Schweiz
«Rotes Staatsfernsehen»
Aktualisiert am 18.05.2010 268 Kommentare
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«Ich werde erst arbeiten und dann reden»
Der frisch ernannte neue SRG-Generaldirektor Roger de Weck strich bei seinem Auftritt vor den Medien seine Qualitäten als Sanierer und seine Zweisprachigkeit hervor. Wo er in Zeiten roter Zahlen Abstriche machen will, sagte er nicht.
In seiner neuen Funktion wird der 56-jährige Publizist wie kein zweiter im Land den Service public verkörpern. Dass er sich als Integrationsfigur zwischen den Landesteilen versteht, machte Roger de Weck vor den Medien in Bern gleich zu Beginn deutlich: Er ging zuerst auf Französisch und anschliessend auf Deutsch auf den Umbruch in der Medienlandschaft, die roten Zahlen der SRG und die staatspolitische Aufgabe des Unternehmens ein.
Für die finanziell angespannte Lage der SRG sieht er sich als Manager gut gerüstet. Er habe mehrere Restrukturierungen und Fusionen durchgezogen, sagte er. «Diese Erfahrung werde ich nun bei der SRG anwenden.»
Wo er den Rotstift nach seinem Amtsantritt am 1. Januar 2011 ansetzen will, wollte de Weck nicht sagen. Entsprechenden Journalistenfragen entgegnete er: «Ich werde zuerst arbeiten und dann reden.» Im Leben gebe es immer Tabus, und er sei «kein Freund von Tabubrüchen aus Prinzip».
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Roger De Weck verfüge zwar über viele Kompetenzen, aber ihm fehle Managementerfahrung, sagte der Zürcher Nationalrat und FDP- Vizepräsident Markus Hutter. Ein Unternehmen mit über 6000 Mitarbeitern zu führen und erst noch Reformen durchzubringen, das sei eine enorme Herausforderung.
«Überrascht» über die Wahl erklärte sich de Wecks Kontrahent Nationalrat Filippo Leutenegger (ZH). Zu seiner Wahlniederlage wollte der FDP-Kandidat nicht viel sagen: «Ich wünsche Roger de Weck alles Gute für die anspruchsvolle Aufgabe.»
«Rotes Staatsfernsehen»
Deutliche Worte fand SVP-Nationalrat Ulrich Giezendanner: Mit dem linksliberalen Europabefürworter Roger de Weck bleibe alles beim alten: «Rotes Staatsfernsehen», sagte er auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA. Der Zürcher SVP-Nationalrat und Auns-Geschäftsführer Hans Fehr wittert einen Skandal: Eine sachliche und ausgewogene Berichterstattung unter dem «EU-Turbo im Quadrat» sei ein Hohn.
Das Lobbying der bürgerlichen Kreise sei wahrscheinlich einfach zu kurzfristig gewesen, übte sich Giezendanner in Selbstkritik. Seine 21-köpfige, bürgerliche «Mediengruppe» werde nun aber erst recht aktiv.
Zudem sucht die SVP das Gespräch mit de Weck: Bei einer Aussprache in den kommenden Wochen erwarte die Partei von ihm eine «Klärung seiner Position zu wichtigen politischen und unternehmerischen Fragen sowie gegenüber der SVP», heisst es in einem Communiqué.
SP zufrieden
Eher skeptisch über die Wahl zeigt sich die CVP. De Weck sei zwar ein erklärter Kämpfer gegen die Polarisierung im Land, sagte CVP-Sprecherin Marianne Binder. Sie zweifelt aber daran, dass die Mitte dadurch gestärkt werde. «Es ist ein Ärgernis, dass die CVP beim Schweizer Fernsehen kaum stattfindet und dadurch marginalisiert wird», so Binder. Ihre Partei hoffe dennoch, dass er lösungsorientierte, konstruktive und pragmatische Ansätze stärke.
Erfreut über den neuen SRG-Generaldirektor zeigt sich die SP. Als «überzeugten Kämpfer für den Service Public» charakterisierte SP-Nationalrat Hans-Jürg Fehr den designierten SRG-Generaldirektor. De Weck sei eine gute Wahl, gerade weil er vom Journalismus komme und kein Manager sei, sagte der Schaffhauser SP-Politiker.
Leuenberger steht hinter Roger de Weck
Der neu gewählte SRG-Generaldirektor Roger de Weck geniesst Rückendeckung von Medienminister Moritz Leuenberger. Er begrüsse die Wahl de Wecks, teilt der SP-Bundesrat mit.
Auf de Weck warte allerdings keine leichte Aufgabe: «Die SRG ist in finanziellen Schwierigkeiten und politisch wie auch wirtschaftlich enorm unter Druck», schreibt Leuenberger. Insbesondere die grosse Konkurrenz ausländischer Sender sei eine Herausforderung.
In dieser schwierigen Situation sei die journalistische Qualität ein wertvolles Gut, das unbedingt zu wahren sei. Die Wahl von Roger de Weck lasse ihn hoffen, dass dies gelinge, hielt Leuenberger fest.
Mediengewerkschaften voll des Lobes
Bei den Mediengewerkschaften hat Roger de Wecks Wahl Begeisterung ausgelöst. Der SRG-Verwaltungsrat habe sich damit für «Qualitätsjournalismus, Vielfalt und redaktionelle Unabhängigkeit» entschieden, schreibt etwa Impressum.
De Weck sei eine politisch und menschlich integre Person, sagte Comedia-Sprecherin Nina Scheu am Dienstag auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA. Der designierte SRG-Generaldirektor vertrete einen Service Public, wie sie es sich wünsche, hielt Barbara Büttner vom Schweizer Syndikat Medienschaffender (SSM) fest. (bru/sda)
Erstellt: 18.05.2010, 19:29 Uhr
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268 Kommentare
Bei einer Stelle, wie der eines SRG-Direktors, sind unternehmerische Erfahrungen und nicht jurnalistische gefragt. Bei so einer Stelle lässt man keinen Versuchsballon in Form eines Herrn de Weck steigen. Dass Herr de Weck diesen Posten erhält zeigt, es ist eine politische Wahl. Diese Ignoranz sämtlicher Tatsachen, kann sich nur ein mit Zwangsbeiträgen finanziertes Unternehmen wie die SRG erlauben. Antworten
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