Schweiz
Rehetobel will erstes Schweizer Solardorf werden
Von Jürg Ackermann. Aktualisiert am 23.03.2011 29 Kommentare
(Bild: TA-Grafik ib)
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Rehetobel verpasste sich kürzlich ein neues Leitbild. Dass darin die Sonne als wichtigster Energiespender eine zentrale Rolle spielt, hat mit der Lage des Ortes zu tun. Die Appenzeller Gemeinde befindet sich auf einer Sonnenterrasse zwischen Alpstein und Bodensee. Nebel kennt man hier oben kaum. Dieses günstige Klima will Rehetobel nun auch energietechnisch nutzen: Der grösste Teil des Stroms für die privaten Haushalte des 1700-Seelen-Dorfes soll dereinst nicht mehr aus AKW stammen, sondern von einem zwei Hektar grossen Solarpark direkt beim Ort – mit einer Kapazität von einer Million Kilowattstunden.
Dies zumindest schwebt dem Verein Solardorf Rehetobel vor, der letzte Woche aus der Taufe gehoben wurde. Terminiert war die Gründungsversammlung lange vor der Katastrophe in Japan. Initiant Andreas Zech ist überzeugt: «Die Zeit spricht für uns.» Und auch Rehetobels Gemeindepräsident, Ueli Graf, ist sich sicher: «Das Projekt hat in der Bevölkerung einen grossen Rückhalt. Wir glauben daran, dass es realisierbar ist.»
Hoffen auf Subventionen
«Wir müssen auf die grüne Wiese, weil das Dachpotenzial in Rehetobel nicht ausreicht. So können wir mehr und effizienter Strom produzieren», sagt Zech. Bei der Installation von Solarpanels auf Dächern seien derart viele Entscheidungsträger involviert, welche die Verfahren verlangsamen könnten. «Je mehr Gemeinden so denken und im Grossmassstab Solar- und Windstrom produzieren, desto eher haben wir die Möglichkeit, die‹Restrisiko-Technologie-Atomkraft› zu überwinden.»
Berechnungen des Vereins zeigen: Die Solarstromproduktion könnte für Rehetobel im Idealfall gar Gewinn abwerfen. Falls das Projekt vom Bund via kostendeckende Einspeisevergütung unterstützt wird, dürfen die Initianten auf bis zu 50 Rappen pro verkaufte Kilowattstunde hoffen. Damit liesse sich die vier Millionen teure Anlage in zehn Jahren amortisieren. Ohne Subventionen bräuchte es dafür zwanzig Jahre. Zech glaubt nicht, dass das Projekt an den Kosten scheitern wird. Möglich sei auch der Verkauf über eine Naturstrombörse. «Wir müssten genügend Leute finden, die für Solarstrom mehr bezahlen.»
Knacknuss Raumplanung
Eine grosse Hürde dürfte jedoch das Bewilligungsverfahren sein. Rentabel kann das Projekt nämlich nur betrieben werden, wenn dafür kein teures Bauland gekauft werden muss. Doch in der Landwirtschaftszone darf keine grosse Zahl an Solarpanels aufgestellt werden. Einen raumplanerischen Ausweg gibt es dennoch: Appenzell Ausserrhoden könnte eine Sondernutzungszone für den Solarpark definieren.
Wenig Freude an diesen Plänen haben die Umweltverbände. «Bevor wir nicht das Potenzial auf den Hausdächern ausgeschöpft haben, sind frei stehende Solaranlagen ein Unsinn», sagt beispielsweise Raimund Rodewald. Der Geschäftsführer der Stiftung Landschaftsschutz verweist auf ein Urteil des Neuenburger Verwaltungsgerichts. Dieses stoppte im vergangenen Oktober Pläne für einen drei Hektar grossen Solarpark in Coffrane im Neuenburger Jura. Solaranlagen gehörten auf Dächer oder in Industriezonen und nicht aufs freie Feld, hiess es im Urteil. Eher vorsichtig ist darum auch der Fachverband Swissolar. «Wir wollen frei stehende Solarparks nicht ausschliessen, sie haben für uns aber nicht erste Priorität», sagt Geschäftsführer David Stickelberger.
Umdenken nach Fukushima
Die Initianten lassen sich von diesen Einwänden nicht abhalten. «Der Solarpark würde 0,3 Prozent der Gemeindefläche bedecken. Dieses Opfer müssten wir für eine saubere Energie in Kauf nehmen», sagen sie. Als Nächstes soll nun ein Standort evaluiert werden. Dann muss das Ausserrhoder Raumplanungsamt entscheiden, ob es die Umzonung bewilligt. Auch für Rolf Wüstenhagen, Direktor des Instituts für Wirtschaft und Ökologie an der Universität St. Gallen, sind solche Solarparks grundsätzlich vorstellbar: «Die Situation nach Fukushima ist eine andere. Wir sollten jetzt auch an Dinge denken, die wir uns vorher nicht überlegt haben.»
Dass die Sonnenenergie Potenzial hat, will auch die Walliser Gemeinde Raron beweisen. Hier soll im Windschatten eines grossen Solarpanel-Herstellers eine Siedlung mit 26 Häusern entstehen, die über Sonne und Wind mehr Energie produziert, als sie verbraucht. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 22.03.2011, 21:59 Uhr
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29 Kommentare
Da soll noch einer sagen, die auf dem Land sein rückständig! Und wer blockiert das ganze? Ein Umweltverband. Dabei würde der "Solar-Wald" doch auch Schutz bieten für am Boden lebende Tiere. Vielleicht entsteht so eine wertvolle neue Öko-Nische! Antworten
Das ist echt toll. Endlich ,endlich schaffen es auch die Schweizer das Land zu verschandeln. Die grünen Wiesen zugepflastert mit Solarpanels. Die Bergkämme übersät mit Windräder. Die Flusstäler zugemauert mit Staudämmen etc, etc. Und die ganze Schweinerei wird subventioniert mit Steuergeldern. Mich graust es. Antworten
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