-Nationalrat Josef Lang, dem Zürcher Nationalrat Bastien Girod, der bei der Wahl fürs Co-Präsidium leer ausgegangen war, dem Genfer Ständerat und Ex-Regierungsrat Robert Cramer und der Aargauer Kantonsrätin Irène Kälin von den Jungen Grünen. Die bisherige Vizepräsidentin Aline Trede hatte ihre Kandidatur nach der Wahl von Rytz zurückgezogen. Sie wollte eine doppelte Berner Vertretung vermeiden. sda

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Frau Rytz, wofür stehen Sie als Co-Präsidentin der Grünen?
Ich stehe für eine kompetente, starke grüne Politik. Ich will eine gute Zusammenarbeit mit anderen Parteien und Verbänden, damit wir Mehrheiten schaffen können. Ich setze mich dafür ein, dass wir nicht nur Ideen anstossen, sondern diese mit konkreten Vorschlägen auch in die Praxis umsetzen können.

Im Berner Gemeinderat arbeiten Sie eng mit der SP zusammen. Werden Sie dies auch in Ihrer neuen Funktion tun?
Die SP ist für uns Grüne in vielen Punkten eine verlässliche Partnerin. In ökologischen Fragen stehen wir auch den Grünliberalen nahe. Mir ist aber auch wichtig, dass wir stärker mit der Wirtschaft zusammenarbeiten. Als Verkehrsdirektorin der Stadt Bern merke ich, dass etwa Bauunternehmungen oft viel offener sind für ökologische Ideen als ihre Funktionäre in der Politik.

Welche Funktionäre?
Die Wirtschaftsverbände oder die FDP. Diese hat es verpasst, sich in grünen Fragen zu öffnen. Hier konnten sich die Grünliberalen positionieren.

Ist es nicht eher so, dass die Grünen zu wenig wirtschaftsfreundlich sind und die Grünliberalen in die Bresche sprangen?
Die Wahlanalysen zeigen, dass die Wähler stärker von der FDP zu den Grünliberalen wandern als von den Grünen zu den Grünliberalen.

Sie betonen Ihre wirtschaftsfreundliche Seite. Wollen Sie damit Befürchtungen zerstreuen, Sie seien zu etatistisch und zu gewerkschaftsorientiert?
Solche Meinungen gründen auf Vorurteilen und nicht in einer Analyse meiner politischen Arbeit. Ich habe vier Jahre lang für den Gewerkschaftsbund gearbeitet, aber ich kenne beide Seiten der Sozialpartnerschaft: Als Bau- und Verkehrsdirektorin bin ich heute für 650 Mitarbeitende verantwortlich. Soziale Anliegen stehen übrigens nicht im Gegensatz zur Wirtschaft. Im Gegenteil: Gute Löhne, soziale Sicherheit und sozialer Frieden sind eine Basis, damit Unternehmen innovative Produkte und Dienstleistungen anbieten können.

Vor der Präsidiumswahl der Grünen haben sich mehrere Vertreter für eine neue Linie ausgesprochen. Konkret wünschten sie sich mit dem Zürcher Bastien Girod einen jungen, frechen Vertreter an der Spitze. Girod ist jetzt Vizepräsident. Kann die Zusammenarbeit funktionieren?
Ich bin sehr froh, dass Bastien Girod im Vizepräsidium ist. Es ist wie bei einem Fussballspiel: Auf dem ganzen Feld muss das Team zusammenspielen. Bastien Girod wird eine wichtige Rolle übernehmen in Energiefragen, etwa bei unserer Initiative zur Absicherung des Atomausstiegs. Die Stimmung nach den Präsidiumswahlen war im Übrigen sehr gut.

Wie wollen Sie die verschiedenen Strömungen in der Partei – wirtschaftsfreundlich versus sozial – zusammenhalten?
Jede Partei hat unterschiedliche Sensibilitäten. Die Aufgabe des Präsidiums ist es, aus verschiedenen Ansichten gemeinsamen Lösungen zu machen. Dabei muss der Wettbewerb der Ideen spielen. Eine Partei, in der alle gleicher Meinung sind oder sein müssen, lebt nicht mehr.

