SBB beschäftigen zu viele Kader zu Sonderlöhnen

Von Daniel Friedli, Bern. Aktualisiert am 14.07.2009 18 Kommentare

Die SBB umgehen ihren Gesamtarbeitsvertrag häufiger als erlaubt. Der Markt mache dies nötig, begründen sie. Trotzdem verlangt die Gewerkschaft eine Korrektur.

Mitarbeiter fördern und fordern: Andreas Meyer, Chef der SBB, durchbricht mit den Gehältern des Kaders die durch den Bundesrat festgelegten Grenzen.

Mitarbeiter fördern und fordern: Andreas Meyer, Chef der SBB, durchbricht mit den Gehältern des Kaders die durch den Bundesrat festgelegten Grenzen.
Bild: Keystone

Andreas Meyer legt bei seinem Personal besonderen Wert auf Leistung. Jeder müsse wissen, welche seiner Handlungen zur Verspätung eines Zuges geführt habe, erschreckte der SBB-Chef kürzlich via «SonntagsZeitung» seine Mitarbeiter. «Das ist Bestandteil seiner Leistung und sollte eigentlich lohnwirksam sein.»

Meyers Bemühen um mehr wirtschaftlichen Wind bei den SBB zeigt sich aber auch anderweitig, etwa bei den Arbeitsverträgen. Die Belegschaft der Bundesbahnen untersteht grundsätzlich dem Personalgesetz des Bundes sowie dem ausgehandelten Gesamtarbeitsvertrag (GAV). Allerdings erlaubt das Gesetz Ausnahmen: Kader etwa oder Aushilfskräfte dürfen gemäss Obligationenrecht (OR) angestellt werden. So können die SBB diesen Personen höhere Löhne zahlen. Umgekehrt fällt aber der weit ausgebaute Kündigungsschutz des GAV weg. Der Bundesrat hat den SBB darum enge Grenzen gesetzt: Sie dürfen nur 2 Prozent des Personals nach OR beschäftigen.

Konkurrenzfähige Löhne

Nun zeigt sich, dass die SBB hier weiter gehen als erlaubt. Letztes Jahr haben sie den Richtwert mit 2,8 Prozent erstmals überschritten. Und die Eisenbahnergewerkschaft SEV schätzt, dass die Quote derzeit bereits über 3 Prozent liegt. «Es ist Strategie der SBB, Leute aus dem GAV zu stossen», kritisiert SEV-Mann Daniel Trolliet. Ein anderer Gewerkschafter berichtet, die SBB würden Mitarbeiter gar drängen, den Vertrag zu wechseln.

Dem widersprechen die SBB. Richtig sei, dass die grosse Mehrheit der Kader eine Anstellung nach OR begrüsse, entgegnet Sprecher Reto Kormann. Und dass die SBB dabei die Quote überschreiten, begründet er mit den Regeln des Marktes: «Für uns ist es unabdingbar, einzelne Mitarbeitende mit Einzelarbeitsverträgen auf OR-Basis anzustellen.» Denn bei der Kadersuche müsse man auch bezüglich Lohn mit der Konkurrenz mithalten können. Die SBB möchten darum die OR-Quote noch weiter erhöhen, auf bis zu 5 Prozent. Der entsprechende Antrag ist bei Verkehrsminister Moritz Leuenberger hängig.

Vorspiel zu GAV-Verhandlungen

Die Personalverbände reagieren darauf indes skeptisch bis ablehnend. «Wir unterstützen das Anliegen nur, wenn die OR-Angestellten ähnlich gute Mitwirkungsrechte bekommen wie das GAV-Personal», sagt Urs Meier, der Leiter des Kaderverbandes des öffentlichen Verkehrs (KVöV). Denn in diesem Bereich würden die SBB derzeit nach eigenem Gutdünken schalten und walten. «Zudem muss den Betroffenen das höhere Risiko durch den Lohn oder durch andere Sicherheiten ausgeglichen werden.»

Gar nichts von einem Ausbau der OR-Verträge hält derweil der SEV. «Der heutige GAV bietet genug Flexibilität, um marktgerechte Löhne zu zahlen», meint Daniel Trolliet. Er erachtet den Trend gar als gefährlich. Denn die OR-Verträge enthielten Leistungsprämien, die nur bezahlt würden, wenn der Betroffene seine Ziele erreiche. Daher würden die Chefs die Mitarbeiter unter Druck setzen. «Und das ist letztlich auch eine Frage der Sicherheit», sagt Trolliet. Die Idee, Verspätungen via Lohn zu bestrafen, sei ein Beispiel dafür.

Der SEV wertet diesen Vorschlag denn auch eher als Versuch Meyers, vor den anstehenden Verhandlungen über den neuen GAV Druck zu machen. Und in Reaktion darauf kündigt die Gewerkschaft bereits an, man wolle die Leistungskomponenten ganz aus dem GAV streichen. Wer Löhne in Frage stelle, heisst es überdies hinter vorgehaltener Hand, der müsse damit bei Chef Meyer selber beginnen. Dessen Entschädigung von 1,08 Millionen Franken hat kürzlich selbst der Bundesrat als «überprüfenswert» bezeichnet. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 14.07.2009, 21:21 Uhr

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18 Kommentare

Ronnie König

14.07.2009, 22:13 Uhr
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Die SBB sollten sich besser um ihre Stellwerke kümmern, als ständig am Lohn ihrer Copains feilen! Nötig ist das undursichtige Lohnsystem bei diesen Nutznieser nicht! Aber jetzt sind die ewigen Schlafmützen beim Bund aufgewacht und meinen, sie müssten die letzten Jahre nachholen. Antworten


Michael Meienhofer

15.07.2009, 10:54 Uhr
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Konkurrenzfähige Löhne ? Als das "Beamtentum" noch herrschte, brauchte man dies nicht - eine sichere Lebensstelle war wesentlich mehr Wert als ein hoher Lohn. Das Abschaffen von garantierten Arbeitsplätzen hat seine Wirkung nicht verfehlt, alle wollen ja die Globalisierung. Auf der Strecke bleibt der Angestellte, Jobsuche, Entlassungen, unmögliche Arbeitswege, all diese Vorteile bejahen wir ja. Antworten



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