SMS statt heulende Sirene

Von Daniel Friedli. Aktualisiert am 28.04.2010

Der Bund erneuert das nationale Alarmsystem. Die Technik soll es möglich machen, das Volk künftig auch via SMS oder am Computer zu warnen.

Eine herkömmliche Sirene in Winterthur: Das heutige System der Alarmierung soll schon bald ersetzt werdenl.

Eine herkömmliche Sirene in Winterthur: Das heutige System der Alarmierung soll schon bald ersetzt werdenl.
Bild: Keystone

Zukunft: Warnung per SMS.

Die parlamentarischen Aufseher sind alarmiert. Das heutige System der Alarmierung mittels Sirenen müsse abgelöst werden, warnte die Finanzdelegation von National- und Ständerat vor kurzem in ihrem Jahresbericht. Und zwar dringend.

In dieser Absolutheit ist der Aufruf der Delegation zwar ein Fehlalarm. Denn von einer Ablösung der Sirenen ist nicht die Rede, wie das Bundesamt für Bevölkerungsschutz (Babs) versichert. Das Amt prüft aber, wie der Sirenenalarm allenfalls ergänzt werden könnte – etwa durch SMS, Zugdurchsagen oder Computer-Banner.

Der Bund im Firmennetz

Hintergrund dieser Abklärungen ist die laufende Erneuerung des Alarmierungssystems für den Wasseralarm und den Allgemeinen Alarm, an der das Babs seit gut einem Jahr arbeitet. Bis anhin werden die rund 5500 Alarmsirenen über das Infranet-Kabelnetz der früheren PTT angesteuert, das heute der Swisscom gehört. Weil die Swisscom aber aus wirtschaftlichen Gründen diesen Vertrag gekündigt hat, braucht es nun Ersatz. Dieser heisst Polyalert und wird, wie Projektleiter Thomas Kiener erklärt, zumindest im Vordergrund zunächst wenig ändern: Im Notfall heulen die Sirenen, statt über das Infranet-Kabel werden sie einfach über sichere Funknetze von Bund und Kantonen angesteuert. Im Hintergrund aber öffnet Polyalert neue Türen. Denn das Babs nützt die Beschaffung zu einer Vorinvestition für das, was noch kommen könnte: für die Benützung von virtuellen Sirenen.

Darunter verstehen die Fachleute beispielsweise einen Alarm per SMS, wie ihn Bern nach dem Aare-Hochwasser von 2005 für das Mattequartier eingeführt hat. Denkbar ist auch, dass die Menschen im betroffenen Gebiet automatisch angerufen und ab Band instruiert werden. Oder dass der Alarm mit dem Zugsinformationssystem der SBB, mit Sportstadien und Einkaufszentren verknüpft wird. Und technisch wäre es dem Bevölkerungsschutz gar möglich, sich in Firmennetze einzuklinken und im Notfall Alarm-Banner über die Monitore aller Angestellten zu schicken. «Das sind Ideen, denen wir uns nicht verschliessen wollen», sagt Kiener.

Bessere Information möglich

Noch gibt es für diese Ideen aber keine politischen Beschlüsse, geschweige denn Kredite. Und gewissen Politikern ist schon der laufende Umbau zu teuer. Auf 150 Millionen Franken wurden die Kosten für Polylalert in den nächsten 15 Jahren ursprünglich geschätzt, was bei der Finanzdelegation für Stirnrunzeln sorgte. Ihrer Ansicht nach könnte der Bund weiterhin über die Swisscom Alarm schlagen, da er als Mehrheitsaktionär beim Konzern ja das Sagen hat.

Beim Bund ist man hingegen nach dem anfänglichen Schock gar nicht mehr so unglücklich über die Kündigung. Denn Infranet ist veraltet, Unterhalt und Betrieb gestalten sich immer schwieriger. Das Umsteigen auf eigene Netze erhöht zudem die Autonomie und die Sicherheit des Systems. Und nicht zuletzt bietet der Ersatz eben auch neue Alarmierungsmöglichkeiten, die unter Fachleuten durchaus erwünscht sind. Denn bei einem Alarm über SMS oder Bildschirm kann man der Bevölkerung auch gleich mitteilen, was nun zu tun ist. Dies wissen nämlich beim akustischen Sirenenalarm längst nicht alle: Bei einer Umfrage des Babs antworteten nur zwei Drittel der Befragten richtig, dass beim Aufheulen der Sirenen das Radio einzuschalten ist und die Anweisungen der Behörden zu beachten sind. (Der Bund)

Erstellt: 28.04.2010, 14:55 Uhr

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