Wie werden Sie die Arbeit mit Ihrer Co-Präsidentin Adèle Thorens aufteilen?
Wenn es um die strategische Ausrichtung geht, werden wir Hand in Hand arbeiten. Aber die Betreuung der Sektionen und unsere Auftritte werden wir aufteilen: Sie wird stärker in der französischsprachigen Schweiz präsent sein, ich in der Deutschschweiz. Da ich in der Finanzkommission des Nationalrats sitze und Adèle Thorens in der Umweltkommission, ergeben sich auch thematisch andere Schwerpunkte.

Und wenn Sie sich bei einem Thema nicht einig sind – immerhin gelten sie als Vertreterinnen unterschiedlicher Flügel?
Wir werden versuchen, Widersprüche unter uns auszudiskutieren. Aber wenn wir nicht denselben Ansatz vertreten, machen wir das je nachdem auch transparent. Ich habe aber das Gefühl, dass wir ein sehr gutes Team werden.

Sie schreiben auf Ihrer Website, Sie wollen die Kommunikation und Themensetzung der Grünen verbessern. Wie wollen Sie das erreichen?
In den vergangenen Jahren ist es uns nicht richtig gelungen, unsere Erfolge hervorzuheben. Wir sind eine Partei, die immer nach vorne schaut. Doch wir müssen auch mal zeigen, was wir schon erreicht haben, zum Beispiel in der Verkehrs- und Energiepolitik. Gleichzeitig will ich auch Themen, die heute brennen, klarer positionieren. Ich denke da unter anderem an die Migrationspolitik.

Sie sind Berner Gemeinderätin, Nationalrätin und nun kommt noch das Parteipräsidium hinzu. Wie bringen Sie alle Aufgaben unter einen Hut?
Ende Jahr gebe ich mein Amt in der Berner Exekutive ab. Für diese kurze Zeit kann ich die Dreifachbelastung auf mich nehmen. Ich habe auch abgespeckt: Im Parteipräsidium werde ich mich vorläufig auf die strategische Arbeit konzentrieren. Und in der Stadtpolitik kann ich mich auf meine engagierten Kaderleute verlassen. Nach fast acht Jahren profitiere ich davon, dass ich die Dossiers und die Leute gut kenne.

Wird die Stadt Bern nicht darunter leiden?
Nein. Ich will noch viele Projekte vorwärtsbringen. Ich denke da an den Hochwasserschutz und an die zweite Tramachse. Leiden wird vor allem meine Freizeit.

Das heisst, Sie werden aufs Joggen und Wandern verzichten?
Ausgleich ist sehr wichtig. Ich werde deshalb wie bisher täglich mit dem Velo ins Büro und zu den Sitzungen fahren – bei jedem Wetter. Auch ein paar Wanderungen werden drin liegen. Aber ich werde dieses Jahr nur den kurzen Grand Prix laufen, obwohl ich mir den grossen vorgenommen hatte. Nächstes Jahr werde ich das nachholen. (Berner Zeitung)

Erstellt: 23.04.2012, 07:27 Uhr

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20 Kommentare

Boris Kerzenmacher

23.04.2012, 10:35 Uhr
Melden 52 Empfehlung 0

Die Grünen nach den fehlgeschlagenen Nationalratswahlen in Endzeitpanik! Verzweiflung pur!
Ihre Überlebensfrage:
Wie muß man die alten Großvokabeln waschen, umfärben, umgruppieren, um einerseits unsere Stammklientel zu halten und andererseits möglichst viele Dumme auf den Leim zu führen? Ihre einzige Chance und Hoffnung: neue Dumme wachsen immer nach.
Antworten


Patrick Tanner

23.04.2012, 11:27 Uhr
Melden 44 Empfehlung 0

solange die Grünen negieren, dass der Bevölkerungszuwachs dank Zuwanderung keine negativen Auswirkungen auf die Ökologie habe, solange darf man zurecht behaupten, dass "die Grünen" keine wirklich ökologische Partei ist. Erst vor Kurzem konnte im Wissenschaftsmagazin Science zweifelsfrei nachgewiesen, dass eine dirkete Korrelation zwischen dem Artensterben und der Bevölkerungsgrösse besteht. Antworten



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